VERANSTALTUNG

12. ADAC Rothenuffler Wiehenfahrt, Rothenuffeln/Hille

MSC Rothenuffeln im ADAC e.V.

26.09.2026

TEAM

Hans-Georg Sonnendecker / Frank Schäfer

auf

Subaru Impreza GT Turbo 4WD

Fast auf den Tag genau 1 Jahr nach unserer letzten Teilnahme ging es wieder nach Rothenuffeln in den Pivittskrug zur Wiehenfahrt.

Das Wetter war dieses Mal für die Jahreszeit sehr gut. Warm, zum Teil bewölkt, dann wieder sonnig. Mittags konnte man an der Weser draußen sitzen und abends sogar draußen essen. Hört, hört – das haben wir hier (im Moor) schon ganz anders erlebt.

TEILNEHMER-BERICHT

Prolog

Mit dem MSC Rothenuffeln hatte ich erstmals 2020 zu tun. Damals, mitten in der Corona-Zeit, fiel der Verein mit einer ungewöhnlichen kontaktlosen Orientierungsfahrt auf: Laptop auf dem Schoß, anspruchsvolle Aufgaben und eine erstaunlich innovative Umsetzung. Das machte neugierig. Also stand ein Jahr später erstmals die „richtige“ Rothenuffler Wiehenfahrt auf meinem Programm. Vor der hatte ich zwar schon gehört, aber sie nicht wirklich auf dem Schirm gehabt.

2021 war die Wiehenfahrt eine etwas andere Veranstaltung als heute. Anfänger, Touristen und erfahrene Ori-Fahrer bekamen im Wesentlichen dieselben Aufgaben serviert. Klingt harmlos, war es aber nicht unbedingt. Gegenläufigkeiten, Überlappungen und kleine Gemeinheiten sorgten schon damals dafür, dass man besser genau hinsah. Dazu kamen schöne Straßen rund um das Wiehengebirge, ein ordentliches Roadbook und eine angenehm unaufgeregte Organisation. Die Fahrt war mit 75 Fahrzeugen ausgebucht. Für uns endete die Premiere mit null Fehlern in der Bordkarte, Platz drei bei den Oldtimern und Rang vier gesamt.

2022 wurde die sportliche Schraube etwas weiter angezogen. Vor allem die zweite Etappe verlangte deutlich mehr Aufmerksamkeit, blieb aber sauber und fair. Genau das gefiel mir: anspruchsvoll ja, Gehirntod nein. Mit rund 70 gewerteten Teams blieb das Feld groß, und aus dem Geheimtipp wurde langsam eine feste Adresse für Freunde gepflegter Orientierungsaufgaben.

2023 setzte ich aus. Die Teilnehmerzahl lag mit etwa 65 Teams etwas niedriger, gleichzeitig begann sich der Charakter der Veranstaltung zu verändern.

Als ich 2024 zurückkam, war aus der bisherigen „Einheitslösung“ eine klarere Zweiteilung geworden: Touristik hier, Expert dort. Die frühere VK+-Klasse verschwand, OLD und YT blieben auf touristischer Seite, während die Expert-Klasse nun die anspruchsvollere Variante abdeckte. Dazu kam die stärkere Einbindung in Cup-Wertungen (insb. OWL-Cup). Insgesamt standen wieder gut 70 Teams am Start, davon allerdings „nur“ zwölf in Expert (was ich schon damals eigentlich nicht so schlecht fand). Das Drumherum konnte 2024 nicht ganz mithalten, weshalb trotz Bestnoten für Roadbook, Aufgaben und Prüfungen am Ende „nur“ eine 2+ als Gesamtnote in meinem Bericht herauskam.

2025 blieb das Konzept im Wesentlichen bestehen. Wieder gut 70 Teams, wieder zwölf Expert-Starter. Auch sportlich blieb die Wiehenfahrt auf hohem Niveau. Der große Unterschied: Genau die Punkte, die ein Jahr zuvor genervt hatten, funktionierten diesmal deutlich besser. Organisation, Verpflegung, Ambiente und Siegerehrung passten nun zum Rest der Veranstaltung. Aus der 2+ wurde folgerichtig eine glatte 1.

Unterm Strich hat sich die Wiehenfahrt mit den Jahren gewandelt. Aus einer entspannten touristischen Oldtimerfahrt mit überraschend knackigen Ori-Aufgaben ist eine Veranstaltung mit zwei klaren Gesichtern geworden: gemütlicher für die einen, deutlich sportlicher für die anderen. Die Gesamtteilnehmerzahl blieb dabei stabil zwischen etwa 65 und gut 70 Teams. Nur die Expert-Klasse schien sich bei ihren zwölf „Hartgesottenen“ besonders wohlzufühlen.

2026 war es nun die 12. Wiehenfahrt und meine fünfte Teilnahme. Die Ausschreibung zeigte eine weitere Evolution an: Nun gab oder gibt es drei Wertungsklassen, ganz unabhängig vom Fahrzeugalter: Ausfahrt / Touring / Expert. Der MSC Rothenuffeln nähert sich somit der auch sonst durchaus üblichen Dreiteilung: Touristik, Tourensport, Sport. Nur hat das Kind hier in Rothenuffeln einen anderen Namen. Nun gut.

Leider hatte diese Neustrukturierung keinen positiven Einfluss auf das Nennergebnis. Mit insgesamt 46 Nennung lag man dann doch deutlich unter den Vorjahren. Noch krasser die Beteiligung bei den „Experten“: ganze fünf Starter. Die Ursachen dafür erschließen sich mir nicht und haben aus meiner Sicht auch nichts mit den geänderten Wertungsklassen zu tun. Es ist jedoch festzuhalten, bei 46 Teams drei Wertungsklassen anzubieten, dass ist schon ganz viel Arbeit für einen Fahrtleiter.

Organisation (vor und während der Veranstaltung)

Wie bereits in den Vorjahren eine absolut reibungslose, professionelle und teilnehmerorientierte Organisation- vor, während und nach der Fahrt. 

Mehr muss ich hier nicht schreiben, wer Details wissen möchte, bitte bei den Berichten der Vorjahre nachlesen.

Note: 1

Strecke

Nach 220 KM im Vorjahr fiel die Streckenlänge mit knapp 160 KM in diesem Jahr deutlich kürzer aus, was aber kein Nachteil war. Man hatte so mehr Zeit und definitiv keine Zeitnot beim Lösen der Aufgaben.

Die Streckenführung führte wieder einmal durch teilweise bekanntes Gebiet – was sich bei einer mehrfachen Teilnahme wohl schwer vermeiden lässt. Auch bei bekannten Gegenden hatte der Fahrtleiter aber wieder neue „Schikanen“ eingebaut. Man kann es auch so sehen: Das jährliche Befahren der gleichen Stellen (Erdbrüggenkamp, das vermaledeite Dreieck vorher, …) ist keine langweilige Wiederholung, sondern mit jährlich wechselnden Aufgaben inzwischen so etwas wie eine Tradition mit Kult-Potenzial.

Ansonsten ist die Gegend hier einfach wunderschön, was man nicht nur im Boliden erfahren, sondern auch erwandern kann (das ist aber ein anderes Thema). Einfach „mega“ finde ich immer wieder das Panorama der Porta Westfalica mit dem KW-Denkmal. Ja, hier kann ich durchaus ins Schwärmen kommen. Definitiv sind die schönen Strecken immer wieder ein Highlight dieser Veranstaltung.

Note: 1-

Roadbook und weitere Unterlagen

Auch hier wie in den Vorjahren vorbildliche Unterlagen: Gebundenes Roadbook, präziser Fahrerbrief und ebenfalls präzise Fahranweisungen, die für die Ori-Aufgaben auf eine Seite passen. Auch in der Ausschreibung waren z.B. die verschiedenen Wertungsgruppen sehr anschaulich dar- und gegenübergestellt.

Vorbildlich.

Note: 1

Aufgabenstellung

Wir haben, natürlich, wieder in der Expert-Klasse teilgenommen. Auch dieses Jahren kamen mir die Aufgaben in der Vormittagsetappe etwas einfacher vor. Was ich 2025 schon geschrieben hatte. Aufgrund des durchgängigen Einbahnstraßenprinzips war die Nachmittagsetappe (mal wieder) deutlich anspruchsvoller. Hier musste man zum Teil wirklich höllisch aufpassen und lange nachdenken.

Die Aufgabenstellung war dabei jedoch immer klar, eindeutig und fair. Kein Gerate, was könnte gemeint sein oder komische Zusatzbestimmungen (wie z.B. „Halbpfeile nachmittags nur bei Sonnenschein befahren“). Erstmals kamen bei der Wiehenfahrt auch die berüchtigten Fischgräten zum Einsatz, davon einmal direkt als Monster-Fischgräte mit ca. 40 Gräten. Bei guter Konzentration und scharfem Blick aber auf jeden Fall lösbar.

Hinten kackt die Ente: Am Ende hatte kein Team null Fehler, damit ist der Fahrleiter zufrieden und die Ergebnisliste zeigt: ganz so „einfach“ war es dann doch nicht 🙂

Was mich dieses Jahr durchaus irritiert hat, waren die diversen Negativkontrollen, die der Fahrtleiter auch gerne mal in Gegenrichtung aufgestellt hatte. Da war sie wieder, die nagende Frage: Kann das wirklich so gemeint sein? Warum steht da jetzt eine Kontrolle? Müssten wir nochmal neu denken? Nun, das war sicherlich Absicht.

Genauso wie die Aufgabenstellung innerhalb der WP 2. Hier wurden wir schön hinter die Fichte geführt. OK-Schilder und etwas trickreiche Fahraufträge innerhalb von Zeit-WP kommen scheinbei in Mode. Wobei ich sagen muss, mal wieder, wer lesen kann, der ist im Vorteil. Das war schon mit der grünen Linie eindeutig beschrieben. Geht also auf meine Kappe. Null Fehler wären ja auch zu schön gewesen 🙂

Note: 2+

Wertungsprüfungen

Für die Zeit-Wertungsprüfungen (SZP) möchte ich dieses Mal die absolute Bestnote vergeben.

Warum? Zum einen, weil das hier in Rothenuffeln so unfassbar problemlos funktioniert. Hier laufen die Uhren nicht rückwärts und die Zeiten werden auch nicht wie 1970 in der Eifel mit 6 Posten per Walkie-Talkie übertragen. Hier in Rothenuffeln verläuft sowas entspannt und professionell.

Dabei hat sich eine gewisse Besonderheit entwickelt. Die geheime Kurz-WP („blau“) – dieses Mal mit je 4 Sekunden zu fahren – an unbekannten Stellen. Normalerweise ist diese Art der WP sehr selten, gewinnt aber an Zuspruch (Herford war Vorreiter, jetzt u.a. auch Hagen). In Rothenuffeln hat man die geheime, blaue WP perfektioniert. Man ahnt es zwar irgendwie, ist dann aber doch immer wieder überrascht, wenn direkt vor dem Kühlergrill das blaue Schild erscheint und das Adrenalin hoch schießt.

Anno 2026 gab es bei der Wiehenfahrt zwei „normale“ WP (mit 2 bzw. 3 Messungen) sowie sage und schreibe vier geheime Prüfungen, die wirklich sehr gut platziert waren. Tatsächlich ist das in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal der Wiehenfahrt.

Die Sollzeit von 4 Sekunden ist so kurz, da kann man zur Not auch mal manuell runterzählen. Und ja, diese Not hatten wir mehr als einmal… 😀

Beschreibung der WP 1 und 2 im Roadbook. Bei der Sollzeitprüfung 1 war zwischen Ziel 1 und Ziel 2 noch eine geheime 4-Sekunden-Prüfung versteckt, die man wirklich erst auf den letzten Meter gesehen hat. Klasse gemacht.

Note: 1+

Verpflegung und Ambiente

Bei Verpflegung und Ambiente hat man in Rothenuffeln schon Licht und Schatten gesehen. Dieses Mal, auch hier wie im Vorjahr, eindeutig: Licht!

Sehr sehr schöne Mittagspause im Alten Fährhaus in Bad Oeynhausen, direkt an der Weser. Urlaubsfeeling. Zwar mal wieder Currywurst, diese aber am Stück und mit sehr leckerer Soße, charmante Bedienung. Getränke zum Selberzahlen, Preise ok.

Abends dann im Pivittskrug wieder ein tolles „voll fett“ Buffet. Alle haben was abbekommen, den Ansturm habe ich mir erspart und die Auswahl (inkl. dreimal Fleisch von diversem Getier) war superb. So wie auch der Nachtisch. Dafür ist das Nenngeld absolut angemessen.

Der Kenner wird es bemerken: kein Autohaus weit und breit. Ausreichend sanitäre Einrichtungen 🙂

Note: 1

Auswertung und Ergebnisaushang

Eine weitere Stärke des MSC Rothenuffeln: Saubere Auswertungen (ok, die 3 Tagesfahrt nehme ich da mal aus…) und sehr zeitnahe online-Aushänge. Auch das ist aus meiner Sicht bei der Wiehenfahrt vorbildlich. Bei Fragen oder Unklarheiten kann man den Fahrtleiter antexten und er kümmert sich dann. Keine Diskussions- oder Neutralisationsorgien. Nachvollziehbare Musterlösungen. Top.

Note: 1

Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung

Die Siegerehrung konnte bereits gegen 20 Uhr über die Freilicht-Bühne gehen. Das haben wir hier schon anderes (später) gesehen. Wie in den Vorjahren kann man jetzt nicht von einem pompösen Vorgang sprechen. Das Ganze ist schon launig, aber doch auch eher reduziert. Z.B. gibt es keinen Fotografen, der Bilder der siegreichen Teams macht (do it yourself). Sehr gut finde ich die Verlosung und den Helferpreis. Da waren wir wieder chancenlos, egal.

Die Pokale waren größer als im Vorjahr, aber ich muss es leider wieder schreiben, hässlich. Graubraungrün. Wer denkt sich sowas aus? Leute, wechselt doch mal die Bezugsquelle oder lasst euch beraten. Das ist aber auch schon fast der einzige Kritikpunkt bei dieser insgesamt sehr gelungenen Fahrt.

Note: 2

Anmerkungen und Besonderheiten

Bei dieser Fahrt konnten wir recht entspannt antreten, da es cupmäßig um nichts mehr ging. Zwar ist der ADAC Revival Pokal noch offen, aber aufgrund der geringen Expert-Starterzahl (unter 10 Starter) wird das Klassenergebnis dann nur zu 50% gewertet. Ein Unsinn, der auch andere Teams und andere Fahrten (be-)trifft.

Spannung gab es dann noch genug, und zwar wegen zu wenig Spannung. Klingt kurios? Nun, wir hatten vom Start weg diverse Stromprobleme mit unserem Gerätepark (Smartphones, TerraTrip, RTCH, Mini-Lautsprecher). Das verfolgte uns irgendwie den ganzen Tag. Mehrere geheime WP sind wir daher ziemlich spontan improvisiert manuell gefahren. Hat aber dennoch gut geklappt. Sicherlich liegt uns die Aufgabenstellung hier. Es ist aber auch so – mal wieder – gute Stimmung im Auto bei angemessener Konzentration ist das A und O eines erfolgreichen Tages. Der Fehler mit der 71 ist natürlich blöd. Ansonsten ist HG wieder Top-Zeiten gefahren. Chapeau.

Dem ein oder anderen ist es aufgefallen. Mit 6,66 Gesamtstrafpunkten sind wir ein höllisch gutes Ergebnis gefahren. Leider musste ich dafür meine Seele verkaufen 🙂 See You In Hell.

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FAZIT

Auch im 12. Durchgang konnte die Wiehenfahrt durch einen sehr gelungenen Mix aus reibungsloser Organisation, wunderschöner Strecke, abwechslungsreichen Aufgaben und schönem Ambiente überzeugen. Dieses Mal haben mich die Zeitprüfungen besonders überzeugt. Bei den Ori-Aufgaben besteht ein gutes Niveau: Anspruchsvoll, aber immer eindeutig lösbar. Als Verbesserungspotenzial sehe ich, dass mal schönere Pokale oder Preise ausgegeben werden. Ansonsten bitte weiter so. Ich wünsche dieser Fahrt im nächsten Jahr wieder 70+ Teilnehmer. Sie hat es verdient bzw. umgekehrt: wer hier nicht mitfährt, der verpasst was. Definitiv.

Gesamtnote: 1

IMPRESSIONEN

AUFGABEN

Sehr bekanntes Geläuf rund um Unterlübbe nach dem Start am Pivittskrug. Die Ecke und der Wendehammer Erdbrüggenkamp haben seit der Corona Fahrt 2020 fast schon legendären Status. Jedes Jahr fährt man hier lang. Und jedes Jahr mit einer anderen Aufgabenstellung. Dieses Mal durchaus mit erhöhtem Anspruchsniveau. Die OK 15 stand falsch, warum auch immer, das wurde nachher bei der Auswertung sehr fair korrigiert.

Riecht es hier etwa nach Fisch?!

In der Tat, auch diese Fischgräte nach Karte war im Roadbook zu finden. Mit ein wenig Konzentration aber absolut gut machbar. Sehr korrekte Beschreibung dieser Aufgabe in den Fahrtunterlagen.

Direkt nach WP 2 ein vor-finaler Höhepunkt in der Orientierung. Fahren von A nach E, schon klar. Aber hier war man doch vormittags schon mal gewesen? Genau, daher höllisch aufpassen, dass man nicht gegen das Einbahnstraßenprinzip verstößt oder die Spur aus Etappe 1 kreuzt. Kein Hirntod, aber Nachdenken war hier schon sehr angesagt.

Sehr schöne Bilder von DGS-Photo 🙂