Oldtimer-Rallye-Seminar beim MVNW: Einmal die Seiten gewechselt

25. Oktober 2026 – Bielefeld

Die Seminargruppe vor dem ADAC OWL-Haus in Bielefeld.
Die Seminargruppe vor dem ADAC OWL-Haus in Bielefeld.

Manchmal schließt sich nach vielen Jahren ein Kreis. So ging es mir am 25. Oktober 2026 beim Fahrer-/Beifahrer-Seminar des Motorsportverbandes Nordrhein-Westfalen (MVNW) in Bielefeld. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Dieses Mal saß ich nicht als Teilnehmer im Seminarraum, sondern stand vorne als Referent.

2013 hatte ich selbst an entsprechenden Seminaren des MVNW teilgenommen. Damals war ich noch Anfänger im Oldtimer-Rallyesport und bei Themen wie Kartenskizzen, Einbahnstraßensystemen oder Zeitprüfungen alles andere als sattelfest.

Einer meiner damaligen Referenten war Karl-Gustav Sander, ein Urgestein des westfälischen Motorsports. Er war über Jahrzehnte als Rallyesportler, Sportfunktionär und unter anderem als Sportsekretär des ADAC Westfalen tätig. Auch die Entstehung des ADAC Supercross in Dortmund geht maßgeblich auf seine Initiative zurück. Karl-Gustav Sander verstarb am 12. März 2025 im Alter von 82 Jahren.

An die damaligen Seminare erinnere ich mich gerne. Sie haben mir den Einstieg in die zunächst ziemlich verwirrende Welt des Oldtimer-Rallyesports erheblich erleichtert. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.

Dass ich nun, 13 Jahre später, selbst für den MVNW als Referent tätig sein durfte, ist für mich schon etwas Besonderes. Und vielleicht auch eine kleine Ermutigung für heutige Einsteiger: Niemand kommt mit dem Wissen um Chinesen, Fischgräten oder Sollzeitprüfungen auf die Welt. Man kann das alles lernen. 😉

Der MVNW hatte zu einem ganztägigen Fahrer-/Beifahrer-Seminar eingeladen. Gastgeber war der ADAC Ostwestfalen-Lippe, der seine Räumlichkeiten im ADAC OWL-Haus in Bielefeld zur Verfügung stellte.

Gemeinsam mit Hans-Georg Sonnendecker, der seit mehr als vier Jahrzehnten in unterschiedlichsten Funktionen im Rallye- und Automobilsport aktiv ist, durfte ich das Seminar gestalten.

28 Teilnehmer, überwiegend als Fahrer-/Beifahrerteams, waren angemeldet. Die Vorkenntnisse waren durchaus unterschiedlich, vom relativen Neuling bis zum langjährig aktiven Rallyeteilnehmer.

Das Programm von 10:00 bis 18:00 Uhr war ambitioniert: Grundlagen des Oldtimer-Rallyesports, Fahrtunterlagen, Kontrollen, technische Hilfsmittel, Chinesenaufgaben, Kartenskizzen, Orientierung, Zeitprüfungen und die Zusammenarbeit im Cockpit. Ziemlich viel Stoff für einen Sonntag.

Uns war wichtig, keine achtstündige Frontalveranstaltung daraus zu machen. Deshalb hatten wir ein umfangreiches Handout vorbereitet und den Schwerpunkt bewusst auf praktische Übungsaufgaben gelegt.

Hierfür stand ein gesondertes Aufgabenheft mit Beispielen aus realen Veranstaltungen zur Verfügung, unter anderem aus der Rallye Ruhrgebiet Classic, den Oldtimer Classics Düren und meiner Independent Winter Ori.

Nach einer kompakten Einführung konnten sich die Teilnehmer selbst an Chinesenaufgaben, Kartenskizzen, Fischgräten und weiteren Orientierungsaufgaben versuchen. Dabei wurde schnell deutlich, dass es einen Unterschied macht, ob man einer Erklärung folgt oder den richtigen Lösungsweg selbst finden muss.

Entsprechend konzentriert ging es im Seminarraum zu. Es wurde diskutiert, gezeichnet, radiert und erneut angesetzt. Die Köpfe rauchten – genau so sollte es sein.

Auch die verschiedenen Zeitprüfungen sowie der sinnvolle Einsatz von Geräten und Apps kamen nicht zu kurz. Denn nicht für jede Aufgabenstellung benötigt man gleich eine umfangreiche technische Ausstattung.

Am Ende des Tages baten wir die Teilnehmer um ein kurzes Feedback auf Metaplan-Karten. Die Rückmeldungen fielen erfreulich positiv aus.

„MEGA“, „sehr informativ“, „tolle Atmosphäre“, „super Erklärungen und Tipps“ und „viele gute und praxisnahe Infos“ waren einige der Kommentare. Besonders häufig wurden die praktischen Übungen, die verständlichen Erklärungen und die lockere Atmosphäre hervorgehoben.

Natürlich gab es auch Anregungen: Manche hätten gerne noch mehr Zeit für die Übungen gehabt. Außerdem wurde der Wunsch geäußert, die Musterlösungen im Nachgang zur Verfügung zu stellen. Beides nachvollziehbare Hinweise für eine mögliche Wiederholung.

Ein besonderer Dank gilt Alexander Nelius vom MVNW, der die Veranstaltung hervorragend vorbereitet und organisiert hat. Auch für die Verpflegung war bestens gesorgt. Insbesondere das ausgezeichnete Mittagessen fand nicht nur bei uns Referenten, sondern auch bei den Teilnehmern großen Anklang.

Vielen Dank ebenfalls an den ADAC Ostwestfalen-Lippe für die Gastfreundschaft und die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie an Hans-Georg Sonnendecker für die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit.

Für mich war es eine interessante Erfahrung, einmal auf der anderen Seite des Seminarraums zu stehen. Die engagierte Mitarbeit und das positive Feedback haben gezeigt, dass sich die intensive Vorbereitung gelohnt hat.

Und vielleicht steht ja einer der heutigen Teilnehmer in einigen Jahren selbst als Referent vorne. Bei mir hat es schließlich auch so angefangen. 😉

Zum Schluss noch zwei Bilder aus dem Jahr 2013 – aus der Zeit, in der ich selbst an den Seminaren teilgenommen und meine ersten Erfahrungen im Oldtimer-Rallyesport gesammelt habe. Ein schöner Rückblick und für mich eine passende Klammer um den heutigen Seminartag.

Karl-Gustav Sander bei den MVNW-Übungsfahrten 2013
Karl-Gustav Sander in Aktion bei den MVNW-Übungsfahrten 2013.
Golf 1 GTI bei den MVNW-Übungsfahrten 2013
Damals waren wir noch mit einem Golf 1 GTI unterwegs.