

VERANSTALTUNG
Ramberg Historic
Motor Sport Club Ramberg
01. und 02. Mai 2026
TEAM
Michael Baurichter / Frank Schäfer
auf
BMW 325iX Touring
„Mal was anderes erleben“ ist ein Motto für 2026. Auf Empfehlung von H.G. aus D. haben wir uns für die Ramberg Historic angemeldet. Ausgeschrieben waren die Klassen „Historic Sport“ und „Veteran“. Während die „Veteranen“ eine eher gemütliche Ausfahrt unternahmen, geht/ging es bei den historischen Sportlern zu Sache. Angekündigt war laut Ausschreibung ein Mix aus Schnittfahren, Sollzeitprüfungen und Orientierungsaufgaben in landschaftlich reizvoller Umgebung.
Das Nennergebnis zeigte ca. 75 Teilnehmer, davon ca. 30 in der sportlichen Klasse. Für uns Sportler war der Start am Freitag um 17.02 Uhr (technische Abnahme 15:02 Uhr) mit einer Pause und nachfolgender Nachtetappe bis ca. 22.30 Uhr sowie dem „normalen“ Ablauf am Samstag (Start 9:02 Uhr). Die „Veteranen“ hatten eine eintägige Veranstaltung, ausschließlich am Samstag.
Aufgrund der für uns langen Anreise ab Kirchlengern bzw. Münster (kurz vor Husum) haben wir uns für ein verlängertes Wochenende in der Pfalz entschieden und sind „schon“ am Donnerstag aufgebrochen. Eine gute Entscheidung, so konnten wir noch Hotel, Landschaft und Wein vor Ort genießen, inkl. Besichtigung der Burg Trifels (rumänisch bewachter Parkplatz).
Das Wetter hätte kaum besser sein können. Sonnig, warm, nachts aber sehr frisch. Am Samstag war es auf den schwarzen Ledersitzen durchaus sehr muckelig und der Gerätepark auf dem Armaturenbrett „sehr hot“. Wie schon letztes Jahr im Saarland wanderte der RTCH dann temporär in die Kühlbox. Ausrüstungstechnisch hatten wir sehr gut vorgesorgt. Und wenn der Fahrer gelernter Koch ist, kommt auch die Verpflegung nicht zu kurz 🙂
TEILNEHMER-BERICHT
Organisation (vor und während der Veranstaltung)
Ausschreibung, Nennung und dann Nennliste wurden über die Internetseite des Clubs abgewickelt. Die Nennung erfolgte unkompliziert. Das Nenngeld für 2 Tage betrug 380 EUR bzw. 440 EUR nach dem ersten Nennschluss. Das ist schon eine Hausnummer. Nach der Nennung und der Aufnahme in die Startliste passiert lange Zeit informationstechnisch… nichts.
Am Sonntag vor der Veranstaltung (also 4 Tage vor Anreise) bekam ich dann eine Mail von der Fahrtleitung, die es in sich hatte bzw. für einen Überraschungsmoment sorgte.
In der Ausschreibung stand:
„Sportliche Historicfahrt (Gruppe S) für Automobile bis Erstzulassung 31.12.1995 mit Gleichmäßigkeits- und Sollzeitprüfungen sowie Orientierungsetappen mit einer Gesamt-Streckenlänge von ca. 400 km.“ sowie „Die Fahrzeuge fahren eine Strecke von ca. 400 km, diese beinhaltet mehrere Gleichmäßigkeitsprüfungen, mit einem Schnitt von max. 50 km/h, welche mit geheimen Zeitkontrollen überwacht werden oder auf Sollzeit befahren werden. Die Teams fahren die Strecke anhand üblicher Chinesenzeichen (Pfeil-Zeichen) und Kartenskizzen. Das Befahren der richtigen Strecke wird mit Nummernkontrollen und Durchfahrtskontrollen überwacht (Auch auf den GPs!). Es gibt GPs ohne Zielkontrolle, d. h. es erfolgen dort nur geheime Zeitmessungen im Laufe der GP.'“
Soweit so gut. Das Email vom Sonntag war nicht nur im Tonfall einer Strafverfolgungsbehörde verfasst (nicht dürfen, müssen, bei Strafe verboten, bei Zuwiderhandlung,…) sondern brachte wesentliche Neuerungen:
Alle Strafpunkte wurden mit 10 multipliziert. Also 20 statt 2 Punkte für eine OK; 50 statt 5 Max.-Punkte an einer Messung, etc.
Relevanter erschien uns der Hinweis auf eine neuartige Messung oder auch Prüfungsart, genannt TCS – Time Control Speed. Hierzu musste man sich dann am Tag der Rallye zwei GPS-Transponder hinter die Windschutzscheibe kleben lassen. 200 EUR wurden „angedroht“ bei Verlust oder unsachgemäßer Behandlung der Dinger.
Weiterhin wurden in der Vorab-Mail auch schon die Zeiten oder auch Schnitte für die Wertungsprüfungen kommuniziert. 14 GP standen an, davon 6 am Freitag und 8 am Samstag. Es handelte sich um 9 GLP (= Gleichmäßigkeitsprüfungen mit geheimer Schnittmessung), 4 Sollzeitprüfungen mit überwiegend mehreren Messungen sowie eine TCS-Prüfung mit 12 Messungen. Bei TCS gibt es keine FIA-Schilder oder sonstige Hinweise im Bordbuch zum Standort der Zeitmesspunkte, sondern es handelt sich um normale Straßenschilder, Wegmarken oder auch Orientierungskontrollen, die dann aufzuschreiben sind. Die Distanzen zwischen den einzelnen TCS-Punkten waren verdächtig niedrig. Aus der eigenen Erfahrung ist mir bekannt, dass bei solchen Prüfungen das Fahren der Zeit an sich weniger das Problem ist, sondern vielmehr, die Strecke überhaupt zu finden. Ich sah uns also schon durch Gewerbegebiete kreiseln.
Aufgrund der entstandenen Irritationen habe ich dann eine Email an die Fahrtleitung geschrieben und bekam auch ziemlich zeitnah eine Antwort, vom Auswerter/Zeitnehmer. Hier wurde das MiRally-System erklärt und darauf verwiesen, dass dieses seit Langem auf internationaler Ebene, Costa Brava oder AvD Histo Monte, etc. im Einsatz ist. Ein Hinweis auf die mögliche Hinterlegung einer Kaution per Kreditkarte (bei anderen Veranstaltungen) sowie der Satz „bei der Bostalsee Regularity hatte ich 2025 auf 187 RT-Kilometern 270 Messpunkte“ sorgte bei uns weniger für Bewunderung, eher für Gruseln. Costa Brava in der Pfalz? Histo Monte als Benchmark? Worauf hatten wir uns hier nur eingelassen….
Wir waren allerdings immer noch überzeugt, dass diese MiRallye-Geräte nur bei der einen TCS-Prüfung am Freitag abend eingesetzt würden. Ein fataler Irrtum, wie sich dann später herausstellte.
Ein weiterer Punkt wurde auch deutlich: Die Gewichtung der Orientierungsaufgaben war extrem gering angesetzt.
Bei den Zeitprüfungen gilt je Messpunkt:
SZP – 10 Punkte je Sekunde Abweichung
GLP – 3 Punkte je Sekunde Abweichung
TCS – 5 Punkte je Sekunde Abweichung
Maximal Strafpunkte je Messpunkt (!) – nicht je WP – 50 Strafpunkte.
Also für WP 5 mit 12 Messungen, davon 11mal TCS = 12 mal 50 = 600 Strafpunkte.
Für eine falsche OK gab es hingegen nur 20 Fehlerpunkte. D.h. einmal eine Messung vergeigt = 2,5 Fehlkontrollen.
Holla, die Waldfee. Eine weitere EMail von mir an den Zeitnehmer mit konkretisierenden Nachfragen wurde dann nicht mehr beantwortet.
Am ersten Veranstaltungstag trafen wir sehr pünktlich gegen 14.30 Uhr in Ramberg ein. Dies ist ein wirklich sehr kleiner Ort in den Bergen. Rallyezentrum war die Ramburg-Halle, eine Art Schützenhalle mit angeschlossener Küche und einem sehr großen Saal. Parkplätze sind hier sehr knapp, zudem liegt die Halle direkt neben der Freiwilligen Feuerwehr. Richtig parken und Transponderübergabe gestalteten sich ziemlich chaotisch, es waren auch wenige Helfer vor Ort. Wenn man irgendwo seinen (markierten!) Park-Platz gefunden hatte, wurden man auch schon wieder „verjagt“, da die Feuerwehr sich beschwert hatte. Am Samstag waren die Feuerwehrfahrzeuge übrigens anderswo untergebracht, da lief es etwas besser.
Der Check In verlief total unkompliziert. Die Stimmung war viel viel entspannter, als der Tonfall der Vorab-Kommunikation hat erwarten lassen. Eigentlich war man hier sogar recht lässig unterwegs. Vielleicht etwas zu lässig. Viele Infos mussten wir uns erfragen: Wann/wo bekam man das Roadbook? Wie erfolgte der Re-Start? Die Fahrerbesprechung fand verspätet statt und der Fahrtleiter war sehr schwer zu verstehen. Wesentliche Infos gab es eigentlich nicht, eine Muster-OK wurde nicht gezeigt. Leider hatten wir auch vergessen, danach zu fragen. Mist. „Unterwegs“ lief die Kommunikation über die Sportity-App, das hat wunderbar funktioniert, z.B. bei der Umleitung am ersten Tag.
Wir gingen immer noch davon aus, dass die MiRallye-Geräte nur bei der TCS-GP zum Einsatz kommen würden.
15 Minuten vor unserem Start bekamen wir dann das Roadbook Freitag, Teil 1 und reihten uns am Start ein. Hier wurden noch 10 Sekunden vor dem „los“ Fragen durchs Fenster geklärt oder die Bordkarte am Beifahrerfenster eingefordert.
Unterwegs hat alles ziemlich reibungslos funktioniert. Es gab nur 2 DK an den ganzen beiden Tagen! Auch ein Hinweis, dass es hier ein Helferproblem gibt. An den WP´s war der Ablauf total vorbildlich und alle Helfer etc. sehr freundlich. Abends nach dem Zieleinlauf saß man aber ziemlich verlassen in der Halle rum, die meisten Teilnehmer sind natürlich direkt nach Hause / ins Hotel gefahren. War ja auch schon 23 Uhr.
Der organisatorische Rahmen am zweiten Tag war im Prinzip identisch, jetzt waren noch die „Tourer“ dabei. Die wenigen ZKs lagen immer nach der jeweiligen Pause, also auch hier Einsparen von Personalbedarf.
Wir haben den Eindruck, dass sich die Ramberg Historic im Schwerpunkt an Wiederholungstäter richtet, die den Gesamtablauf kennen und keine weiteren Infos benötigen. Wir waren zum ersten Mal dabei und hatten immer ein wenig das Gefühl, den Infos nachzulaufen bzw. waren angestrengt, die Abläufe zu durchschauen. Wir haben aber viel gelernt und beim nächsten Mal wären wir sicherlich entspannter dabei.
Verbesserungspotenziale: Transparentere und vor allem konkrete Vorab-Info, was einen erwartet, ggf. eine kleine Einführung in das Schnitt-Fahren und die erforderliche Technik (siehe weiter unten), etwas mehr Hinweise am Tag selber, wie der Ablauf ist. Als fischbrötchenessende Fernanreisende würden wir uns auch ein anderes Start-/Ziellokal wünschen, mit besseren Parkmöglichkeiten und schönerem Ambiente, am besten direkt an einem Hotel. Wir können aber nachvollziehen, dass ein Veranstalter auch die Kosten und organisatorischen Möglichkeiten im Blick haben muss.
Note: 3
Strecke
Die Strecke auf den zwei Tagen war sicherlich DAS Highlight der Ramberg Historic. Ähnlich wie bei der Drei Tage Rallye ein Traum, nicht ganz so abwechslungsreich, aber dafür Landschaft ohne Ende. Wälder, langgezogenen Straßen, Pässe, Burgen, Fachwerkhäuser, Industriekultur. Klasse. Für den Fahrer auch fantastisch zu fahren, zumindest dann, wenn man nicht mit dem 49er Schnitt auf der Landstraße die normalen Verkehrsteilnehmer blockiert. Unter rein touristischen Aspekten hat sich der „Ausflug“ auf alle Fälle sehr gelohnt.

Note: 1+
Fahrtunterlagen
Die Fahrtunterlagen bestanden aus der Ausschreibung, den Durchführungsbestimmungen vorab per Mail, der Schnitt-/GP-Übersicht für alle 14 Prüfungen zum Einprogrammieren, drei Roadbooks und vier Bordkarten. Da kam schon etwas an Papier zusammen. Auf der Rückseite der Bordkarten waren jeweils max. 25 Kontrollfelder vorgesehen, es waren ja auch nur OK aufzuschreiben, keine Ortseingangs- oder Weilerschilder. Ein weiterer Hinweis auf die Gewichtung der Orientierungsaufgaben. Die Bordkarten waren klar gestaltet, die Roadbooks auch wie üblich. Die Kartenskizzen waren jedoch zum Teil etwas unsauber bzw. unscharf im Druck, das sollte bei einer Veranstaltung in der Costa Brava-Liga nicht sein (siehe weiter unten).
Wie bereits angemerkt, war die Beschreibung der Zeitaufgaben insgesamt nicht eindeutig, zum Teil redundant und die Abänderung der Wertung kurz vor der Fahrt hat auch eher zur Verwirrung beigetragen (wenn auch materiell nichts verändert). Warum kann man nicht da reinschreiben, dass eine WP mit geheimer Messung über 20 Messpunkte hat, die mit GPS überwacht werden? (je Messpunkt max. 50 Strafpunkte!) Für zukünftige Veranstaltungen sollte hier definitiv nachgebessert werden.
Note: 2-
Aufgaben und Wertungsprüfungen
Wie weiter oben geschrieben, gab es bei der Ramberg Historic verschiedene Aufgabentypen in der Klasse Historic Sport: Schnittfahren, Sollzeitprüfungen, TCS-Zeitmessungen, geheime („grüne“) Sollzeitprüfungen über jeweils 4 Sekunden sowie diverse Orientierungsaufgaben nach Kartenskizzen. ZKs gab es auch, die wurden aber lt. Aussage vor Ort nicht gewertet (Zu spät kommen wurde nicht bestraft, Vorzeit war erlaubt).
a) Schnittfahren
Im Dunstkreis OWL würden wir von „echten GLP“ sprechen. Solche Aufgabentypen findet man bekannterweise eher im Süden der Republik, während im Norden der Orientierungssport dominiert. Also, es gab satte neun GLPs, zum Teil auch mit mehreren Schnittwechseln. Die GLP-Länge war durchgängig sehr lang, also z.B. 19,80 km oder 14,82 km. Die vorgegebenen Schnitte lagen durchweg bei 47 oder 49 km/h, unterbrochen durch 30er Zonen innerhalb von Ortschaften. Soweit bekannt. Wir hatten uns nach den guten Erfahrungen bei der Drei Tage Rallye dafür entschieden, die Schnittprüfungen mit der App „Rally Tripmeter“ zu fahren (das hatte dort hervorragend funktioniert). Als Tripmaster kam der Terratrip zum Einsatz. Nach ein wenig Eingewöhnen lief das eigentlich ganz gut, dachten wir. Jedenfalls zeigte das Gerät immer an, dass wir einigermaßen im „schwarzen“ Bereich waren. D.h. eine Abweichung von unter einer Sekunde +/-.
Wir gingen immer noch davon aus, dass die MiRallye-Geräte nur bei der TCS-GP zum Einsatz kommen würden.
Am Ende des ersten Tages waren wir umso überraschter, dass unsere GLP-Ergebnisse grottenschlecht waren. Mal so eben über 300 Punkte in einer einzigen GP ist nicht schön. Vor allem, wenn man nicht weiß, was da nun doch schief gelaufen ist. Also haben wir den Fahrerverbindungsmann angefragt. Der hat seinen Job wirklich hervorragend gemacht. Zuerst kam es aber zu einem für uns eher kuriosen Dialog, als wir unsere Misere schilderten. Seine Antwort nämlich: „Ihr korrigiert wohl nicht?!“ Was, ähm, korrigieren? Verständnislosigkeit bei uns. „Und ihr fahrt mit GPS?!“ Mitleid war uns dafür scheinbar sicher… Was sich nun herausstellte: Die GESAMTE Strecke wurde mit den GPS-Transpondern überwacht, nicht nur TCS. Und in den langgestreckten GLPs gab es bis zu 20 (in Worten: Zwanzig!) Messungen. Costa Brava halt. Aha. Darum hatten wir also keine Lichtschranken oder Posten im Wald gesehen. Erstes Rätsel gelöst.
Was hätten wir nun also korrigieren sollen? Antwort: Die Strecke. Genauer, Angleichung des eigenen Tripmasters mit der Entfernungsangabe im Roadbook. Die Teil-KM stimmten zwar immer 99-100% exakt überein, aber aus streckenmeßtechnischen Gründen, die ich hier nicht erläutern möchte, ist die tatsächliche Gesamtstrecke nicht die Summe der Teilstrecken. Ja, in den Unterlagen stand drin, dass die Teil-KM nur „zur Info“ sind, aber dass es nun so auf diese Aspekte beim Zeitfahren ankommt, das war uns neu. Es gab noch eine etwas nerdige Diskussion über GPS versus Radsensor, dass die Belgier den Radsensor immer an der rechten Seite haben, dass man besser nicht die angetriebene Achse nimmt und Allrad schon doof ist, denn der hat ja nur angetriebene Achsen. Dann müsste man schon mit GPS Vorlieb nehmen.
Die Ergebnisse vom ersten Tag waren im Eimer, also konnte es nur besser werden und so haben wir das neu gewonnene Wissen am Samstag direkt umgesetzt. Bei jedem Chinesen innerhalb der GLP habe ich die Gesamt-KM laut Streckenbuch und in Natur (Trip) abgeglichen und „korrigiert“ Und tatsächlich gab es die vom Fahrerverbindungsmann angesprochenen Abweichungen. Was wir nicht beachtet hatten: auch bei durchgehenden GLP (also rein 14 km ohne weiteren Chinesen geradeaus) hätten wir korrigieren müssen. Bei diesen WP waren wir auch beim zweiten Tag schlecht. Erfahrene Teams errechnen oder schätzen auf Basis der Referenzstrecke oder der ersten GPs die Abweichung (z.B. 2,5 Meter auf 1.000 Meter) und korrigieren das dann regelmäßig am Trip. Auch ohne Teilkilometrierung. Darauf muss man erstmal kommen.
Auf Basis der Ergebnisse in der MiRallye-App konnten wir diese Effekte jedoch sehr gut nachvollziehen. Bei 20 Messungen in der GP waren wir bei den ersten 1-2 Messpunkten noch ganz gut unterwegs, dann lief die Fehlerpunktzahl von Messpunkt zu Messpunkt nach oben und am Ende standen dann 50er Max.-Zeiten – je Messpunkt!.
Wir waren und sind aber sehr zufrieden, dass wir das System nun verstanden hatten und am zweiten Tag auch prinzipiell umsetzen konnten. Großer Dank daher an unseren „Nachhilfelehrer“ Erwin Becher! Hätten wir diese Informationen schon vor der Fahrt gehabt, dann wären wir sicherlich deutlich besser abgeschnitten. Somit sind wir weniger an unserem eigenen Unvermögen, als am Nicht-Wissen „gescheitert“. Siehe oben: hier könnte der Veranstalter die Aufgaben und die damit verbundenen Besonderheiten nicht nur besser, sondern überhaupt mal für die Nicht-Insider beschreiben.
b) Sollzeitprüfungen
Es gab insgesamt vier SZP, davon eine 6-Sekundenprüfung direkt am Start am Samstag. Die anderen SZP hatten immer mehrere Messungen, bei denen sich die Sollzeiten mal auf den Start, mal auf die letzten Prüfung, bezogen haben.
Die Strecken in diesen WP waren durchgehend mit Chinesenzeichen dargestellt. Auch und insbesondere auf Werksgeländen („Gewerbegebiete gibt es hier nicht“) und in den Weinbergen. Der geneigte Leser ahnt, was jetzt kommt. Genau: die Prüfungen zeitgerecht absolvieren ist das Eine. Das Andere ist: man muss die korrekte Strecke erst einmal finden. Das war bei GP 1 (Basaltwerk) schon tricky, aber durch die Weinberge? Hier waren die Abstände der Chinesen dann immer so 10 bis 50 Meter, und es durften bzw. mussten auch Schotter-, Feld- und Graswege befahren werden. Immer in Schleifen. Einmal waren wir uns 100% sicher, dass wir falsch sind – so ein Grasweg kann in einer WP nicht gewollt sein. Doch, war so gewollt, d.h. wir waren richtig unterwegs und dann kam schon die Lichtschranke in Sichtweite.
Insgesamt waren die SZP gut gemacht und auch „machbar“ – man musste halt streng nach Entfernung im Tripmaster auch die Feldwege fahren und dabei auch gut Gas geben. Die Technik muss natürlich auch beherrscht werden und sollte nicht mitten in der GP ausfallen, was immer wieder gerne passiert.
c) TCS-Zeitprüfung
Die TCS-Prüfung fand am Freitag abend, bei kompletter Dunkelheit, in den Weinbergen statt. Name der Prüfung daher auch: „Weinstraßen Nacht“. Ja, Gute Nacht muss man hier sagen. 11 Messpunkte an einem Verkehrsschild o.ä. (nur anhand der Kilometrierung zu erkennen) sowie am Ende eine Lichtschranke auf einem Parkplatz. Wir hatten uns entschieden, diese Prüfung mit dem RTCH als Sollzeitprüfung zu fahren, was im Prinzip wohl die richtige Überlegung war. Wir hatten aber weder die Dunkelheit bedacht, noch den Umstand, dass es hier über kleine und kleinste Wege ging, außerdem waren noch Schleifen mit extrem kurzen Chinesen zu fahren. Die Vorgaben zu den TCS-Prüfungen machten es nicht einfacher: Mindestgeschwindigkeit 15-20 km/h, nicht stehen bleiben. Es kam, wie es kommen musste – bereits bei TCS 3 hatten wir komplett die Orientierung verloren, zudem zählte ständig ein Counter. Da sich die 11 Sollzeiten jeweils auf den Start bezogen, war man auch komplett raus, wenn man sich mal verfahren hatte. Es wäre hier u.E. sinnvoller gewesen, die Zeiten von Messung zu Messung zu definieren. Immerhin, wir sind die Strecke noch zu Ende gefahren, haben dabei 4 OKs aufgeschrieben (23 und 32 waren direkt hintereinander aufgehängt, um die Teilnehmer zu verwirren) und auch die Lichtschranke am Ende nicht ausgelassen. Das hätte noch mehr Strafpunkte gegeben. Man fragt sich nach dem Sinn dieser Nummer. Nacht-Ori unter Zeitdruck? Während wir uns mit dem Schnittfahren (s.o.) sicherlich anfreunden können, war diese Nachtaufgabe total für die Füße.
Ergänzung: es folgten an dem Abend noch eine weitere GP 6 als „normale“ Schnittprüfung, aber auch bei absoluter Finsternis und quer durch die Weinberge über Feld- und Graswege. Auch hier haben wir schnell die Orientierung verloren. Den ganzen Tag geht es 130 km über Asphaltstraßen und dann nachts auf einmal über Graswege. Immerhin haben wir im Weinberg noch die geheime SZP rechtzeitig erkannt und sind eine mehr oder weniger passable Zeit gefahren.
Einen haben wir noch: bei der letzten Prüfung gab es auch noch eine „Speed Zone“- Tempolimit im Ort bei 30 km/h. Hier haben wir nochmal 100 Strafpunkte kassiert, wegen zu schnell fahren. Also GP durch den Ort, dann mit GPS überwachen und Strafpunkte verteilen… kann man so machen. Gegen 23 Uhr am Freitag in der fast leeren Ramburghalle waren wir jedenfalls extrem bedient.
d) Orientierungsaufgaben
Aber, es gab noch die Orientierungsaufgaben. Hier lag nun unsere Hoffnung, besser abzuschneiden. Viele gute Zeitfahrer des Südens kommen mit Ori-Aufgaben eher nicht so gut zurecht. In Ramberg muss man allerdings in allen Aufgabentypen sehr gut sein, um oben mitfahren zu können.
Wie dem auch sei, kurz nach der GP im Basaltwerk Albersweiler ging es schon mit den Karten los, durch Annweiler am Trifels und dann in Richtung Norden durch die Wälder . Direkt in Bild 1 eine erkennbare Fahrtleitermarkierung: die Straße waren deutlich nicht doppellinig – daher eine Umfahrung nehmen. Warum hing hier keine OK? Negativkontrolle? Nein, wie wir nachher erfahren haben, war das nur „unsauber“ und nicht so gemeint gewesen. Am Samstag gab es ähnliche Stellen: sichtbare Überlappungen, wo kein Schild hing und eine weitere Unsauberkeit, die wir anders interpretiert hatten- diese Stelle wurde dann fairerweise neutralisiert. Insgesamt haben uns die Ori-Aufgaben sehr gut gefallen. Es hingen zwar wenige Schilder, diese aber immer sehr geschickt platziert. Die Karten führten durch die wunderschöne Landschaft, über traumhafte Straßen im Wald. Vielfach gab es auch „Ori im Ort“, weil hier sonst einfach nicht so viel machbar ist. Man muss sagen, auch bei den Ori-Aufgaben sind hier Profis am Werk, die wissen, was sie tun. Davon hätten wir gerne mehr gehabt, insb. eine höhere Gewichtung in der Wertung. Die Kartendarstellungen sollten außerdem eindeutig sein, wenn es schon auf die Nanometer ankommt. Unser Ergebnis: Freitag und Samstag jeweils null Fehler, das ist gut, reicht hier aber nicht aus, da die Zeitaufgaben dominieren.

Zwischenfazit zu den Aufgaben und Wertungsprüfungen:
Insgesamt ein guter Mix mit Fokus auf Schnittfahren. Mal was anderes und für uns das Verlassen der eigenen Komfortzone, was wir ja auch wollten. Bei den TCS-Aufgaben sollten eindeutige FIA-Schilder eingesetzt werden und bei den Ori-Aufgaben wäre ein eindeutiges, sauberes Kartenbild hilfreich.
Note: 2-
Verpflegung und Ambiente
In dieser Kategorie haben wir bei der Ramberg Historic Höhen und Tiefen erlebt. Zunächst muss man feststellen, dass die Weinstraße natürlich prädestiniert ist für ein schönes Rahmenprogramm. Und, wo gibt es sonst eine Oldtimerveranstaltung, bei der man abends Flaschenwein vom Winzer kaufen kann?
Im Detail:
Start, Abendpause und Ziel am Freitag in/an der Ramburghalle: Kantinenartige Atmosphäre mit Großküchenflair. Das Tellergericht an der Essensausgabe abholen, Getränke nebenan ebenfalls selber abholen. Sehr faire Preise! Große Portionen. Alles sehr rustikal. Das „Feierabendgetränk“ waren zwei Bier in Glasflaschen, die man ins Auto gereicht bekam.
Start am Samstag in der Ramburghalle: zum Frühstück können wir nichts sagen, wir hatten so wenig Zeit, dass es für uns ausgefallen ist. GPS-Transponder einkleben lassen, Roadbook in Empfang nehmen und los geht´s.
Mittagspause am Samstag in Dahn am „Alten Bahnhöf´l“: Restaurant mit Biergarten in einem historischen Bahnhofsgebäude. Hier waren wir sehr positiv überrascht: schönes Lokal, historisches Ambiente, sehr gutes Essen! Und ausreichend Zeit hatten wir auch. Sehr schön.
Nachmittagspause am Samstag auf dem Weingut Dr. Wettstein: Es herrschte zwar absolutes Parkchaos, aber dieser Stopp war ein weiteres Highlight. Fast schon südländische Atmosphäre (Costa Brava!), weinhaltige Kaltgetränke inklusive.
Abendveranstaltung Samstag in der Ramburghalle: wieder Kantinenflair, das angekündigte „Schnitzelbuffet“ umfasste aber auch diverse leckere Vorspeisen und war hervorragend gemacht. Leider wieder ein Buffetsturm nach Startschuss und die Frage, ob in Deutschland Hunger herrscht… Latent überforderte Getränkeausgabe mit rustikaler Ansprache: „Riesling, Müller-Thurgau, Rosé – 4,00 EUR „- auf die Kommata achten, auch wenn du von der Küste kommst. 🙂 Draußen war schönstes Wetter, hier saß man in der stickigen Halle. Einen Außenbereich gab es leider nicht. Daher sind wir nach dem Essenfassen aufgebrochen und haben uns in Siebeldingen noch in die Straußenwirtschaft gesetzt.
Zwischenfazit: Ähnlich wie bei den norddeutschen Orientierungsexperten haben auch die südwestdeutschen Schnittfahrer einen leicht nerdigen Touch. Hier werden nicht kleine rote Punkte durch die Nacht gejagt, sondern am PC komplexe Schnittrechnungen durchgeführt und möglichst viele Messpunkte mit GPS vorgehalten. Das „Drumherum“ spielt in diesem Kontext nach unserem Eindruck eine etwas untergeordnete Rolle. Das Ganze steht und fällt vermutlich auch mit der zentralen Lokation „Ramburg Halle“. Dazu habe ich weiter oben schon was geschrieben.
Note: 1-4
Auswertung und Ergebnisaushang
Auswertung und Ergebnisaushang haben bei der Ramberg Historic fast schon perfekt funktioniert. Die Ergebnisse wurden sukzessive über die App bekannt gegeben. Das finale Ergebnis am Samstag stand schon um 18.21 Uhr fest, das ist sensationell. Der Technikeinsatz zahlt sich an dieser Stelle aus. Einen Papieraushang gab es nicht. Ohne Smartphone kann man hier aber sowieso nicht teilnehmen (keine Kritk). Die Details der einzelnen Messpunkte waren gut nachvollziehbar. Der Fahrerverbindungsmann hat uns bei der Interpretation sehr geholfen und mit unserer Kritik an den nicht eindeutigen Orientierungsaufaben wurde auch sehr verständnisvoll und fair umgegangen.
Note: 1
Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung
Aufgrund der Rahmenbedingungen haben wir die Siegerehrung nicht mehr abgewartet und den Abend im Weinlokal ausklingen lassen. Die Pokale waren die üblichen „großen Kelche“. Weinkisten habe ich auch gesehen, waren wahrscheinlich als Sachpreise vorgesehen. Den Pokal für die weiteste Anreise hätten wir wohl bekommen, den gab es aber nicht (muss auch nicht).
Da alle unsere Fragen und Anmerkungen bereits vor Ort (Freitag abend, Samstag abend) gut und ausführlich geklärt werden konnten, gab es keinen Bedarf an einer Nachbetreuung. Ich möchte daher noch einmal betonen, dass Herr Becher einen absoluten Top-Job gemacht hat. Ohne seine Erläuterungen hätten wir auch den zweiten Tag verkackt.
Note: ./.
FAZIT
Am Freitag abend gegen 23 Uhr war die Stimmung im Keller. Gedanklich war ich schon dabei, den Verriss zu formulieren. Zum Glück gab es noch die zweite Chance am Samstag, an dem auch das Rahmenprogramm gestimmt hat. Somit hat unsere Exkursion in die Pfalz ein sehr versöhnliches Ende genommen. Tolle Strecken, viel Landschaft fürs Geld, Zeitprüfungen auf internationalem Niveau. Die Ramberg Historic hat schon viel zu bieten. Wenn man sich noch besser auf Ersteilnehmer einstellen könnte… Mit erkennbar wenig Personal wird in der Bürstenbinderstadt eine sehr professionelle Fahrt organisiert. Wir kommen gerne wieder, da ist noch eine Rechnung offen…. 🙂
Gesamtnote: 2
IMPRESSIONEN
ANREISE UND UMGEBUNG









AUSFLUG TRIFELS






FREITAG












SAMSTAG









Aufgaben











