VERANSTALTUNG

WHF 500 – Westfälische Herbstfahrt, Start / Ziel in Herford

MSC Herford von 1923 im ADAC e.V.

09.10.-11.10.2026

TEAM

Hans-Georg Sonnendecker / Frank Schäfer

auf

Subaru Impreza GT Turbo

Ausschreibung der Fahrt in den Gruppen Touring und Super als Wertungslauf zur DCS. Am Ende gab es 21 Nennungen für Super und 8 Nennungen für Touring. Man setzt bei dieser Fahrt aber auch auf einen kleinen, eher familiären Kreis – die Obergrenze lag bei 35 Teams.

Aufgrund der Rahmenbedingungen gab es – grob gesagt – zwei Teilnehmergruppen: einmal die eher örtlich ansässigen Teams, die z.B. auch die Linnenbauerfahrt kennen und schätzen, sowie die Teams „von weiter weg aus dem Süden“, die hierher kommen, da es sich um einen Lauf zur DCS Serie handelt. Das sind Teams, die insbesondere sehr gut sind im Zeitfahren. Im Gegensatz zur 3-Tages-Fahrt im Frühjahr führte das zu keinen emotionalen Verwerfungen.

Das Wetter zeigte sich von einer herbstlichen und launischen Seite. Am Freitag nachmittag und abend hat es zum Teil sehr stark geregnet. Es war kalt, am Ende sehr dunkel und im Lippischen Bergland auch nebelig. Am Samstag wechselten Sonne und blauer Himmel ab mit Regen, Sturm und dunklen Wolken. Für uns als Teilnehmer bedeutet das: viel Matsche, am Samstag unfassbar viele Hundeführer, aber auch viele sehr atmosphärische Stimmungsmomente. Für die Helfern an den DK und WPs sah das weniger stimmungsvoll aus.

TEILNEHMER-BERICHT

Prolog

Die WHF500 wurde erstmals 2015 ausgetragen und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer festen Größe im regionalen Oldtimer-Kalender. Bis 2019 fanden fünf Ausgaben in Folge statt, zunächst mit Marienfeld als Ausgangspunkt. Nach mehreren Unterbrechungen und abgesagten Anläufen im Umfeld der Corona-Restriktionen wurde die Veranstaltung 2024 mit der sechsten Ausgabe wieder aufgenommen – nun mit Herford als Start- und Zielort. Die für 2025 geplante siebte Auflage musste erneut abgesagt werden, sodass die WHF500 2026 als siebte Ausgabe zurückkehrte. Charakteristisch geblieben ist die Mischung aus rund 500 Kilometern anspruchsvoller Strecke, präziser Navigation und dem gemeinsamen Erlebnis klassischer Automobile. Als Teil der DCS stehen weniger die für OWL und Herford bekannten Orientierungsaufgaben im Fokus. Die gibt es zwar auch, aber für die Wertung sind insbesondere die vergleichsweise vielen Zeit-Wertungsprüfungen relevant.

Organisation (vor und während der Veranstaltung)

Ausschreibung, Anmeldung und weitere Informationen erfolgten über die Internetseite der Veranstaltung. Die letzten Infos inklusive des konkreten Ablaufs und der WP-Zeiten konnte man ebenfalls hier kurz vor dem Termin nachlesen. Man war also jederzeit gut informiert, auch wenn kein professionelles Internetportal genutzt wurde.

An den beiden Veranstaltungstagen sind uns insbesondere die vielen sehr freundlichen Helfer positiv aufgefallen. Die standen zum Teil stundenlang bei Kälte und Starkregen draußen in der Gegend rum. Trotzdem hatten wir dort viel Spass und nette Kontakte. Prima! Die Organisation war insgesamt reibungslos, das gilt für den Check In, die diversen Starts und Re-Starts, aber auch die vielen DKs und Wertungsprüfungen. Beim Zieleinlauf am Samstag herrschte hingegen etwas Orientierungslosigkeit, wie es nun weitergeht, was aber auch zu keinen nachhaltigen Verwerfungen führte.

Ein Start-/Ziellokal mitten in der Stadt, dazu noch am Bahnhof – das fand ich vorweg etwas gewagt, hat aber ebenfalls wunderbar funktioniert – inkl. angeschlossenem Parkhaus und dem Start-Ziel-Bogen im Wendehammer direkt vor dem Hotel.

Die viele WP-Posten (Zeitmessungen) waren effizient gestaltet und besetzt. Dabei stand die Lichtschranke mehr als einmal diagonal / quer über die Kreuzung, d.h. Teilnehmer von mehreren Seiten + allgemeiner Verkehr. Das war teilweise eher mutig gestaltet, hat aber nach unserem Eindruck durchaus funktioniert.

Note: 2+

Strecke

Die Streckenführung war für mich das besondere Highlight dieser Veranstaltung. Auch wenn wir im Umfeld von Herford, Lemgo, dem lippischen Bergland und später auch weiter südlich in der Senne und rund um Oelde schon diverse Mal bei anderen Veranstaltungen unterwegs waren.

Was der Fahrleiter bei der WHF 2026 an kleinen und kleinsten Wegen, Ecken, Hofdurchfahren und Matschparkplätzen ausgekundschaftet und eingebaut hat, das war großes Ori-Kino und hat uns immer wieder begeistert. Die weitläuifgen Landschaftsblicke sind bei Starkregen und Dunkelheit zwar in vielen Fällen ausgeblieben, dafür gab es aber Grusel-Feeling in den nebeligen Passagen mit Blairwitch-Project-Flair. Zeitweise wähnten wir uns eher bei Herrn Grützenbach auf der Winter-Ori, was an dieser Stelle ein großes Kompliment ist.

Die WHF 500 trägt ihren Namen als Programm: 500 km Strecke sind Pflicht. Daher gab es viele Überführungsetappen nach Karte, die mit rosa-violetten Aufgabenteilen in den Karten dargestellt waren. Auch das war gut gemacht, besser und unterhaltsamer als Überführungsetappen per Chinese. Allerdings: Warum man nun wirklich 500 Km braucht, erschließt sich mir nicht ganz. Die Aufgabenstellung hätte man m.E. auch auf 300 oder 400 Km unterbringen können. Dann wäre auch ein Frühstart ab 8 Uhr morgens am Samstag nicht nötig gewesen.

Streckenführung der WHF am zweiten Tag mit der großen Schleife. Abbildung aus dem Programmheft 2026. Der erste Tag war dort fälschlicherweise noch von der Fahrt 2024 übernommen worden.

Note: 1-

Roadbook und weitere Unterlagen

Wie in Herford üblich gab es geheftete Roadbooks nach Karte. Die Ab- und Zufahrt zum Hotel in Herford war ergänzend mit Chinesen dargestellt. Der Kartendruck war hervorragend, scharf und eindeutig. Kleinste Punkte wie immer gut erkennbar- wenn man denn genau hin schaut… Licht und Lupe empfehlenswert. Die fehlende Spiralbindung kritisiere ich seit längerem. Die Ausführungsbestimmungen waren sehr übersichtlich und auch eindeutig. Das Programmheft hingegen eher mager gestaltet, fast könnte man sagen: lieblos, und für diese Fahrt in dieser Form m.E. verzichtbar.

Note: 2+

Aufgabenstellung

Den Anteil der Ori-Aufgaben an der Gesamtwertung schätze ich mal mit maximal 40%, vielleicht auch nur 30% ein. Jede Fehlkontrolle wurde mit (nur) 3 Strafpunkten belegt. Die Zeitprüfungen (siehe hier unter: Wertungsprüfungen) sollen bei der WHF 500 im DCS-Kontext bewusst höher gewichtet werden. Das kommt uns nicht entgegen, war aber vorher natürlich bekannt.

Das vorausgeschickt ist festzuhalten, dass die Ori-Aufgaben nach Karte mit roten Aufgabenteilen gut gemacht waren. Kein Hirntod, aber viele kleine Ecken und Fallen nach Herforder Schule. Herr Grützenbach würde sagen: Nicht zu schwer, aber zügig. Viel Nachdenken war nicht, man musste Gummi geben, auch auf regennasser Fahrbahn mit viel Laub.

Die OKs hingen immer fair, da wo man es vermutete. Aber, gerne auch mal hinter dem Verkehrsschild oder in einer Kiste versteckt. Wer in Herford schonmal gefahren ist, kennt das, und hat ggf. einen kleinen Vorteil.

Neben den normalen Kartenaufgaben mit den „üblichen“ Regeln gab es in der Wertungsgruppe Super weitere „besondere Kartenaufgaben“:

# Grenzannäherung – hier war insb. auf kleinste Ecken zu achten

# Barrikade – bei der WHF in deutlich abgemildeter Form

# Nummerierte Punkte – ein neuer Aufgabentyp, bei der die Nummer der OK den nächsten Aufgabenteil vorgibt

Gegenüber der Linnenbauer Fahrt war das Anspruchsniveau reduziert. Das kommt den Zeitfahrern aus dem Süden entgegen, wie man an den Ergebnissen erkennen kann.

Note: 2+

Wertungsprüfungen

Der Schwerpunkt der WHF 500 lag bei den diversen Zeit-Wertungsprüfungen. Hier erreicht man zwar nicht das Niveau der süddeutschen Lichtschranken-Massaker, aber mit 14 bekannten Sollzeitprüfungen, alle mit 2-4 Messungen, 3 geheimen SZP und dazu noch 4 Gleichmäßigkeitsprüfungen ging es für OWL-Verhältnisse schon gut zur Sache.

Alle WP waren im Roadbook gut dargestellt. Die WP-Zeiten waren bereits vorher kommuniziert worden, und so konnte man den Timer vorab programmieren. Die WP fanden sowohl auf öffentlichen Straßen, als auch auf privaten (Gewerbe-)Geländen statt. Die besondere Herausforderung war es immer wieder, nicht „nur“ die Zeit zu schaffen, sondern vor allem die Strecke korrekt zu finden, ohne sich zu verfahren.

Etwas heikel wurde es immer dann, wenn im Bereich öffentlicher Straßen die Lichtschranken quer über eine Kreuzung gestellt waren und die Teilnehmer das Ziel mehrfach aus verschiedenen Richtungen anfahren mussten. Hier gab es dann eine Extraportion Adrenalin. Einige dieser Anordnungen fand ich schon etwas gewagt, zumindest bei uns hat es aber an allen WP funktioniert. Auch wenn einmal die gelben Schilder gefehlt haben.

Die drei geheimen 8-Sekunden-Prüfungen waren gut und fair platziert. Nicht ganz so versteckt wie man das z.B. in Rothenuffeln praktiziert.

Die „echten“ GLP wurden mit GPS-Transpondern überwacht. Die Messpunkte waren mit kleinen Schildern an der Strecke gekennzeichnet. Gute Idee. Die Schilder waren aber so klein, dass man gerade am Abend bei Dunkelheit erst dachte, das wäre eine OK.

Nicht „ok“ war aus meiner Sicht die dritte GLP C auf Seite 15; hier sollte man einen 40er Schnitt durch den dunklen Wald auf einer Schotterpiste mit unfassbar tiefen Schlaglöchern fahren. Eine echte Zumutung und nicht zu schaffen, wenn man nicht den Achsbruch riskieren wollte. Für Teilnehmer mit einem normalen, gepflegten Oldtimer eine Farce. Sowas sollte man sein lassen.

Ebenfalls grenzwertig war aus meiner Sicht der Rundkurs auf der Kartbahn in Harsewinkel. Da ich mich nicht an die letzten 40 Jahre Motorsporthistorie an diesem Ort erinnern kann, muss ich die heutige Perspektive im hier und jetzt einnehmen. Ja, der Kurs war spektakulär mit echtem Racing-Feeling. Gerade das macht das Besondere einer Fahrt wie der WHF 500 auch aus. Aber es war total unnötig und gefährlich, die Sollzeit auf 1:10 Minute je Runde zu setzen. Bei regennasser Piste machte Startnummer 1 direkt einen Dreher. Wir hatten auch mit den Schikanen zu kämpfen, trotz Allradantrieb. Eine Sollzeit von z.B. 1:30 hätte vollkommen ausgereicht und wäre immer noch anspruchsvoll gewesen. Safety first, würde ich mal sagen.

Note: 1-

Verpflegung und Ambiente

Mit der WHF 500 verbindet sich auch ein besonderer Anspruch in Sachen Verpflegung und Ambiente. Hier wurden wir weitestgehend nicht enttäuscht.

Es gab viel schöne „Give Aways“ wir eine Racing-Ente, ein Notfall-Package mit Süssigkeiten, schöne Kaffeetassen und eine sehr hochwertige Jacke für jeden Teilnehmer.

Das Intercity Hotel in Herford war sehr schön mit modernen großen Zimmern, einem tollen Service inkl. Frühstück. Beide Abendessen waren auch gelungen. Wobei am Freitag im Cxielo die Bedienung durch besondere Unfreundlichkeit und ruppige Sprüche auf sich aufmerksam machte. Das Bier wird hier einzeln glasweise reingetragen.

Der Samstag Abend im Elsbach Restaurant konnte hingegen auf ganzer Linie überzeugen. Hervorragendes Essen & Service! Man wurde tischweise ans Buffet gebeten – das habe ich so noch nie erlebt. Die Mittagspause im Hotel Feldschlösschen in Geseke war auch sehr gut. Gleiches gilt für die Kaffeestopps bei Olli Welslaus Autohaus Pape sowie bei Rickmeyer in Bad Salzufflen.

Insgesamt wurden wir super gut versorgt. Vor allem Kaffee-Junkies kamen voll auf ihre Kosten. Die Idee mit den Kaffeepausen ist wirklich sehr gut.

Note: 1-

Auswertung und Ergebnisaushang

In Sachen Auswertung & Ergebnisaushang ist man bei der WHF noch sehr traditionell und manuell unterwegs. D.h, sowas wie Online-Ergebnisse gibt es hier nicht, sondern den guten alten Papieraushang im Hotelfoyer und teilweise auch unterwegs bei den Pausen und Kaffee-Stopps. Die Musterbordkarten wurden wie die Zeitwertungsergebnisse sukzessive und nach meinem Eindruck zeitnah veröffentlicht. Größere Diskussionen oder gar Eskalationen haben wir nicht beobachten können. Es gab allerdings einige wenige Neutralisierungen bei den Ori-Aufgaben, die wir aber als sehr fair betrachten. Im Nachgang werden auch alle Unterlagen ins Netz gestellt. Der Fahrtleiter war jederzeit präsent und für Fragen erreichbar – sehr gut!

Note: 2+

Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung

Die Siegerehrung konnte im Elsbach-Restaurant so ab ca. 22:30 Uhr stattfinden. Das ist nicht ganz so früh, aber geschätzte 99% der Teilnehmer wollten auch nicht mehr nach Hause fahren, sondern wohnten im Hotel nebenan. Es gab jedenfalls keine ätzend lange Wartezeit, sondern wir haben uns sehr gut unterhalten. 

Die Siegerehrung war sehr launig moderiert und verlief in angemessenem Rahmen. Es gab für jedes Team eine Flasche Wein und für die Top3-Platzierten einen (eher normalen) Pokal sowie einen wirklich riesigen Präsentkorb. Dazu liefen im Hintergrund schon Bilder der Veranstaltung.

Sehr schön.

Note: 1-

Anmerkungen und Besonderheiten

Zu dieser Veranstaltung wollten wir ursprünglich mit dem 02 anreisen. Aber die Werkstatt hat es immer noch nicht geschafft, den Wagen fertig zu bekommen. Das ist inzwischen eine Art Fluch geworden. Allerdings wären wir mit dem BMW auch falsch unterwegs gewesen, diese Matsch- und Schotterpisten hätte ich dem Wagen wirklich nicht zumuten wollen. Der Subaru passte viel besser: Leicht, wendig, spurtstark und mit Allradantrieb. Letzterer hilft aber auch nicht beim Bremsen auf nassem Laub ohne ABS…

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FAZIT

Die WHF 500 bot einen sehr gelungenen Saisonabschluss 2026 auf zum Teil wirklich spektakulären Strecken bei Nacht & Nebel. Winter-Ori auf Speed mit Racing-Feeling! Den hohen Anteil und die hohe Gewichtung der Zeit-Wertungsprüfungen muss man mögen – das ist aber vorher bekannt. Verpflegung, Rahmenprogramm und Ambiente waren auf hohem Niveau, wenn auch nicht ganz so „besonders“ wie z.B. bei der Drei-Tages-Fahrt. Dazu kennen wir zumindest die Gegend inzwischen auch (fast) zu gut und sind in Teilen sicherlich auch verwöhnt. Die Nennung in der Klasse Super haben wir nicht bereut. Null Fehler in der Bordkarte hatten am Ende nur 5 Teams, das war schon unser Ziel gewesen. Am Ende des ersten Tages lagen wir noch auf Rang 4, am Ende war es Platz 7. Die Distanz zu Platz 5 betrug nur 0,27 Punkte. Das ist schon sehr eng. Hinten kackt die Ente – wir hatten auf alle Fälle viel Spaß!

Gesamtnote: 1-

IMPRESSIONEN

AUFGABEN

Meisenfeld und Hollwiesen – gute alte Bekannte der Oldtimerfahrten in und um Herford.

Die WP bei Hölsen Kompost war ein echtes Highlight. Einmal nach ganz hinten auf dem Werksgelände und das „Y“ aufschreiben. Dann am Büro vorbei zurück,  nicht ganz einfach zu finden vor Ort bei Dunkelheit. Dann den Berg hoch zu den beiden Ziellichtschranken, die auch noch versetzt standen. Toll gemacht.

WPs mit mehreren Zielen und einer Art Rundkurs kamen bei der WHF mehrfach vor. Zudem stand die Ziellichtschranke mehr als einmal quer in der Kreuzung. Teilnehmer kamen von mehreren Seiten, dazu noch allgemeiner Straßenverkehr.

Und noch ein Highlight… bei dieser WP (die Gegend kannten wir noch von der Westfalen-Lippe-Fahrt …) musste man – wie so oft – nicht nur die Zeiten treffen, sondern vor allem die Strecke erstmal überhaupt finden. Ein Teil der angeblichen Doppellinigkeit ging über Schotter durch ein Werksgelände. Auch das großartig gemacht.

Racing-Feeling pur auf der Kartbahn an der Ems in Harsewinkel. Sehr authentisch und historisch, für mich aber einen Tacken zu sportlich und gefährlich. Bei regennasser Piste drohten Abflüge in die Botanik….