
VERANSTALTUNG
22. ADAC Oldtimer Klassik „Rund um die Hünengräber“, Delmenhorst
OC Delmenhorst e.V. im ADAC
07. Juni 2026

TEAM
H.G. Sonnendecker / Frank Schäfer
auf
Audi 80 2.6E (B4)
Nach einem Jahr Pause gibt es diese Veranstaltung wieder in den Wertungsgruppen „touristisch“ und „sporttouristisch“. 2025 hatten wir ausgesetzt, da uns eine Ausfahrt ohne Kartenaufgaben zu wenig interessant erschien. Wir waren offenbar nicht die Einzigen, also hatte der Veranstalter ein Einsehen und bot 2026 wieder die Wertungsgruppe mit Orientierungsaufgaben an.
Es gab insgesamt 82 Nennungen, davon 21 Sporttouristen und 61 Touristen. Wobei „Touristisch“ hier keineswegs der Definition des ADAC Nordrhein entspricht: auch in dieser Wertungsgruppe ging es mit einem Chinesenroadbook an den Start und es gab keine Scherz-, Schätz- oder Turnieraufgaben. Ganz im Gegenteil: wenn man sich einmal die im Internet verfügbaren Musterlösungen T und ST im Detail anschaut, dann stellt man fest, das auch oder sogar gerade bei den „Touristen“ sehr viele sehr gut gemachte chinesische Fallen aufgestellt waren. Das möchte ich vorab an dieser Stelle schon einmal lobend erwähnen!!!
Mehr Inhalt als gedacht, das ist das aktuelle Leitmotiv des Vereins, der derzeit eine Art Generationswechsel einleitet. Das langjährig erfolgreiche Grundkonzept einer kompakten Veranstaltung mit 80 km Strecke wurde, zum Glück, beibehalten.
TEILNEHMER-BERICHT
Organisation (vor und während der Veranstaltung)
Ausschreibung, Nennung und Nennliste wurden klassisch über die Internetpräsenz des Vereins abgewickelt. Das funktionierte reibungslos, auch wenn die Nennung per PDF/Email nicht mehr ganz dem heutigen Standard (TW Sportsoft App) entspricht. Als Teilnehmer bekam man ca. eine Woche vor der Fahrt eine Mail mit den Fahrbestimmungen (Fahrerbrief), das ist vorbildlich – so konnte auch die Fahrerbesprechung entfallen.
Am Veranstaltungstag selber hat der organisatorische Ablauf am Start, Ziel, an der ZK sowie den DK und den Zeitprüfungen ebenfalls reibungslos funktioniert. Überall freundliche Helfer. DK ADAC (gute Stimmung!) und DK Seniorenresidenz zählen hier einfach dazu, das ist menschlich und macht total viel Spass.
Weniger Spass macht, konzeptbedingt, der Aufenthalt im Autohaus, welches für eine solche Veranstaltung und die Versorgung von ca. 180 Menschen ja nicht gedacht ist. Ich bewerte das unter „Ambiente“.
Die Grundidee einer kompakten Veranstaltung, bei der man nicht um 5 Uhr morgens aufstehen muss und die Siegerehrung gegen 23 Uhr stattfindet, ist nach wie vor sehr gut und ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Allerdings wurde der Start dieses Mal auf 11 Uhr vorverlegt, was für uns als Von-weiter-weg-Anreisende eher ungünstig war.
Die Fahrzeit für die 80 km war mit 70+95= 165 Minuten angegeben: also 2 Stunden und 45 Minuten. Wir waren somit gegen 14 Uhr wieder im Ziel. Der Ergebnisaushang erfolgte ca. 17:30 Uhr. Die Wartezeit war somit deutlich länger als die eigentliche Fahrt und für dieses kompakte Format unangemessen lang.
Note: 2
Strecke
In diesem Jahr führte die Strecke in Richtung Norden und teilweise an der Weser vorbei. Deiche, Schafe, kleine und große Höfe, Werften etc. – das leicht maritime Flair hat uns gut gefallen. Da man mit 80 km Gesamtstrecke nicht so weit vom Start/Ziel wegkommt, gab es naturgemäß auch einen hohen Streckenanteil im Ort, mit Tempo 30 sowie Ampeln, etc. Das fällt angesichts der relativ kurzen Strecke nicht so sehr ins Gewicht, flüssig fahren konnte man aber weitgehend nicht.
Davon abgesehen, war die Streckenführung sehr schön ausgesucht, auch über kleinste Dorfwege, Schotterabschnitte, Innenstädte, Wohngebiete, etc. Die Anwohner waren freundlich und das Schild „Ihr hupt, wir trinken“ ist uns auch wieder begegnet.

Note: 2-
Roadbook
Wie in den Vorjahren: Top Roadbook, umfassende Infos im Fahrerbrief (fast schon zu viele Infos). Die Chinesendarstellung war einwandfrei, die Kilometrierung allerdings an einigen Stellen eher ungenau. Das ist insbesondere dann misslich, wenn es bei den kleinen Ecken um einige wenige Meter geht: vorne rum an der Ecke oder hintenrum?
Die beiden kleinen Kartenaufgaben waren für Delmenhorster Maßstäbe ungewohnt schlecht, da sehr unscharf dargestellt. Hier musste man erahnen oder aus dem Kontext erschließen, was nun ein Punkt sein sollte (unter der Lupe waren das eher kleine Striche).
Note: 1-
Aufgabenstellung
Bei der „sporttouristischen“ Wertung fährt man in Delmenhorst ca. 80% der Strecke nach Chinesen, den Rest dann nach Kartenskizzen. Dieses Mal waren es lt. Roadbook ca. 12 Kilometer nach Karte. Das war in den Vorjahren noch anders, da gab es mehr Kartenaufgaben. Mhm, das könnte aber langweilig werden, so unser spontaner Gedanke vor dem Start.
Denkste! Aus den Chinesen hat der Fahrtleiter hier das Maximum an Fallen und Tricks rausgeholt. Fast jede kleine Ecke wurde ausgenutzt. Ein präziser Tripmaster ist Pflicht. Es gab direkt ab Start viele Kontrollen, und auch auffallend viele Negativkontrollen, inklusive einer Negativ-DK. Immer, wenn die Kilometrierung unter 100 Meter war, dann konnte man schon fast damit rechnen, dass wieder eine Falle/Ecke kam. In dieser Hinsicht heben sich die „Hünengräber“ sehr positiv von anderen Fahrten mit sportlichem Anspruch ab (Chinesen werden überwiegend für Überführungsetappen genutzt).
Die insgesamt vier Kartenskizzen waren ebenfalls trickreich gestaltet. Mehr Inhalt als gedacht, könnte man also feststellen. (Fast) kein Team hatte am Ende null Fehler, eine Wertung kam somit über die Ori-Aufgaben zu Stande und nicht über die Zeitprüfungen.
Die Bewertung der ZK sollte vielleicht mal überdacht werden: 0,1 Punkte je Minute Zeitüberschreitung sind schon eine arg großzügige Bewertung.
Note: 1-
Wertungsprüfungen
Sollzeitprüfungen gab es auch 2026 – wie üblich – zwei Stück: Direkt nach dem Start eine 7 Sekunden-Prüfung durch zwei Lichtschranken und auf dem TÜV-Gelände einmal um das Gebäude mit drei Messungen, ebenfalls per Lichtschranke. Das war gut organisiert, im Kern geht es aber bei den Hünengräbern um die Orientierungsaufgaben.
Note: 1
Verpflegung und Ambiente
Start und Ziel der Veranstaltung sind traditionsgemäß in einem Autohaus. Hier werden dann die typischen Vor-und Nachteile einer solchen Standortwahl schlagend: Guten Parkplatzsituation, wahrscheinlich günstig für den Veranstalter. Aber auch: Stickige Halle, Bierzeltgarnituren, keine Küche, kaum WCs – desolater WC-Wagen. Gerade wenn man in dieser Umgebung stundenlang ausharren muss, bis die Siegerehrung stattfinden kann, ist das der Stimmung eher nicht zuträglich. Die Verpflegung war dieses Mal eher mau. Die Fahrt wurde ja vorverlegt. Wir sind gegen 9:35 Uhr eingetroffen und haben ein Frühstück erwartet. Es gab jedoch entweder eine Heißwurst mit trockenem Brot oder Gulaschsuppe oder Hochzeitssuppe. Puuuuuh. Frühstück um 10 Uhr mit Brühwurst oder Suppe? Getränke mussten extra bezahlt werden: Cola 2,50 EUR, Kaffee aus dem Brilomat für 2,00 EUR die Tasse.
Später, nach dem Zieleinlauf, gab es dann Kaffee & Kuchen sowie kleine Süßspeisen aus dem Glas. Das war soweit ok, aber doch extrem zuckerlastig. Wer wollte, der konnte noch die Wurst oder Suppe vom (Vor-)Mittag gegen gesonderte Bezahlung ordern. Insgesamt eine echt merkwürdige Zusammenstellung von Nahrungsmitteln für 100 EUR Nenngeld. Hier sollte der Veranstalter in sich gehen und ein vernünftiges Catering ordern. Vielleicht mal einen Food-Truck? Oder wenigstens belegte Brötchen. Man muss bedenken: hier gibt es Verpflegung nur am Start und Ziel, denn eine (Mittags-)Pause findet ja konzeptbedingt nicht statt.
Note: 5
Auswertung und Ergebnisaushang
Vorbildlich: Musterbordkarten und Musterlösungen wurden frühzeitig ausgehängt. Der „fachliche Berater“ stand für Rückfragen und zur Klärung von Details auch bereitwillig zur Verfügung. Es gab keine Neutralisierungswelle, im Einzelfall „80“ wurde die Kontrolle gestrichen, da der Chinese im Bordbuch nicht wirklich korrekt dargestellt war. Bei der neutralen „44“ ist der Fahrleiter- zu Recht! – hart geblieben.
Leider nicht vorbildlich: Es verging zu viel Zeit, bis die Ergebnislisten ausgehängt wurden und die Siegerehrung starten konnte. Viel zu viel Zeit angesichts des kompakten Formates und auch irgendwie unverständlich, wo doch die Bordkarten und Lösungen so früh hingen. Aber es wird natürlich schon seine Gründe gehabt haben. Im Zusammenhang mit dem wenig schönen Ambiente und der mauen Verpflegung hat das den Gesamteindruck schon getrübt, was schade ist.
Note: 3+
Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung
Die Siegerehrung an sich war angemessen und stimmungsvoll – keine reine Pokalübergabe Es wurden auch die Punkte der Platzierten genannt und es herrschte eine gute/freundliche Stimmung. Sachpreise von Sponsoren gab es auch noch – in Delmenhorst isst man gerne Nudeln.

Note: 2
Anmerkungen und Besonderheiten
Die Ausgabe eines Feedback-Bogens habe ich bei einer Oldtimer-Rallye bisher noch nie erlebt, bei den reinen Oris ist das hingegen durchaus bekannt.
Vorbildlich!


./.
FAZIT
Gut organisierte Kompaktveranstaltung mit schöner Streckenführung über 80 KM ohne Mittagspause mit Schwerpunkt Orientierungsaufgaben. Insbesondere die trickreichen Chinesen-Aufgaben sind eine Besonderheit dieser Fahrt, die unbedingt beibehalten werden sollten. Auch das Kurzformat finde ich grundsätzlich sehr gelungen. In Bezug auf das Start-/Ziellokal inkl. Verpflegung bestehen Verbesserungspotenziale, die aber ebenso realisierbar sein sollten, wie eine Verkürzung der Wartezeit auf die Auswertungsergebnisse.
Gesamtnote: 2
IMPRESSIONEN

Links:
Das gab es hier um 10.00 Uhr zum Frühstück (auf der Wertmarke als „Mittagessen“ deklariert)
Rechts:
Kuchen und Süßspeisen im Ziel waren ok, für 100 EUR Nenngeld kann man aber mehr erwarten. Eine der wenigen Oldtimer-Rallyes, bei denen man hungrig nach Hause fährt.


Links:
Angemessene Pokale und Sachpreise. In Delmenhorst isst man gerne Nudeln.
Rechts:
Anlässlich des Fahrtleiterwechsels gab es einen offiziellen Feedbackbogen inkl. Wahlurne. Eine sehr gute Idee, die ich sonst so nur vom Ori-Sport her kenne. Daran könnten sich andere Veranstalter, inkl. ADAC, gerne mal ein Beispiel nehmen.



















AUFGABEN

Astreines, hochwertiges Roadbook mit Chinesen. Unterwegs gab es vier separate Orientierungsaufgaben als Kartenskizzen. 2mal „ADAC“ sowie Kühlingen I und Kühlingen II.
Es ist schon bemerkenswert, was in Delmenhorst mit nur zwei echten Kartenaufgaben „gezaubert“ wurde. Der Pfiff lag insbesondere in den Chinesen. Ich habe selten eine Rallye erlebt, bei der der Fahrtleiter soviel aus den Chinesen rausgeholt hat. Fast in jeder Ecke war eine Falle und es gab eine Menge Kontrollen und auch Negativkontrollen. Das ist vorbildlich, denn bei vielen Veranstaltungen werden Chinesen nur für die Überführungsetappen genutzt.



Das Befahren des ADAC-Parkplatzes kurz nach dem Start in Delmenhorst hat bei dieser Veranstalter Tradition. Dieses Mal musste man hier zunächst eine Fischgräte befahren. Dann kam man hier auf der Rückfahrt wieder vorbei. In allen Karten galt das Einbahnstraßenprinzip auf der gesamten Strecke! Also die beiden roten Punkte unter Beachtung der Aufgabe 1 befahren! Kurz vor dem Ziel und mit etwas Zeitnot ist das nicht jedem Team fehlerfrei gelungen.
Diese Tradition sollte unbedingt beibehalten werden!

