VERANSTALTUNG

Drei Tage Rallye

Ostwestfalen – Harz – Sauerland

MSC Rothenuffeln e.V. im ADAC

23.-25. April 2026

TEAM

Frank Schäfer / Hans-Georg Finkeldey

auf

Subaru Impreza GT Turbo

Die Ausschreibung erfolgte in den Wertungsklassen „Touring“ (Chinesen-Roadbook mit Zeitprüfungen) und „Super“ (zusätzlich mit Orientierungsaufgaben). Die Teilnehmerzahl war auf 35 Fahrzeuge begrenzt. 40% der Teams hatten sich für die Super-Wertung entschieden, wir auch. Nur Zeiten zu fahren, das erschien uns auf ca. 850 km Strecke dann doch etwas zu „langweilig“ zu werden. Der Teilnehmerkreis teilte sich grob in zwei Gruppen: die uns bekannte „Oldtimer-Szene“ aus OWL und drumherum, sowie ein Publikum aus dem Umfeld der Mehrtagesveranstaltungen mit Zeitfokus, wie man sie im Süden des Landes kennt.

Ende April war das Wetter ideal für eine Langstrecken-Oldtimer-Rallye. Sonnig, trocken, aber eher frisch – keine 35 Grad im Cockpit. Am Freitag Morgen im Harz ziemlich dichter Nebel, was aber der Atmosphäre eher zuträglich war.

TEILNEHMER-BERICHT

Organisation (vor und während der Veranstaltung)

Die Wiehenfahrt des MSC Rothenuffeln war lange Zeit eine Art Geheimtipp. Während „Corona“ machte dieser Ortsclub im ADAC mit einer höchst innovativen kontaktlosen Fahrt auf sich aufmerksam: Mit dem Laptop auf dem Schoß wurden an drei verschiedenen Tagen anspruchsvolle Orientierungsaufgaben gelöst. Später kam die ebenfalls innovative und anspruchsvolle Moorfahrt – Nachtorientierungsfahrt hinzu. 2026 bietet der MSC Rothenuffeln sage und schreibe sechs Veranstaltungen in verschiedenen Anspruchsklassen an: Von der Kaffeefahrt an der Weser bis hin zu … Drei Tage Rallye.

Damit wären wir beim Thema. Bereits im Mai 2025 gab es erste Infos und im Herbst des gleichen Jahres gewann diese neue Fahrt an Konturen. Drei Tage, ca. 850 Kilometer, auf „traumhaften“ Straßen durch Ostwestfalen, den Harz und das Sauerland. Eine solche Streckentour gibt es sonst nur in Süddeutschland (z.B. Wiesbaden Rallye, fällt dieses Jahr aus) oder mit der Coppa D´ Europa. Etwas untypisch für den MSC Rothenuffeln, aber bei DER Streckenlänge nachvollziehbar, geht es hier mehr um diverse Zeitprüfungen und weniger um hochkomplexe Orientierungsaufgaben. Dazu besondere Hotels oder Restaurants für die erforderlichen Übernachtungen und Pausenstopps.

Die Vorbereitung der Fahrt möchte ich als vorbildlich bezeichnen. Es gab am Sonntag vor dem Start schon ausführliche Infos mit dem Fahrerbrief und dem WP-Plan für alle drei Tage. Bereits davor, 17 Tage vor dem Start, hatte der Fahrtleiter eine Info verschickt, bei der auch auf erforderliches Equipment hingewiesen wurde. Man könnte sich fragen, warum sowas bei einer derartigen Veranstaltung gemacht wird, werden hier ja die bekannten „Profis“ antreten. Aber es gab ganze sechs Novizen-Teams, die bei der Drei Tage Rallye ihren Einstand in die OT-Rallye-Welt geben.

Die Hotelübernachtungen in Bad Harzburg und Schnellenberg/Attendorn waren im Nenngeld inkludiert, für die allfälligen Übernachtungen im Pivittskrug (Vorabendanreise und Nacht nach dem Zieleinlauf) war man jedoch selber verantwortlich. Der Reservierungsprozess beim Pivittskrug verläuft gerne mal etwas holprig, dafür bekommt man hier jedoch eine solide Unterkunft direkt im Start-/Ziellokal.

Am Vorabend der Fahrt hatte der Veranstalter zu einer freiwilligen „Beifahrerschulung“ eingeladen, das war ein Angebot an die „Ersttäter“ im Starterfeld. Nach dem Motto „bloß nichts verpassen“ waren aber auch andere Teams dabei. Mit einem solchen Ansturm war nicht gerechnet worden, vor allem weil sich viele Teams nicht – wie erbeten – angemeldet hatten. Irgendwie wurde wohl eine Fahrerbesprechung erwartet – kein allgemeines Beifahrerseminar. Der vorgesehene Raum war zu klein, ungünstig geschnitten und mit einer schlechten Akustik versehen. Dazu kam Unruhe durch Essensbestellungen und -lieferungen. Nach einem etwas chaotischen Start wurden „Zeitfenster“ eingeführt: 20 Minuten Inhalte, 20 Minuten Essen-/Getränkebringen und -abräumen, etc. Dadurch zog sich die Sache in die Länge und lies viel Raum für alle möglichen und unmöglichen Fragen und Anmerkungen, die wie so oft eher zur Verwirrung beitrugen. Irgendwie herrschte auch eine komische, fast aggressive Stimmung unter einem Teil der Teilnehmer und auf mein Essen habe ich 3 Stunden vergeblich gewartet. Das Haar in der Suppe war somit schon am Vorabend gefunden.

Die restlichen Tage hat die Organisation perfekt funktioniert. Der Veranstalter hat die ganze Nummer mit einem Team von nur 9 Personen geschmissen – inklusive Start/Ziel/Mittagspause und diverse WPs. Auf ZKs wurde somit, zum Glück, verzichtet, so dass (mit einer Ausnahme) keine Zeitnot aufkam. Insbesondere die Abläufe an den besetzten WP´s waren makellos organisiert, hier waren wirklich Profis unterwegs. Das Gleiche gilt für die gebuchten Hotels, auch hier lief alles absolut reibungslos.

Insgesamt eine starke Leistung für die erstmalige Durchführung einer solchen Fahrt.

Note: 1

Strecke

Über 850 Kilometer in drei Tagen. Das bedeutet u.a. auch 3mal nachtanken. Die Strecke verteilte sich wie folgt:

Tag 1: Rothenuffeln – Beverungen – Bad Harzburg – ca. 285 km

Tag 2: Bad Harzburg – Bad Karlshafen – Attendorn – ca. 385 km

Tag 3: Attendorn – Geseke – Rothenuffeln – ca. 257 km

Leider kann ich hier mit Worten nicht wiedergeben, WIE schön die Streckenführung war. Wirklich, das war ganz großes Kino. Erst eine relativ große Schleife in Rothenuffeln in bekanntem Terrain, dann eine Lang-WP über den Bergkamm, dann durch Herforder Terrain, in Richtung Lippisches Bergland/Teuto, dann an der Weser entlang bis nach Beverungen. Von dort aus durch die niedersächsische Pampas in den Harz. Hexenhäuser inklusive. Am zweiten Tag dann erst eine WP-Runde auf 1.000 Meter Höhe, dann wieder in Richtung Weser mit Pause in der weissen Stadt, Bad Karlshafen. Dann eine echt lange Etappe durch die Börde ins Sauerland und dort bis nach Attendorn – Ziel Burg Schnellenberg. Tag 3 erst einmal einige Aufgaben im Sauerland, dann über Börde und Haarstrang nach Geseke. Am Lipper See vorbei und durch die Senne – am Ende noch 2 größere Ori-Aufgaben im Heimatgebiet. Tolle Straßen, weite Blicke, Natur, Berge, gelber Raps, blauer Himmel. Ein Traum für den Fahrer, wenn man die scheußlichen Windkraftmonster mal vergisst.

Das bei einer solchen Fahrt auch diverse Transportetappen dabei sind, dürfte klar sein. Bei einem Chinesen „10.700 Meter T-Stück rechts“ muss man schon mal gähnen. Hier hätte die ein oder andere Auflockerung gut getan, z.B. eine Ecke fahren, über einen Parkplatz, o.ä. – Ja, ein-zwei Fallen waren auch bei den Chinesen dabei (siehe weiter unten), aber insgesamt passierte doch zu wenig. Sicherlich ist das konzeptbedingt, denn eine solche Strecke kann man ja nicht vorher 4mal abfahren.

Note: 1+*

Fahrtunterlagen

Die Fahrtunterlagen bestanden aus den Durchführungsbestimmungen, drei Roadbooks sowie sechs Bordkarten. Alles sauber heft-gebunden. Bei den Roadbooks wäre mir eine klassische Spiralbindung lieber gewesen. Alle Aufgaben wurden klar beschrieben, man musste aber auch SEHR genau lesen, z.B. was der Fahrtleiter unter „Fahrauftrag“ versteht. Das war hier nämlich mal eine ganz eigenwillige Interpretation. Fahraufträge waren nicht einzelne Aufgaben (FA 1, 2, 3, usw.), sondern Abschnitte. Was man sonst z.B. Etappen nennt. Wann nun eine Gegenläufigkeit erlaubt war, und wann nicht, das konnte man bei eher oberflächlichem Lesen durchaus mißverstehen. Wir haben es auch erst richtig begriffen, nachdem die ersten Diskussionen dazu geführt wurden.

Note: 1

Aufgabenstellung

In dieser Rubrik geht es um die Orientierungsaufgaben, die in der Klasse „Super“ anzutreffen waren.

Tag 1: 5 Kartenskizzen, 2mal Mini-Ori

Tag 2: 4 Kartenskizzen, 2mal Mini-Ori

Tag 3: 5 Kartenskizzen

Die Ori-Aufgaben waren anspruchsvoll, aber nicht extrem. Wer z.B. bei der Wiehenfahrt schon einmal mitgefahren ist, dem kamen ein paar Aufgaben irgendwie bekannt vor. In den ersten KM kam wieder die berüchtigte Ecke des Grauens zum Einsatz, die auch dieses Mal für heftige Diskussionen sorgte, was hier nun die richtige Lösung ist. Zudem gab es ein paar Überlappungen zwischen Chinese und Karte und auch auf Kreuzungsverbot und Einbahnstraßensystem musste geachtet werden. Beliebt auch das Befahren von Bushaltestellen – hier genau auf die Schilder achten – mal ist es erlaubt, mal nicht.

Grundsätzlich war alles lösbar und gut gemacht, m.E. gab es am Ende jedoch zu viele 50/50 Entscheidungen bei nicht eindeutigen Aufgabestellungen. Einmal ging Fahrauftrag 3 über die Mittagspause hinaus und wurde erst auf der Folgeseite durch Fahrauftrag 4 abgelöst. So entstand nun eine Gegenläufigkeit. Hier ging es um genaues Lesen, kurz vor der Teilnehmer-Verarsche.

Die Orientierungskontrollen waren sehr effizient platziert. Das Aufhängen erfolgte „on the fly“ durch den Vorauswagen mit (Eigenaussage) 15 Minuten Vorsprung vor dem Teilnehmer mit der Startnummer 1. Auf der zweiten Etappe kam es, vielleicht dadurch, in zwei Ori-Aufgaben zur großen Teilnehmerverwirrung, insbesondere nach Sichtung der Muster-BK. Ganze dreimal hingen die OKs im Kreisverkehr „falsch“, also nicht so, wie laut Idealstrecke vorgesehen. Somit wurden diese zwei Aufgaben leider neutralisiert.

Wie weiter oben geschrieben, passierte auf den diversen chinesischen Transportetappen relativ wenig. Wenn aber, dann schlug der Fahrtleiter richtig zu: Auf den letzten Metern in Bad Karlshafen war eine „03“ hinterm Stromkasten versteckt und auf einem Schotterparkplatz hing nicht nur eine „14“ in den Bäumen/Büschen, sondern wenig später auch noch eine „26“. Kann man so machen. Was mich wirklich gestört hat, war, dass die Ori-Aufgaben mit einem so geringen Anteil in die Wertung eingeflossen sind. Dazu weiter unter mehr.

Note: 2

Wertungsprüfungen

Bei der Drei Tage Fahrt sollte es bewusst um Zeitprüfungen gehen. Diese stellen bei vielen „normalen“ Oldtimerfahrten eher eine Art Beiwerk dar. Der MSC Rothenuffeln konnte seinen Anspruch hier m.E. umsetzen. Diverse Sollzeitprüfungen mit mehreren Messungen, echtes Schnittfahren und dazu noch z.T. extrem gemein platzierte geheime WPs sorgten für Abwechslung und Adrenalin.

Normalerweise bin ich der Beifahrer, hier durfte ich den Subaru mal selber in seinem natürlichen Habitat bewegen. Dafür, dass ich so wenig Übung habe, hat es mit den Zeiten durchaus gut geklappt (Achtung, Eigenlob). Allerdings hatten wir im Vorfeld der Fahrt und am ersten Tag erhebliche Technikprobleme. Zu Ostern hatte ich mir extra einen TerraTrip geschenkt, aber mit der Bedienung sind wir nicht klar gekommen. Das Einstellen des Schnitts hat noch funktioniert, aber welche Taste man nun wie am Start drücken muss, das konnte uns selbst ChatGPT nicht korrekt sagen. Leider haben wir so am ersten Tag in zwei GLP über 8 Strafpunkte eingefahren. Im Kontext des Wertungsschemas hat uns das in der Wertung massiv zurückgeworfen und am Ende den Gesamtsieg gekostet. Positiv gesehen: Nach einigem nächtlichen Hin und Her sind wir dann auf die Rally Tripmeter App gewechselt, der ich vorher sehr mißtrauisch begegnet bin. Aber, siehe da, diese hat wunderbar funktioniert und ab Tag 2 hat es mit dem Schnittfahren geklappt.

Weitere Highlights bei den WPs: Start und/oder Ziel auf kleinen Schotterplätzen mit Schlaglöchern, Selbststart der GLPs, eine „20“ am Nummernschild des Zeitnehmers (OK!) und natürlich die überaus großzügige Zeitvorgabe… nunja. Auch bei einer Prüfung über 16:30 Minuten musste man schon echt Gas geben, um z.B. einen 60er Schnitt zu schaffen.

In einer WP habe ich das Auto abgewürgt, einmal hat mein Beifahrer nicht gedrückt und einmal ist der Talking Timer ausgefallen. Hätte, wäre, wenn- insgesamt haben die Zeitprüfungen extrem viel Spass gemacht. An einen roten Mini werde ich mich auch gerne erinnern. 🙂

Note: 1

Verpflegung und Ambiente

Neben außergewöhnlichen Strecken versprach die Drei Tage Fahrt auch „besondere“ Lokalitäten und ein „Dinieren“. Der Vorabend im Pivittskrug war ein ziemlicher Totalausfall (zählte aber auch nicht zum offiziellen Programm). Was danach kam, das war Spitze, frei nach Hans Rosenthal.

Mein persönliches Highlight war die Mittagspause in der Burg Beverungen direkt an der Weser. Hammer Ambiente und ein fantastisches Catering.

Das Hotel im Harz hatte echtes 1960er Plattenbauflair zu bieten, war aber in den Allgemeinräumen modern gestaltet und hatte auch kulinarisch einiges zu bieten. Hier sind u.a. Servierroboter im Einsatz und die Dame an der Bar wird „wuschig“, wenn Teilnehmer über „Bikinis“ philosophieren. Leider, O-Ton, bin ich ja „kein Single“, sondern schon an meinen Beifahrer vergeben.

Die Burg Schnellenberg war ebenfalls grandios, sehr stilvoll mit Sektempfang und ein Buffet mit Blick auf bewaldete Bergrücken. Sensationell. Morgens dann inklusive Gänsemarsch in der Startaufstellung. Es sind auch diese besonderen Momente, die man nicht planen kann, die eine Veranstaltung ausmachen.

Am Ziel, wieder Pivittskrug, gab es dann das 4-Gänge-Menü „Zielgerade“, was ebenfalls gehobene Kunst war. Also, über das Essen konnte man nun wirklich nicht meckern. Der „Coffee Stopp“ (Vormals Kaffeepause) beim Autohaus ihres Vertrauens war aus Teilnehmersicht hingegen eher verzichtbar und mit 60 Minuten auch zu lang. Hier fehlte eine WP.

Insgesamt eine wirklich sehr schöne Veranstaltung auf hohem Niveau zu einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis.

Note: 1+

Auswertung und Ergebnisaushang

Drei Tage – drei Auswertungen, dazu noch eine Gesamtwertung. Der Veranstalter setzte auf den volldigitalen Ergebnisaushang auf der eigenen Internetseite (keine App-Lösung wie Sportity, TW-Sportsoft oder ähnlich). Die Veröffentlichung erfolgte in der Reihenfolge: Zeitprüfungen, Musterbordkarten, Tagesergebnis.

Während die Zeiten zügig online gingen, gab es im Zusammenhang mit den Orientierungskontrollen an jedem Tag diverse Rückfragen, Diskussionen und dann auch Ergebniskorrekturen. Hier, siehe oben, gab es einfach zu viele interpretationsbedürftige Stellen, die ergebnisrelevant waren. Und, bei dem -erwartbar anspruchsvollen- Teilnehmerkreis, musste man „nicht nur super ausschreiben, sondern auch super liefern“ (Zitat stammt nicht von mir). Leider stand der Fahrtleiter ziemlich alleine auf weiter Flur und das auserkorene Schiedsgericht kam nicht zum Einsatz. Hier hätte ggf. eine Art Vorfilter geholfen, also eine Person, die die Anfragen im ersten Schritt (First Level) abfängt und kanalisiert. Leider hat die Stimmung abends unter diesem Punkt in Teilen gelitten.

Was mich persönlich mehr stört, und ja, das stand schon in der Ausschreibung: Fehler in den Orientierungskontrollen zählen je Fehlkontrolle nur mit 2 Punkten. In den Zeitprüfungen hingegen war die Max.-Zeit je WP/GLP oder geheime WP satte 5 Strafpunkte. Begründung des Veranstalters: Wer eine OK nicht hat, könnte diesen Fehler sonst niemals wieder wett machen. Hhm. Also wird es genau umgekehrt veranstaltet?! Wer eine Max.-Zeit hat, der kann noch so gut in der Ori sein und hat somit „verkackt“. Es hätte an dieser Stelle vielleicht geholfen, wenn man pro Tag ein Streichergebnis gehabt hätte. Denn irgendwo kann immer mal ein Traktor oder Milchlaster im Weg stehen.

Endeffekt: An Tag 1 waren wir zunächst Platz 3, dann Platz 4. Im Gesamtergebnis waren wir zunächst Platz 4, dann Platz 2. Gut für uns, wird aber bei anderen Teams für Frust gesorgt haben, wenn man sich nach dem ersten Aushang auf dem Treppchen sieht (wie bei uns Tag 1). Aber, das ist klar, wenn man die Hand schon am Pokal hat, möchte man sich nicht mit halbgaren Begründungen für Ori-Interpretationen zufrieden geben. Das hat mit „Hochklagen“ nichts zu tun, und ich finde es schon bemerkenswert, das Treppchenplatzierte von Teams der anderen Wertungsklasse komische Kommentare zu hören bekommen (Grüppchenbildung siehe oben). Man könnte ganz einfach mal gratulieren. Das wäre sportlich.

Insgesamt waren die Umstände von Auswertung, Rückfragen und Ergebnisaushang etwas chaotisch und eher so wie bei einer „normalen“ Veranstaltung von ADAC & Konsorten.

Note: 3

Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung

Dieser Punkt steht im direkten Zusammenhang mit dem Auswertungsthema.

Grundsätzlich sollte für jeden Tag ein Gesamtsieger gekürt und geehrt werden. Es gab dann den Pokal für den Tagessieg plus einen Gutschein des Sponsors Prestel Rallyeausstattung. Dann noch die drei Gesamtsieger Platz 1-3 gemäß olympischem Prinzip.

U.a. aufgrund der Verzögerungen konnte die „Siegerehrung“ am ersten Tag im Hotel-Restaurant erst sehr spät stattfinden. Viele Teams waren da schon im Bett / an der Bar. Auch die Räumlichkeiten waren eher suboptimal. Zudem war es eher eine Preisübergabe, als eine Siegerehrung. Am zweiten Tag gab es auf der Burg Schnellenberg gar keine Siegerehrung, das wurde zu später Stunde (nur) online mitgeteilt. Am Samstag wurden nach dem Ziel-Dinner die Tagessieger Freitag und Samstag sowie die Gesamtsieger Platz 1-3 „geehrt“. Auch hier war es vom Charakter her eine Pokalübergabe. Von Sonderpreisen oder Gutscheinen des Sponsors habe ich nichts mehr mitbekommen, kann an mir liegen. Ich hörte aber, die gab es nicht jeden Tag. Das hätte ich dann eher für die Gesamtsieger erwartet.

Insgesamt war mir das Ambiente bei der Siegerehrung zu „schnörkellos“, es muss nicht immer Blaskapelle oder Weihrauch sein, aber ein paar nette Worte oder Aussagen zu den Ergebnissen (wer, welche Punkte, welches Auto, welche Abstände untereinander) wären angemessen gewesen. So wirkte es ein wenig wie ein Pflichtprogramm, was schade ist. Auch sehr schade, dass von den Sieger-Teams keine offiziellen Fotos gemacht wurden. Das kenne ich selbst von ADAC-Regionalclubs anders!

Insgesamt wäre etwas mehr Teilnehmerbetreuung an den Abenden sicherlich schön gewesen, und damit meine ich NICHT die Diskussion der Rätselaufgaben.

Eine Nachbetreuung nach der Fahrt war für mich nicht erforderlich, das wurde ja schon an den einzelnen Tagen geklärt. Hier war der Fahrtleiter immer persönlich, oder per Telefon oder per Textnachricht oder Mail erreichbar, was sehr gut ist. Man hört, dass von dieser Möglichkeit im Teilnehmerkreis auch sehr rege Gebrauch gemacht wurde.

Note: 3

FAZIT

Die erste Drei Tage Rallye des MSC Rothenuffeln war ein echtes Ausrufezeichen. Drei Tage, rund 850 Kilometer, großartige Landschaften, anspruchsvolle Zeitprüfungen, schöne Hotels, sehr gutes Essen und eine insgesamt beeindruckend professionelle Organisation – das war in dieser Form schon außergewöhnlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Veranstaltung zum ersten Mal durchgeführt wurde und hinter den Kulissen nur ein relativ kleines Team stand, muss man den Hut ziehen.

Natürlich war nicht alles perfekt. Die Auswertung, einige interpretationsbedürftige Ori-Aufgaben und die etwas nüchternen Siegerehrungen haben gezeigt, dass bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung noch Stellschrauben vorhanden sind. Auch die Gewichtung zwischen Orientierungsaufgaben und Zeitprüfungen darf man diskutieren. Aber das sind letztlich Punkte, die sich bei einer möglichen Neuauflage gut nachschärfen lassen.

Unterm Strich bleibt eine Fahrt, die fahrerisch, landschaftlich und atmosphärisch absolut begeistert hat. Die Mischung aus Langstrecke, sportlichen Prüfungen, schönen Pausenorten und besonderen Momenten unterwegs hatte genau das, was eine mehrtägige Rallye ausmachen sollte. Für eine Premiere war das nicht nur mutig, sondern richtig stark umgesetzt.

Wenn der MSC Rothenuffeln an den wenigen kritischen Punkten noch etwas feilt, kann diese Drei Tage Rallye zu einer festen Größe im Kalender werden. Wir wären jedenfalls sofort wieder dabei

Gesamtnote: 1

IMPRESSIONEN

START

STRECKE

MITTAGSPAUSE BURG BEVERUNGEN

HOTEL BAD HARZBURG

MITTAGSPAUSE BAD KARLSHAFEN

BURG SCHNELLENBERG

COFFEE STOPP (ohne Rauchware…)

Relativ hohes Beschilderungsaufkommen, um die Teilnehmer*innen und *außen zu Kaffee, Cola und belegten Brötchen sowie Trockenkuchen zu leiten.

Verden an der Aller, reloaded.

ZIEL UND SIEGEREHRUNG

Streckenverlauf

Tag 1: Von Rothenuffeln aus geht es in südöstliche Richtung über Bad Oeynhausen, Detmold, Lage, bis zu Weser bei Bad Beverungen, wo die Mittagspause stattfindet. Diese schöne Region kennen wir aus den verschiedenen Veranstaltungen der letzten Jahre (Cherusker Fahrt, Westfalen-Lippe-Fahrt). Nördlich von Göttingen quer durch Niedersachsen bis in den Harz. Etappenziel ist das Harz Hotel & Spa Seela in Bad Harzburg.

Der zweite Tag führt uns parallel zur Strecke vom Vortag zurück nach Westen. Die Weser queren wir in der „weißen Stadt“ Bad Karlshafen, wo auch die Mittagspause stattfindet. Anschließend führt uns der Fahrtleiter ins tiefe Sauerland mit seinen Bergen und Tälern. Hier waren wir schon früher bei der Arnsberger Klassikerfahrt unterwegs gewesen. Ziel ist das Burghotel Schnellenberg bei Attendorn.

Am dritten Rallyetag braucht es morgens eine extra Portion Kaffee als Motivationsverstärkung. Vom Sauerland aus geht es strikt nordwärts durch das östliche Münsterland bzw. Westfalen. Auch das sind grundsätzlich bekannte Gebiete (Rund um Oelde, etc.). Die Mittagspause verbringen wir im Restaurant Feldschlösschen in Geseke.

Aufgaben

Die Ecke des Grauens, auch dieses Mal wieder dabei. Zunächst per Chinese klar rechts vorbei. Dann in der Mini Ori auf die Gegenläufigkeit achten, soweit eindeutig lösbar. Dann jedoch kam man in der Kartendarstellung noch einmal hier vorbei. An der neuralgischen Stelle ein Kartenfehler – T-Stück rechtwinklig, keine Mittelinsel. Was nun, sprach der Beifahrer. Guter Rat war teuer. Die Umfahrung des Kartenfehlers war offenbar der Trick, also links herum, ohne Kontrolle. Konsequenz: eine kurze Strecke gegenläufig. Sofern zwingend erforderlich, war es laut Ausschreibung erlaubt. Tja, war nicht so gemeint. Hier hätten wir einfach den Kartenfehler ignorieren sollen. Da wir hier zweimal vorbei kamen in der Karten, gab es auch zwei Fehler (eigentlich ein Folgefehler). Die Lösung überzeugt mich nicht.

Kniffelige Orientierungsaufgaben ohne Schikane. In Aufgabenteil 23 ging es sogar über einen Supermarktparkplatz. Schön gemacht.

Immer beliebter: Ori über Bushaltestellen. Hier sollte man den zweiten Teil des Pfeilwurms über die in Natur besser erkennbare Bushaltestelle anfahren (kein Schild). Dann erst unten rum die Schliefe. Leider war die Musterlösung nicht entsprechend gestaltet. Auch hier wieder Diskussionen und, nach meinem Stand, eine Neutralisierung.

Unmittelbar vor der Mittagspause in Bad Karlshafen diese Situation. Aufgabenteil 17 – was will der uns sagen? Wende auf dem Parkplatz… jaaahaaa, aber die Ecke bitte komplett im 90 Grad Winkel ausfahren. Kontrolle hinter dem Stromkasten versteckt.

Ziemlich spektakulärer Abschluss von Tag 2 an Burg Schnellenberg. Auf der Strecke zwei retuschierte Stellen. Dann zur Burg und unmittelbar vor dem Ziel noch eine geheime Sollzeitprüfung. Klasse gemacht.

In Freienohl habe ich selber mal für die Arnsberger Klassiker Fahrt Aufgaben gestaltet und Schilder aufgehängt. Am Samstag kamen wir hier durch und mussten als erstes überlegen, ob es zwischen dem letzten Chinesen und der Karte eine Überlappung gibt. Zweimal mit dem Tripmaster abgefahren und gemessen, zwei mal war es sehr knapp. Also 50/50. Dann musste man in der „Klötzchengrafik“ erkennen, welche Straßen gesperrt sind und welche nicht.

Auch wieder ein Fall von „Ori im Ort“.

Die Überlappung war, natürlich, nicht gemeint. Geht ok, könnte man aber auch eindeutiger darstellen.

„Ich kann größer ziehen als jeder andere“ für Fortgeschrittene. In der allerletzten Aufgabe kam es darauf an, diese Stelle zu interpretieren. Ist der Strich von der Seite aus anfahrbar oder nicht?! In der Umfahrung am Friedhof hing eine Kontrolle. Also, so dachten wir, war das die Falle bzw. die beabsichtigte Idealstrecke. Vor allem, da es laut Fahrtleiter keine Negativkontrollen gibt, sondern nur Kontrollen der anderen Gruppe. Die Touringleute sind hier aber nicht vorbei gekommen. Daher vermuten wir, dass so wie wir es gefahren sind, es auch ursprünglich gedacht war. Die Aufgabe wurde am Ende neutralisiert.

Die Zeitprüfungen bei der Drei Tage Rallye waren durchaus spektakulär. Am Freitag morgen ging es z.B. durch Nebel im Harz mit gleich vier Messungen.

Am letzten Tag ein weiterer Höhepunkt. Das Flugplatzrennen. Hier war ich schonmal bei der Wiehenfahrt, und es war auch dieses Mal schweinegeil 🙂

Die anschließende geheime WP hätten wir dann fast übersehen, aber nur fast. Auch die war sehr gut, d.h. gemein, platziert.