VERANSTALTUNG

Niederrhein Classic, Berghotel Hohe Mark

NOSW e.V.

27.07.2025

Foto mit Pokalen und Ölpappe, die man gerne mal liegen lässt…

TEAM

H.G. Sonnendecker / Frank Schäfer

auf

Audi 80 2.6E (B4)

Ausschreibung der Veranstaltung in gleich vier Schwierigkeitsstufen: Ausfahrt, Touristik, Tourensport, Sport. Erstmalig ist auch diese Fahrt im Oldtimer-Cup NRW vertreten. Daher haben wir uns in der Wertung „Sport“ angemeldet – eigentlich wollte ich hier nie mehr mitfahren, zumindest nicht als „Sportler“. Siehe Bericht aus 2021. Es war immer eine schöne Veranstaltung, aber die Aufgabenstellungen einfach ZU besonders. Mal sehen, wie es dieses Jahr ausgegangen ist.

Gleich fünf Schwierigkeitsstufen anzubieten, bei ca. 70 Teilnehmern, das ist schon was. Vielleicht ein bisschen viel.

TEILNEHMER-BERICHT

Organisation (vor und während der Veranstaltung)

Der NOSW ist auch auf seiner Internetseite sehr umtriebig. Es gab im Vorfeld ausführliche Informationen, auch immer mal wieder per Email. Problemlose Nennung, auch der Fahrzeugwechsel hat gut funktioniert. Besonderheiten: Man muss immer eine „Ölmatte“ unter das Auto legen und es gibt keine besetzten Kontrollen an der Strecke. Keine Ölmatte? Das kann maximal 15 Strafpunkte bringen. Zudem muss man sich vor dem Start noch einen Stempel an der Papierabnahme holen. Sollte man das vergessen, gibt es weitere 10 Punkte auf ´s Konto.

Note: 1

Strecke

Wunderschöne Streckenführung durch die Hohe Mark, das wurde versprochen und auch gehalten. Sehr naturnah, ländlich und überwiegend auf guten, jedoch auch sehr kleinen Straßen. Das Wetter war besser als gedacht, daher waren am Sonntag wieder sehr viele Fahrradfahrer und Hundeführer unterwegs. Also aufpassen. Es gab kaum Ortsdurchfahrten (keine Ori innerorts, wie weiter nördlich), die Streckenführung ist sicherlich ein großer „Pluspunkt“ bei der NRC.

Note: 1

Roadbook und weitere Unterlagen

Von einem Roadbook im eigentlichen Sinne kann man bei der NRC nicht sprechen. Neben dem Fahrerbrief bekommt man je Etappe drei Seiten DIN 4 Ausdruck – je eine Seite Chinesen und zwei Seiten kleine Kartenskizzen. Dann muss man auf die Nummerierung achten und immer wieder hin und herspringen. Das fand ich schon mal fummeliger (2021), ist aber gewöhnungsbedürftig. Die Unterlagen waren im Prinzip eindeutig, jedoch die Karten extrem unscharf – verwaschen. Die Doppellinigkeit von Straßen konnte man teilweise kaum noch erahnen. Gerade wenn es auf kleinste Feinheiten ankommt, sollten die Karten aber scharf sein. Das geht eindeutig besser!

Note: 3

Aufgabenstellung

Wer hier mitfährt, der weiß, was ihn erwartet. Dafür sorgt u.a. die sehr ausführliche und plakative Beschreibung der Anspruchsstufen im Rahmen der Ausschreibung. „Sehr anspruchsvolle Orientierungsaufgaben“ in der Klasse SP – das ist wörtlich zu nehmen. Es hatten sich denn auch nur sieben Teams für die Gruppe „Sport (SP)“ entschieden.

Neben den Orientierungsaufgaben gab es keine weiteren Aufgabentypen. Insbesondere gab es keine Abschnitte mit Zeitkontrollen. Es galt nur die Organisationszeit von 300 Minuten inkl. ca. 20 Minuten Mittagspause. Dazu noch 60 Minuten strafpunktfreie Karenz. Weitere 60 Minuten Zeitüberschreitung wurden mit maximal 6 Punkten betraft. Von Zeitnot war man hier also wirklich sehr weit weg. Hat mir sehr gut gefallen. Das an anderen Stellen immer wieder provozierte Gebretter durch zu knappe Sollzeiten entfällt, und man kann sich wirklich auf die Orientierungsaufgaben konzentrieren.

Das ist hier auch nötig! Denn die Orientierungsaufgaben haben es nach wie vor sehr in sich. Die Mischung aus unkonventionellem „Roadbook“, speziellem Kartenmaterial und komplexen Regeln stellt die Teilnehmer vor enorme Herausforderungen. Was galt es alles zu beachten: Einbahnstraßenprinzip, Kreuzen erlaubt, kürzeste doppellinige Verbindung, etc. – soweit bekannt. Dazu jedoch einige Spezialitäten: Auf Bundesstraßen nur rechts auffahren, kein Einbahnstraßenprinzip auf Bundesstraßen, Pfeile dürfen nur einmal in voller Länge gefahren werden, und – der Höhepunkt – : bei Punkten muss nach jeder Aufgabenstellung weitere 200 m gerade aus gefahren werden, dann erst zum nächsten Aufgabenteil. Klar, so kann der Herr Fahrtleiter schöne Fallen stellen. Gerade die Variante mit den Punkten wurde sehr häufig gewählt und war nicht immer eindeutig. Hier musste man oft messen und/oder schätzen.

Dann noch weitere Besonderheiten bei den Kontrollen: Bei jedem Kreisverkehr einmal „KV“ notieren, bei jeder Sackgasse (Definition lt. Fahrerbrief“) „SG“ notieren, beim Auffahren auf Bundestraßen „B+Nummer“ notieren.

Die Baumaffen / OK werden bei der NOSW ebenfalls speziell aufgestellt. Es gibt schon zu denken, wenn im Wagen des Fahrtleiters eine Leiter liegt! Und ja, 80% der OK werden links von der Straße in ca. 3 Meter Höhe aufgehängt. Kein Scherz. In Ausnahmefällen, z.B. vor dem Linksabbiegen, aber auch tief rechts unten. Der Fahrtleiter meint hierzu, bei ihm würden die OK nicht versteckt. Nunja. Aber sie werden auch nicht so aufgehängt, dass man sie in jedem Fall beim Vorbeifahren erkennen kann. Warum fast immer links und dann auch noch so hoch, der Sinn erschließt sich mir nicht. Es sei denn, man will die Teilnehmer ärgern bzw. hinter die Fichte führen.

Insgesamt haben mir die Aufgaben gut gefallen. Es war sehr kniffelig, aber nach etwas Eingewöhnung wusste man so ungefähr, was der Fahrtleiter wollte. Zum Teil war das zwar fast auf wissenschaftlichem Niveau, aber das ist mir immer noch lieber, als „wir machen das einfacher, damit mehr Teilnehmer kommen“.

Note: 2+

Wertungsprüfungen

Bei der NOSW Niederrhein Classic handelt es sich um eine reine Orientierungsfahrt. Daher gab es null ZK und auch null GLP oder SZP. Dafür, auch für die Sportler, aber eine Scherzfrage und eine Abstandsprüfung. Nur die Abstandsprüfung (fahren Sie exakt 2,40 Meter an die Latte ran) ging in die Wertung ein.

Note: ./.

Verpflegung und Ambiente

Start und Ziel waren im Berghotel Hohe Mark, die Mittagspause in einem Opel Autohaus (wie eigentlich schon seit immer). Frühstück und Abendessen waren ok, durchaus lecker, aber vom Ambiente her habe ich die NOSW Classic schon mal besser erlebt. Da gab es draußen bei De Franco ein super Grill Buffet. Hier und heute saß man neben dem Restaurant etwas beengt und stickig in einem Zelt. Die Atmosphäre war eher rustikal. Das galt auch für die Mittagspause. Ich möchte aber hervorheben, dass die Currywurst als Imbiss extrem gut geschmeckt hat (selbstgemachte Soße?) und auch das Schnitzel abends war klasse. Der Buffetansturm war wieder ziemlich krass, aber im Berghotel konnte man sich die Zeit auch auf der Sonnenterrasse mit Ausblick vertreiben. Sehr schön!

Note: 3

Auswertung und Ergebnisaushang

Der Veranstalter hatte den Anspruch, 30 Minuten nach Idealankunftszeit der letzten Startnummer die Siegerehrung vornehmen zu können. Moment, Moment, es sollte doch Genauigkeit vor Schnelligkeit gehen. Hier ist beides mehr oder weniger gelungen. Die Musterbordkarten und Musterlösungen hingen sehr schnell. Auch die Ergebnislisten folgten zügig. Da kann man nicht meckern. Allerdings hingen diese Unterlagen an den Seitenwänden des Zeltes quasi direkt über den Köpfen der dort sitzenden Teilnehmer. Das hätte man besser lösen können.

Auch mit Musterbordkarte und Musterlösung konnte man seine Fehler allerdings nicht durchgehend nachvollziehen. Das hat hier allerdings Tradition. Der Schiedsrichter aus Palma de Mallorca musste wieder nicht eingeflogen oder per Teams zu geschaltet werden. Ist wohl so eine Art „running gag“. Der Fahrtleiter stand allerdings für Fragen zur Verfügung.

Note: 2

Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung

Die Siegerehrung fand bereits vor 19 Uhr im „Festzelt“ statt und war durchaus unterhaltsam gestaltet. Es wurden 33% Pokale vergeben, mit Platz 3 in der sportlichen Klasse bekamen wir – großzügig aufgerundet – auch noch was zum Mitnehmen. Das ist anständig. In den anderen Klassen gab es, der Prozentregelung wegen, weitaus mehr Pokale. Ich finde immer noch: Olympisches Prinzip sollte gelten: Pokale oder Preise für die Plätze 1-3, der Rest gerne Teilnehmerpräsente, aber keine Pokale mehr. Das wertet die Pokalvergabe ab, betrifft aber im Prinzip alle Veranstaltungen. Die Pokale selber waren ok, auf jeden Fall besser als 2021. Der Fahrtleiter richtete dann noch sehr wohlwollende Worte an die Teilnehmer. Eine schöne Atmosphäre, anders als bei anderen Fahrten, wo man manchmal den Eindruck hat, die Teilnehmer werden irgendwie als Gegner gesehen. Hier passte es! Danke an alle Helfer, die bei der NOSW unterstützt haben.

Die detaillierte Musterlösung wurde dann schon am selben Abend per Email an die Teilnehmer verteilt, das ist sehr lobenswert. Jetzt konnte die Analyse des eigenen Ergebnisses starten. Leider traten dabei (weitere) Unklarheiten ans Tageslicht. Zum einen hatten wir offenbar zwei Kontrollen übersehen, trotz korrekter Strecke, was immer doppelt ärgerlich ist. Zum anderen gab es einige wirklich unklare Stellen, auch aufgrund des sehr unscharfen Kartenmaterials.

Im Nachgang gab es dann noch einen kleinen Email-Austausch mit dem Fahrtleiter. Was ich hier extrem positiv hervorheben möchte: es wurde sehr detailliert auf meine Fragen und Anmerkungen eingegangen. Das ist durchaus nicht üblich – bei der NRC aber wirklich vorbildlich. Wir waren zwar nicht in allen Punkten einer Meinung, was auch nicht zu erwarten war, aber ich habe immerhin verstanden, wie es gemeint war. Hauptproblem: Baumaffen an komischen Stellen und unscharfes Kartenmaterial.

Note: 1

Anmerkungen und Besonderheiten

Ups, we did it again 🙂 Bereits zweimal habe ich geschworen, bei der NRC eigentlich nicht mehr mitzufahren, trotz der schönen Strecke und des schönen Ambientes. Aber wegen der sehr speziellen Aufgaben. Beim dritten Anlauf, nach einer Wartezeit von 4 Jahren (!), sind wir dann endlich mal auf dem „Treppchen“ gelandet. Und das auch noch in der sportlichen Wertung. Damit können wir sehr gut leben, trotz einiger Fragezeichen in Sachen Musterlösung. Man muss halt nicht „gut“ sein, es reicht, wenn ausreichend Teams noch schlechter sind… Mit ca. 140 Strafpunkten noch auf Platz 3, wo gibt es das sonst?

In Sachen „Cup-Wertung“ lohnt ein interessanter Vergleichsblick ein paar hundert Kilometer nach Nord-Ost in die Lüneburger Heide. Bei der dortigen VFM Heide Classic sind am Vortag (26.7.) auch Teilnehmer des NRW-Cup unterwegs gewesen. Die Ergebnisse dort: fast keine Fehler in den Bordkarten, aber dafür wieder „Hammer“-Strafzeiten bei den Transpondermessungen. Wir haben die richtige Wahl getroffen, das steht fest. Es zeigt aber auch, wie weit die derzeitigen Cup-Läufe auseinander liegen – nicht nur im Hinblick auf die Entfernungen. Ob es so weitergeht?!?!

Weitere Anmerkung: Oldtimer werden immer jünger. Das ist mir bei dieser Veranstaltung deutlich geworden. In unserer Klasse gab es ein Fahrzeug Bj. 1969. Der komplette Rest war Bj. 1991 bis 1995. Das ist schon krass, in den anderen Klassen sah es nicht viel anders aus. Besonders die 1970er Jahre sind nur noch sehr schwach vertreten. Schade eigentlich.

./.

FAZIT

Sehr schöne Orientierungsfahrt für Old- und Youngtimer, ohne den sonst z.T. üblichen Zeitdruck. Auch ohne ZK oder sonstige Wertungsprüfungen. Die Kombination aus speziellen Karten und komplexen Fahrregeln bei schöner Strecke macht den Reiz dieser Fahrt aus. Zum Teil sind die Aufgaben jedoch grenzwertig, da aus Teilnehmersicht nicht eindeutig. Auch die Baumaffen werden sehr speziell aufgehängt. Das Ambiente ist immer noch schön, hat mir aber schon mal besser gefallen. Insgesamt sehr empfehlenswert, insb. wenn man mal was „anderes“ fahren will. Wir wü(e)rden 2026 auf jeden Fall wiederkommen und auch in der Gruppe Sport starten.

Gesamtnote: 2

IMPRESSIONEN

So hingen hier die Baumaffen. Fast immer links und in ca. 3 Meter Höhe. 

Wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Wieder einmal großer Andrang und lange Schlange am Buffet im eher stickigen Zelt. Alternativ konnte man die Zeit aber auch auf der wunderschönen Terrasse verbringen. Es wurde ausreichend nachgelegt. Insgesamt war das Ambiente eher rustikal.

AUFGABEN

Individuelle Aufgabenstellungen. Ich finde es inzwischen gut gemacht. Wenn die Karten noch scharf wären und nicht so verwaschen, wäre es auch immer lösbar.

Preisfrage: wie messe ich hier unterwegs im Boliden die 200 Meter ohne weiteren Anhaltspunkt, wie z.B. ein Gebäude?

Zweites Beispiel: Bitte mal auf die Wege an der Straße rechts achten, unterhalb von dem schwarzen Punkt. Sind die laut Karte angebunden? Mit der Lupe untersucht: nein, nicht angebunden. War aber anders gemeint. Wenn es schon auf solche Feinheiten ankommt, dann sollte das Kartenmaterial schon passen!

Diese fiese Überlappung von Chinese und Karte haben wir beim besten Willen nicht erkannt. Denn: die Karte war auch noch manipuliert: an der besagten Stelle nach 1,33 Km war in der Natur eine Kreuzung, nach Karte aber nicht (ein Straßenteil war wegretuschiert). Daher wähnten wir uns woanders (weiter vorne). Das ist schon Ori für Quantenphysiker 😀

Bei dieser Aufgabe habe ich ohne Ergebnis gerätselt, warum man die „14“ (hier nicht eingezeichnet) weiter unten rechts mitnehmen sollte. Die Lösung: Möglichst wenig Gegenläufigkeit nach der Sackgasse an dem schwarzen Punkt. Es war aber m.E. nach Karte überhaupt nicht erkennbar, dass man dort unten gleich zweimal über/unter der Bahn hätte fahren können. Das sind schon sehr grenzwertige Aufgaben.

„Hupen! Hupen!“

🙂