Oldtimer-Rallyes 2026 – Mein Saisonrückblick und Veranstaltungsvergleich
14 Rallyes, viele besondere Erlebnisse und einige bemerkenswerte Unterschiede in der Veranstaltungsqualität.
Die Oldtimer-Rallyesaison 2026 bot wieder reichlich Gelegenheit, unterschiedlichste Veranstaltungen kennenzulernen, bekannte Strecken neu zu entdecken und sich mit anspruchsvollen Orientierungsaufgaben und Zeitprüfungen auseinanderzusetzen.
Vom winterlichen Eifelabenteuer über klassische westfälische Orientierungsfahrten bis hin zu mehrtägigen Rallyes mit mehreren Hundert Kilometern Strecke war nahezu alles vertreten.
Dabei zeigte sich erneut: Eine gelungene Oldtimer-Rallye lebt nicht allein von schönen Straßen, schwierigen Aufgaben oder einem attraktiven Rahmenprogramm. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus sportlichem Anspruch, fairen Regeln, guter Organisation und einem respektvollen Umgang mit den Teilnehmern.
Zum Abschluss meiner persönlichen Rallyesaison habe ich meine 14 Veranstaltungsberichte des Jahres 2026 noch einmal ausgewertet und miteinander verglichen. Neben den Einzelbewertungen interessieren dabei insbesondere die Auffälligkeiten und Themen, die sich bei unterschiedlichen Veranstaltern immer wieder zeigen.
1. Das Rallyejahr 2026 im Überblick
Insgesamt wurden 14 Veranstaltungen mit einer eigenen Gesamtnote bewertet. Das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus.
Sieben Veranstaltungen erhielten eine Gesamtnote zwischen 1 und 2+, weitere vier eine glatte 2. Drei Veranstaltungen fielen mit 4- beziehungsweise 5 deutlich ab. Bemerkenswert ist, dass keine Veranstaltung eine Gesamtnote 3 erhielt.
Die überwiegende Zahl der Rallyes bot also eine gute bis ausgezeichnete Qualität. Bei drei Veranstaltungen führten allerdings erhebliche Probleme, insbesondere im Zusammenhang mit der Auswertung, der Regelauslegung oder der Organisation, zu einer deutlichen Abwertung.
Die Noten zeigen zugleich, dass die Gesamtbewertung nicht einfach dem rechnerischen Durchschnitt einzelner Kategorien entspricht. Gravierende Mängel bei der sportlichen Fairness können eine ansonsten attraktive Veranstaltung erheblich beeinträchtigen.
2. Alle 14 Rallyes mit Gesamtnote
| Veranstaltung | Datum | Gesamtnote |
|---|---|---|
| Eisbär Ori | 21.02.2026 | 1 |
| Linnenbauer Fahrt | 11.04.2026 | 1 |
| Drei Tage Rallye | 23.–25.04.2026 | 1 |
| Ramberg Historic | 01.–02.05.2026 | 2 |
| Westfalen-Lippe-Fahrt | 09.05.2026 | 4- |
| Hagen Klassik | 23.05.2026 | 2 |
| Düren Classics | 25.05.2026 | 5 |
| Classic Rallye Ahaus | 30.05.2026 | 2+ |
| Rund um die Hünengräber | 07.06.2026 | 2 |
| Rund um Oelde | 20.06.2026 | 1- |
| Rund um die Ahrquelle | 02.–04.07.2026 | 5 |
| NOSW Niederrhein Classic | 23.08.2026 | 2 |
| Wiehenfahrt | 26.09.2026 | 1 |
| WHF 500 | 09.–11.10.2026 | 1- |
Die Veranstaltungsnamen führen direkt zu meinen ausführlichen Originalberichten. Die angegebenen Gesamtnoten entsprechen den Bewertungen in diesen Berichten.
3. Vergleichende Bewertung nach Kategorien
Für einen direkten Vergleich der Rallyes habe ich sechs Kategorien herangezogen: Organisation (O), Strecke (S), Navigation (N), Wertungsprüfungen (WP), Ambiente (A) und Ergebnisfindung (E) einschließlich Transparenz und Kommunikation.
Die Kategorieneinstufungen wurden für diesen Saisonvergleich anhand der ausführlichen Veranstaltungsberichte vereinheitlicht. Sie müssen deshalb nicht in jedem Fall mit den ursprünglich verwendeten Einzelkategorien übereinstimmen.
| Veranstaltung | O | S | N | WP | A | E | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Eisbär Ori | 1 | 1 | 1 | – | 2+ | 1 | 1 |
| Linnenbauer Fahrt | 1 | 2+ | 2 | 1 | 1+ | 2 | 1 |
| Drei Tage Rallye | 1 | 1+ | 2 | 1 | 1+ | 3 | 1 |
| Ramberg Historic | 2 | 1 | 2- | 2 | 2 | 1 | 2 |
| Westfalen-Lippe-Fahrt | 2 | 2 | 2- | 1 | 2 | 6 | 4- |
| Hagen Klassik | 2- | 3 | 1- | 2 | 1 | 3+ | 2 |
| Düren Classics | 3 | 2 | 2- | 2- | 1 | 6 | 5 |
| Classic Rallye Ahaus | 1 | 2 | 2+ | 2+ | 2+ | 1 | 2+ |
| Rund um die Hünengräber | 2 | 2- | 1- | 1 | 5 | 3+ | 2 |
| Rund um Oelde | 2 | 1- | 2+ | 2+ | 1- | 2 | 1- |
| Rund um die Ahrquelle | 5 | 1 | 5 | 2 | 4- | 6 | 5 |
| NOSW Niederrhein Classic | 2+ | 2+ | 2 | – | 3 | 2 | 2 |
| Wiehenfahrt | 1 | 1- | 2+ | 1+ | 1 | 1 | 1 |
| WHF 500 | 2+ | 1- | 2+ | 1- | 1- | 2+ | 1- |
Bewertung nach Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). „–“ bedeutet: nicht anwendbar. Die Gesamtnoten sind meine ursprünglichen Veranstaltungsbewertungen.
4. Einzelbewertungen der Veranstaltungen
4.1 Eisbär Ori – Gesamtnote 1
Die Eisbär Ori überzeugte mit anspruchsvollen, originellen Orientierungsaufgaben, einer reizvollen Eifellandschaft und einer ausgesprochen persönlichen Atmosphäre. Besonders positiv fielen die neuen Halbpfeil-Aufgaben, die präzisen Unterlagen und die intensive Betreuung durch den Fahrtleiter auf. Auch eigene Navigationsfehler schmälerten den positiven Eindruck nicht, da die Aufgaben fair und nachvollziehbar gestellt waren. Gute Verpflegung, Humor und eine stimmungsvolle Siegerehrung machten die Veranstaltung zu einem besonderen Saisonauftakt.
4.2 Linnenbauer Fahrt – Gesamtnote 1
Die Linnenbauer Fahrt bot einen hervorragend organisierten Saisonauftakt mit anspruchsvollen Kartenaufgaben und professionellen Zeitprüfungen. Besonders überzeugte das neue Veranstaltungslokal, dessen Verpflegung und Atmosphäre Maßstäbe setzten. Kleinste Kartendetails sorgten allerdings weiterhin für gelegentliche Interpretationsspielräume und Diskussionen bei der Auswertung. Kleinere Schwächen bei Siegerehrung und Preisen änderten nichts am ausgezeichneten Gesamteindruck.
4.3 Drei Tage Rallye – Gesamtnote 1
Die Premiere der Drei Tage Rallye gehörte mit rund 850 Kilometern und eindrucksvollen Landschaften zu den Höhepunkten der Saison. Anspruchsvolle Zeitprüfungen, außergewöhnliche Hotels und besondere Pausenorte sorgten für ein begeisterndes Gesamterlebnis. Weniger überzeugend waren die geringe Gewichtung der Orientierungsaufgaben sowie einzelne Diskussionen um mehrdeutige Lösungen und nachträgliche Ergebniskorrekturen. Das außergewöhnliche Gesamtpaket rechtfertigte dennoch die Bestnote.
4.4 Ramberg Historic – Gesamtnote 2
Die Ramberg Historic bot eine deutlich stärker auf GPS-Messungen und Gleichmäßigkeit ausgerichtete Form des Rallyesports. Unzureichende Vorabinformationen und missverständliche Regelungen führten zunächst zu Schwierigkeiten, insbesondere für Erstteilnehmer. Herausragende Landschaften, anspruchsvolle Prüfungen, eine technisch ausgezeichnete Auswertung und die faire Unterstützung durch den Fahrerverbindungsmann sorgten für einen zunehmend positiven Eindruck. Insgesamt eine professionelle Veranstaltung, bei der insbesondere die Kommunikation im Vorfeld verbessert werden könnte.
4.5 Westfalen-Lippe-Fahrt – Gesamtnote 4-
Die traditionsreiche Westfalen-Lippe-Fahrt überzeugte zunächst mit interessanten Orientierungsaufgaben, guten Zeitprüfungen und einer insgesamt ansprechenden Verpflegung. Erhebliche Kritik verursachten jedoch nachträgliche Wertungsentscheidungen, eine aus meiner Sicht unterschiedliche Behandlung vergleichbarer Sachverhalte sowie der Umgang mit Einwendungen. Die fehlende Transparenz und eine unzureichende Kommunikation belasteten den positiven Eindruck des eigentlichen Fahrtages erheblich. Besonders enttäuschend waren diese Erfahrungen angesichts der Tradition und des sportlichen Anspruchs der Veranstaltung.
4.6 Hagen Klassik – Gesamtnote 2
Die Jubiläumsveranstaltung punktete mit gut ausgearbeiteten Orientierungsaufgaben, gelungenen Zeitprüfungen und sehr guter Verpflegung. Die Streckenführung fiel gegenüber früheren Jahren durch zahlreiche Ortsdurchfahrten, Ampeln und Tempo-30-Zonen etwas ab. Bei der Ergebniserstellung kam es zu Übertragungsfehlern und erheblichen Verzögerungen, auf die der Veranstalter jedoch konstruktiv reagierte. Gerade der sachliche Umgang mit den aufgetretenen Problemen trug zu einem insgesamt positiven Fazit bei.
4.7 Düren Classics – Gesamtnote 5
Die attraktive Eifellandschaft und das historische Ambiente von Schloss Burgau boten ausgezeichnete Voraussetzungen für eine gelungene Veranstaltung. Allerdings waren die komplexen Orientierungsaufgaben und anspruchsvollen Zeitprüfungen nur bedingt mit den Erwartungen an eine tourensportliche Veranstaltung vereinbar. Besonders problematisch entwickelte sich aus meiner Sicht die anschließende Ergebnisfindung mit mehrfach geänderten Musterlösungen und Zweifeln an der Neutralität des Schiedsgerichts. Die als nicht ausreichend fair und nachvollziehbar empfundene Wertung führte schließlich zur deutlichen Gesamtabwertung.
4.8 Classic Rallye Ahaus – Gesamtnote 2+
Die Classic Rallye Ahaus überzeugte durch eine professionelle Organisation, hochwertige Fahrtunterlagen und eine außergewöhnlich freundliche Teilnehmerbetreuung. Besonders positiv waren das Ambiente rund um Schloss und Innenstadt sowie die vollständig nachvollziehbare und reibungslose Auswertung. Verbesserungsmöglichkeiten gab es bei einigen überflüssigen Zusatzinformationen und einem wenig abwechslungsreichen Streckenabschnitt in den Niederlanden. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Traditionsveranstaltung mit gelungenem sportlichem Anspruch.
4.9 Rund um die Hünengräber – Gesamtnote 2
Die kompakte Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass auch chinesische Fahrtaufträge anspruchsvolle und überraschende Orientierungsaufgaben ermöglichen. Originelle Fallen, gut organisierte Zeitprüfungen und ein freundliches Helferteam sorgten für eine positive sportliche Bewertung. Weniger überzeugten das wenig attraktive Autohausambiente, die eingeschränkte Verpflegung und die unverhältnismäßig lange Wartezeit auf die Ergebnisse. Positiv hervorzuheben ist die Bereitschaft des Veranstalters, mit einem offiziellen Feedbackbogen Verbesserungsvorschläge einzuholen.
4.10 Rund um Oelde – Gesamtnote 1-
Die Rallye bot eine gelungene Kombination aus schönen Münsterländer Strecken, klassischen Orientierungsaufgaben und abwechslungsreichen Zeitprüfungen. Besonders überzeugten die engagierte Organisation, die freundlichen Helfer, das gute Catering und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Kritikwürdig waren der sehr lange Veranstaltungstag, eine teilweise unausgewogene Etappenlänge und technische Schwierigkeiten bei einzelnen Wertungsprüfungen. Insgesamt eine besonders empfehlenswerte Veranstaltung, deren sportlicher Charakter unbedingt erhalten bleiben sollte.
4.11 Rund um die Ahrquelle – Gesamtnote 5
Die Veranstaltung begeisterte zunächst mit spektakulären Eifelstrecken, schönen Serpentinen und grundsätzlich attraktiven Zeitprüfungen. Dem standen jedoch erhebliche organisatorische Schwächen gegenüber, darunter widersprüchliche Informationen, unklare Regelungen, schlecht lesbare Karten und eine wenig transparente Ergebnisdarstellung. Auch das angekündigte besondere Rahmenprogramm konnte die Erwartungen in wesentlichen Punkten nicht erfüllen. Die problematische Wertung und das Ausbleiben einer Reaktion auf später eingereichte Kritik führten zu einer entsprechend negativen Gesamtbewertung.
4.12 NOSW Niederrhein Classic – Gesamtnote 2
Die NOSW Niederrhein Classic überzeugte als anspruchsvolle Orientierungsfahrt mit hoher Aufgabendichte, komplexen Regeln und erfahrenen Organisatoren. Der sportliche Schwierigkeitsgrad lag deutlich über dem vieler vergleichbarer Veranstaltungen in Ostwestfalen. Die reizvolle Landschaft wurde allerdings durch lange Schleifen, schlechte Straßen und eine teilweise ermüdende Streckenführung relativiert. Die Auswertung funktionierte ordentlich, während Ambiente und Dokumentation der Musterlösungen noch Verbesserungspotenzial boten.
4.13 Wiehenfahrt – Gesamtnote 1
Die Wiehenfahrt zählte zu den überzeugendsten Veranstaltungen der Saison, weil professionelle Organisation, attraktive Landschaft und anspruchsvolle, zugleich eindeutige Aufgaben hervorragend zusammenspielten. Einen besonderen Höhepunkt bildeten die überraschend platzierten geheimen Vier-Sekunden-Zeitprüfungen. Auch Verpflegung, Atmosphäre und Auswertung erreichten ein außergewöhnlich hohes Niveau. Kleinere Kritikpunkte betrafen lediglich die Preise sowie die bedauerlich geringe Beteiligung in der Expert-Klasse.
4.14 WHF 500 – Gesamtnote 1-
Die Westfälische Herbstfahrt begeisterte mit außergewöhnlichen Strecken, schwierigen Navigationselementen und intensivem Rallyegefühl bei Regen, Dunkelheit und Nebel. Organisation, Unterkünfte, Verpflegung und abwechslungsreiche Prüfungen sorgten für einen gelungenen Saisonabschluss. Kritisch zu sehen waren allerdings einzelne Zeitprüfungen, bei denen schwierige Straßenverhältnisse und ambitionierte Anforderungen aus meiner Sicht vermeidbare Sicherheitsrisiken verursachten. Insgesamt blieb die WHF 500 eine beeindruckende Mehrtagesveranstaltung mit hohem Erlebniswert.
5. Übergreifende Auffälligkeiten und wiederkehrende Muster
Bei aller Unterschiedlichkeit der Veranstaltungen lassen sich aus den 14 Berichten einige Themen herausarbeiten, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison ziehen.
Sportliche Fairness und nachvollziehbare Ergebnisse
Der auffälligste wiederkehrende Schwerpunkt ist die Qualität der Auswertung. Eine noch so schöne Strecke und eine hervorragend organisierte Veranstaltung verlieren erheblich an Wert, wenn die sportlichen Ergebnisse nicht eindeutig nachvollziehbar sind.
Dabei geht es weniger darum, ob eine Mannschaft mit ihrer Leistung zufrieden ist oder welche Platzierung am Ende erreicht wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Aufgabenlösungen, Regeln und Wertungsentscheidungen für alle Teilnehmer gleichermaßen gelten.
Positive Beispiele waren unter anderem die Wiehenfahrt, die Classic Rallye Ahaus und die Ramberg Historic. Bei der Westfalen-Lippe-Fahrt, den Düren Classics und der Rallye Rund um die Ahrquelle führten dagegen Probleme bei der Regelauslegung oder Ergebnisfindung zu erheblichen Abwertungen.
Besonders kritisch sind nachträglich geänderte Musterlösungen, uneinheitliche Neutralisierungen oder Entscheidungen, deren Zustandekommen nicht ausreichend erläutert wird.
Anspruchsvolle Aufgaben müssen eindeutig lösbar sein
Eine gute Orientierungsfahrt darf und soll schwierig sein. Komplexe Kartenaufgaben, Überlappungen, Gegenläufigkeiten, Halbpfeile, Fischgräten oder geschickt platzierte Kontrollstellen gehören ausdrücklich zum Reiz des Sports.
Die besten Veranstaltungen zeigten, dass sich ein hoher Schwierigkeitsgrad und eindeutige Aufgabenstellungen keineswegs ausschließen. Problematisch wird es erst dort, wo mehrere Lösungen gleichermaßen plausibel erscheinen oder Kartenmaterial und Aufgabenstellungen nicht präzise genug sind.
Ein eigener Fehler bei einer anspruchsvollen Aufgabe ist ärgerlich, gehört aber zum Wettbewerb. Ein Fehler aufgrund einer unklaren Aufgabenstellung oder widersprüchlicher Regeln sollte dagegen vermieden werden.
Organisation, Kommunikation und Umgang mit Kritik
Auch bei professionell vorbereiteten Veranstaltungen können Fehler passieren. Entscheidend ist dann, wie damit umgegangen wird. Die Hagen Klassik lieferte ein gutes Beispiel dafür, dass eine offene und konstruktive Kommunikation selbst erhebliche Verzögerungen bei der Ergebniserstellung abmildern kann.
Umgekehrt verstärken mangelnde Erreichbarkeit, unklare Aussagen oder ein wenig sachlicher Umgang mit Einwendungen bestehende Probleme.
Positiv fällt immer wieder auf, wenn Veranstalter selbst aktiv am Rallyesport teilnehmen. Die Erfahrung aus der Fahrer- und Beifahrerperspektive scheint häufig zu helfen, Aufgabenstellungen, Abläufe und Informationen praxisgerecht zu gestalten.
Besondere Anerkennung verdienen dabei auch die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Ihr Engagement trägt entscheidend zum Gelingen der Veranstaltungen bei und sollte unabhängig von Kritik an einzelnen organisatorischen Entscheidungen gewürdigt werden.
Attraktive Strecken und abwechslungsreiche Prüfungen
Eine gelungene Strecke muss nicht zwangsläufig besonders lang sein. Entscheidend sind landschaftlicher Reiz, schöne Fahrstraßen, interessante Aufgaben und eine Streckenführung, die Freude am Fahren vermittelt.
Die Eifel, der Harz, das Lippische Bergland und das Münsterland boten dafür zahlreiche positive Beispiele. Weniger überzeugend waren längere Passagen durch Ortsgebiete, Gewerbegebiete, verkehrsreiche Hauptstraßen oder unnötige Überführungsetappen.
Auch bei den Zeitprüfungen zeigte sich eine zunehmende Vielfalt. Geheime Kurzprüfungen, GPS-Messungen und ungewöhnliche Prüfungsformen sorgten für zusätzliche Spannung.
Allerdings sollte bei aller sportlichen Herausforderung die Sicherheit stets Vorrang haben. Schlechte Fahrbahnverhältnisse, unübersichtliche Streckenabschnitte oder unrealistische Anforderungen dürfen nicht zu unnötigen Risiken für Teilnehmer und Fahrzeuge führen.
Verpflegung, Ambiente und das Gesamterlebnis
Eine Oldtimer-Rallye besteht nicht nur aus Bordbuch, Stoppuhr und Kontrollstellen. Gute Gastronomie, interessante Veranstaltungsorte, angenehme Aufenthaltsräume und eine stimmungsvolle Siegerehrung prägen den Gesamteindruck erheblich.
Besonders positiv in Erinnerung blieben beispielsweise das neue Veranstaltungslokal der Linnenbauerfahrt, die außergewöhnlichen Stationen der Drei Tage Rallye und die Verpflegung bei der Wiehenfahrt und Rund um Oelde.
Wiederholt kritisch bewertet wurden dagegen wenig attraktive Rallyezentren in Autohäusern, unzureichende Verpflegung oder unangemessen lange Wartezeiten bis zur Siegerehrung. Ein rundes Veranstaltungskonzept muss deshalb auch außerhalb der eigentlichen Fahrstrecke überzeugen.
Moderne Technik und verständliche Unterlagen
Die zunehmende Digitalisierung bietet den Veranstaltern große Chancen. Elektronische Zeitmessung, GPS-Systeme, digitale Nennportale und automatisierte Auswertungen können Abläufe erleichtern und Ergebnisse schneller verfügbar machen.
Allerdings funktioniert das nur, wenn die Technik zuverlässig eingesetzt wird und die Teilnehmer die notwendigen Informationen rechtzeitig und verständlich erhalten. Überladene Unterlagen, widersprüchliche Informationsquellen und fehleranfällige Ergebnisübertragungen bewirken genau das Gegenteil.
6. Gesamtfazit und persönlicher Saisonrückblick
Die Rallyesaison 2026 bot eine erfreulich große Zahl guter und sehr guter Veranstaltungen. Elf der 14 bewerteten Rallyes erhielten mindestens eine glatte 2. Das spricht für die insgesamt hohe Qualität und das große Engagement vieler Veranstalter.
Besonders positiv in Erinnerung bleiben die Eisbär Ori, die Linnenbauerfahrt, die Drei Tage Rallye und die Wiehenfahrt, die jeweils mit der Bestnote ausgezeichnet wurden. Auch Rund um Oelde, die Classic Rallye Ahaus und die WHF 500 überzeugten mit einem sehr guten Gesamtpaket.
Die drei deutlich schlechter bewerteten Veranstaltungen zeigen allerdings, wie schnell ein schöner Rallyetag durch Probleme bei der Organisation oder Ergebnisfindung überschattet werden kann.
Dabei verlangt niemand absolute Fehlerfreiheit. Gerade bei Veranstaltungen, die mit viel ehrenamtlichem Engagement organisiert werden, ist gegenseitiges Verständnis selbstverständlich. Was allerdings erwartet werden darf, sind eindeutige Regeln, gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer, sachlich begründete Entscheidungen und die Bereitschaft, auf Kritik einzugehen.
Für mich persönlich gehören anspruchsvolle sportliche Aufgaben und faire Bedingungen untrennbar zusammen. Ich möchte auf der Strecke gefordert werden, interessante Landschaften entdecken und auch einmal an einer besonders raffiniert gestellten Aufgabe scheitern. Entscheidend ist aber, dass ich anschließend nachvollziehen kann, warum eine Lösung richtig oder falsch war.
Ebenso wichtig sind die Menschen hinter den Veranstaltungen. Freundliche Helfer, engagierte Fahrtleiter, interessante Gespräche mit anderen Teilnehmern und die gemeinsame Begeisterung für historische Fahrzeuge machen den besonderen Charakter dieses Sports aus.
Meine Berichte sollen deshalb nicht nur schöne Erinnerungen dokumentieren, sondern auch Anregungen geben. Lob, wo es verdient ist, und Kritik, wo sie aus meiner Sicht angebracht erscheint.
Die Bewertungen geben ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen als Teilnehmer wieder. Sie basieren auf den ausführlichen Veranstaltungsberichten des Jahres 2026.
Stand: Oktober 2026