VERANSTALTUNG

3. ADAC Heideblüten Klassik  und 1. ADAC Heideblüten Ori

Automobilclub Buchholzer Heidering im ADAC e.V.

23.08.2025

 

TEAM

H.G. Sonnendecker / Frank Schäfer

auf

Audi 80 2.6 E (Typ B4)

Diese noch recht junge Veranstaltung war im Sinne des Motto „Klein, aber fein“ auf 65 Teilnehmer begrenzt, bot dafür aber eine fast unüberschaubarer Vielzahl von Klassen und Klassen-Kombinationen. Einmal gab es die Ori in vier Klassen (A, B, C, YO), dann die Klassik als Ausfahrer, Touristisch und Sportlich. Dann noch beides zusammen als „Kombi“. 

Ähnlich wie im Saarland sind wir die „Kombi Sportlich“ gefahren, d.h. einmal „mit alles“ – Chinesenroadbook, einfache Ori für alle, Sonderaufgaben mit schweren Ori-Aufgaben und die diversen Zeitprüfungen. Die Heideblüten Klassik nimmt auch am Classic Revival Pokal teil, mit ein Grund, es hier einmal zu versuchen.

Die Wetterbedingungen waren insgesamt sehr durchwachsen. Von Starkregen bis Sonnenschein war alles dabei. Im Auto saß man im T-Shirt und kam ins Schwitzen, draußen war es dann eiskalt. Insgesamt Aprilwetter.

TEILNEHMER-BERICHT

Organisation (vor und während der Veranstaltung)

Die Organisation vor der Veranstaltung verlief absolut problemlos. Online-Nennung und ausreichende, regelmäßige Infos. Einen Teil des Roadbooks mit den Ausführungsbestimmungen bekam man schon vorab, so dass man sich damit vertraut machen konnte. Auch die „Abnahme“ vor Ort war professionell ohne ADAC-Formalismus gestaltet. 

Während der Fahrt selber gab es dann doch die ein oder andere Schwäche:

Parken, Papierabnahme und Fahrerbesprechung draußen auf einer Wiese ist bei Regen nicht so prickelnd. Das hätte man in das vorhandene Gebäude verlegen können (sollen). (Natürlich ohne das Parken 🙂 )

Das Start- und Ziellokal „Hof Oelkers“ war sehr schön (dazu später) mehr, hatte aber eingeschränkte Öffnungszeiten: Länger als 18 Uhr war nicht, dann gingen die Schotten runter. Die Siegerehrung war für 17:45 Uhr geplant. Dieser zeitlichen Rahmenvorgabe war im Prinzip der gesamte Ablauf untergeordnet. Von außen betrachtet, ein hohes Risiko, was dann auch schlagend wurde.

Die Vormittagsetappe hatte es in sich, so war es auch vom Fahrtleiter angekündigt. Vor allem die Ori-Sonderaufgaben musste bewältigt werden. Ohne sehr hohe Konzentration und paarmal überlegen ging es hier nicht. Wir haben immer ausgemessen und sind auch schon mal eine Strecke bewusst doppelt von beiden Seiten gefahren (warum hing hier kein Schild?). Das hat Zeit gekostet, aber so richtig verfranzt haben wir uns nicht. Dennoch hatten wir direkt an der ZK1 schon ca. 30 Minuten Zeit verloren. Bis zu ZK2 konnten wir ca. 8 Minuten wieder aufholen. Leider ging aber der Zeitnachteil komplett zu Lasten der Mittagspause. Auch die Seeterrassen machten einen sehr guten Eindruck und das servierte Essen sah lecker aus. Wir haben aber kein Essen mehr bekommen. Bestellt ca. 13:35 Uhr war unsere Re-Start Zeit 14:07 Uhr. Wie andere Teilnehmer später berichteten, kam unser Essen dann gegen 14:15 Uhr. Die Bedienung in den Seeterrassen erschien auch schrottgenervt und unfreundlich: „Hier wird niemand bevorzugt, erst servieren wir jetzt bei der Hochzeitsgesellschaft“. Sehr schade.

Die Helfer an den ZK 1 und 2 waren aus unserer Sicht nicht wirklich darauf vorbereitet, dass Teilnehmer mit Zeitnot ankommen. So wurde zum Teil endlos mit Teams vor uns diskutiert, es fehlte der Blick in die aufgelaufene Schlange. Ich bin dann ausgestiegen und durch den Regen gelaufen zum Posten. Auch dann hat es noch „endlose“ Zeit gedauert, bis ich meine Zeit – 13.30 Uhr – bekommen habe. Ich bin sehr gespannt auf die Auswertung, denn ich konnte nicht sehen, dass unsere Zeit auch in die BK1 eingetragen wurde.

Durch die Verwendung einer „Hauptbordkarte“ mit mehreren „Nebenbordkarten“ je Ori-Etappe hat der Fahrtleiter nicht nur die Teilnehmer, sondern auch sich selbst verwirrt. Vor allem, da es zwischen den verschiedenen Aufgaben mehrere Überlappungen gab. Dann war unklar, in welche Bordkarte nun die Kontrollen einzutragen sind. Dies wurde im Rahmen der Fahrerbesprechung diskutiert. Am Ende war es für uns vermeintlich klar, aber wir hatten es dann doch in Teilen anders „als gedacht“. Insgesamt gab es soviel Kuddelmuddel, dass die Auswertung und Siegerehrung am späten Nachmittag nicht mehr stattfinden konnte. Das ist m.E. eine Stärke. Abbruch und kein Versuch, bis kurz nach Mitternacht doch noch eine Auswertung auf Teufel komm raus zu verbrechen.

Das Geschriebene mag sehr kritisch klingen, der Eindruck täuscht aber etwas. Insgesamt war erkennbar, dass die Veranstaltung mit sehr viel Mühe und Aufwand gestaltet war.  Mit etwas mehr Zeit, oder weniger Aufgaben und ohne das komplexe Bordkartensystem wäre viel gewonnen. Vielleicht im nächsten Jahr?

Note: 2

Strecke

Die Streckenführung der Heideblüten Klassik hat ihrem Namen alle Ehre gemacht. Vom Hof Oelkers aus ging es in südliche Richtung, dann in einer großen Runden durch die Lüneburger Heide und wieder zurück.
Tatsächlich haben wir sehr viel blühende Heide gesehen, ein Traum. Die WP4 Camp Reinsehlen führte sogar auf alten Panzerwegen direkt durch die Heide. Fantastisch. Die Straßen waren überwiegend, nicht immer, in gutem Zustand. Die Orientierungsaufgaben fanden, sehr typisch norddeutsch, fast immer in einem (kleinen) Ort statt. Wahrscheinlich findet man hier sonst keine fahrbaren Wege? Ori im Ort finden wir grundsätzlich nicht so prickelnd, hier hat aber alles funktioniert und mir sind auch keine genervten Anwohner aufgefallen.

Note: 1+

Roadbook und weitere Unterlagen

Bei den Unterlagen hat sich der Fahrtleiter selbst übertroffen. Alles in bestem Druck auf dickem Papier. Das Roadbook wog ca. 5 Kilo 🙂 mit laminierter Rückseite und Metall-Spiralbindung. Die Beschreibungen zu den Ausführungsbestimmungen waren sehr ausführlich, fast schon eine Art Handbuch. Fluch und Segen zugleich, es gab somit auch viel zu lesen und der Überblick ging dabei verloren. Ich habe mit daher vor der Fahrt die wesentlichen Regeln herausgeschrieben.

Das massive Roadbook war während der Fahrt etwas unhandlich auf den Knien, hier würde es mir besser gefallen, das Roadbook würde wirklich nur die Aufgaben enthalten und der „Fahrerbrief“, hier das „Fahrerbuch“ wäre ein gesondertes Dokument. Ok, Jammern auf hohem Niveau.

Welchen Aufwand der Veranstalter betrieben hat, sieht man auch an Details. So waren in der Starterliste die Bilder der Fahrzeuge eingefügt. Wir hatten aber gar keine Bilder eingeschickt. Also hat das jemand im Internet recherchiert und die passenden Bilder gesucht, gespeichert und zugeordnet. Perfektionismus, aber aus meiner Sicht ohne echten Mehrwert?! Mein Audi ist auch rot, nicht silbern 🙂

Gut gefallen hat mir jedoch die Ergänzung um Hinweis auf touristische Highlights der Heide inkl. Bildern. Das hat das „Heidefeeling“ gut unterstützt. Gerne beibehalten.

Note: 1-

Aufgabenstellung

Meine Bewertung bezieht sich auf die Wertungsgruppe „Sportlich-Kombi“. 

Hier gab es zum einen das Chinesen-Roadbook, darin 5 Orientierungsetappen. Dann gesondert weitere 5 schwere Ori-Sonderaufgaben (eine davon entfiel wegen einer Baustelle). Die Regeln waren klar und eindeutig und vor allem  nicht so exotisch. Einbahnstraßenprinzip, Kreuzen verboten, Doppellinigkeit, etc. – das kennt man. Dazu gab es noch Chinesenrallyes und eine (machbare) Fischgräte. Der Fahrtleiter hatte einige Stellen retuschiert und Überlappungen eingefügt. Dazu musste man noch den ergänzenden Text in den einzelnen Aufgaben gut lesen. Einmal war z.B. „amerikanisches Abbiegen“ verboten (sonst nicht), oder ein roter Punkt konnte und musste mehrfach angefahren werden.

Sehr anspruchsvoll, mit aber lieber als Aufgabensalat mit „auf die B58 nur rechts auffahren“, „in ungeraden Aufgaben Striche nur teilweise, aber nur bis zum letztes Aufgabenteil“, usw.

Die Überlappungen von der normalen Bordkarte in die jeweilige Sonderbordkarte waren dann noch eine Sache für sich…

… genauso wie die Wendekontrollen – Schnapszahlen 11, 22, 33, 44 – Moment, Wendekontrolle 11 – da war doch was? Tatsächlich, da hing plötzlich auf freier Strecke eine 11. Also wenden und Strecke neu ausarbeiten. Das war sozusagen die Michael-Baurichter-Gedächtnis-Wendekontrolle 🙂

Note: 1+

Wertungsprüfungen

Typisch Norddeutsch sind die Orientierungsaufgaben, die bei den Fahrten in dieser Region dominieren. Bei der Heideblüten Klassik gab es aber dazu auch noch eine ganze Menge Zeit-Wertungsprüfungen, insgesamt sechs Stück mit jeweils mehreren Messungen. Insgesamt kamen so ca. 20-25 Messpunkte zu stande. Respekt.

Um das zu schaffen, hat man hier auf die berühmt-berüchtigten Transponder zurück gegriffen. Da hab ich im Vorfeld schon komische Gedanken bekommen… Transponder, das hatten wir doch schon mal….?! Aber, der Fahrtleiter hat Recht behalten bei der Heideblüten. Die Transponder waren gar kein Problem und haben wunderbar funktioniert. Allerdings gab es auch hier eine perfekte Umsetzung: keine GLP, sondern echte SZP mit mehreren Messungen und jeweils 25 Meter vorher ein gelbes Schild. Die Ergebnisse der Teilnehmer haben gezeigt, (auch) so kann es gut funktionieren. 

Zur positiven Bewertung hat auch beigetragen, dass die Geräte einbaufertig verteilt wurden und man nicht mit einer Bastelanleitung und Batteriekauf konfrontiert wurde.

Die Darstellung der WP im Roadbook war absolut vorbildlich!

Note: 1+

Verpflegung und Ambiente

Oldtimer- und vor allem Orientierungsfahrten schwächeln oftmals in der Disziplin „Ambiente“ – über die Problematik von Autohäusern, Dixieklos, dünnen Suppen und Schulzentren wurde hier schon oftmals berichtet. 

Bei der Heideblüten Klassik kann ich aber auch in dieser Hinsicht eine Bestnote verteilen… Mega-Frühstück, serviertes Mittagessen und am Nachmittag einen tollen Kuchen aus der Kühltheke.

Der Hof Oelkers bot einen sehr angenehmen Rahmen. Auch die Seeterrassen waren prinzipiell schön. Leider war der Service hier grottig und wir bekamen – auch wegen der Zeitproblematik – kein Essen mehr. Dafür gab es aber einen Sekt am Ziel und für jedes Team ein Glas echten Heidehonig (zwei Gläser, gerne auch gegen Aufpreis, wären wünschenswert).

Das Nenngeld war hierfür absolut angemessen. Wir finden: „Das ist spitze!“ 😀

Note: 1

Auswertung und Ergebnisaushang

Die Musterlösungen und -Bordkarten, sowie die Ergebnisse der Zeit-WP wurden im Ziellokal sehr zügig ausgehängt. Bei den Zeiten gab es auch keinerlei Anpassungs- und Änderungsbedarf (wie bei anderen Fahrten zum Teil leider durchaus üblich). Hier hat wohl die Transponderlösung gut geholfen. Aufgrund der Bordkartenproblematik und dem Umstand, dass eine Ori-Etappe komplett gestrichen werden musste, konnte man die Fehler in den Orientierungsaufgaben nicht 1 zu 1 nachvollziehen. Die Auswertung wurde auch abgebrochen, die Fahrt beendet und der Rest auf den Sonntag bzw. Montag vertagt. Positiv kann ich noch hervorheben, dass die Wertung von Ori und WP sehr ausgewogen war. Je Fehlkontrolle 2 Punkte, Max.-Strafe je Messung auch 2 Punkte, das ist sehr ausgeglichen.

Die Ergebnislisten wurden am Sonntag dann gegen 19 Uhr online gestellt und waren transparent gestaltet. Wir hatten 0 Fehler im normalen Bordbuch, 2 Fehlerpunkte in den Sonderori-Etappen und das zweitbeste Ergebnis bei den SZP. Damit reichte es trotz der Zeitproblematik (12 Strafpunkte) mit recht deutlichem Abstand für den Gesamtsieg! 😀

Note: 2

Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung

Siehe oben, eine Siegerehrung konnte nicht mehr stattfinden. Die ausgestellten Pokale waren aber auch mal wieder was besonderes. Es gab noch Sonderpreise mit humorvollem Einschlag, z.B. für den Frühstarter (das waren wir…). Auch das eine schöne Idee, die zum hervorragenden Gesamteindruck beigetragen hat.

Note: ./.

Anmerkungen und Besonderheiten

Wir sind am Vorabend angereist und haben im Hotel Hollenstedter Hof übernachtet. Auch das war eine positive Überraschung. Superschöner Altbau, saniert und mit anspruchsvollem italienischem Restaurant versehen. Den Kaffee am Morgen gab es aufs Haus. Man vergleiche mal mit unseren Erfahrungen bei den Bergischen Depressionen… 🙂

./.

FAZIT

Diese noch recht junge Veranstaltung konnte bei unserer ersten Teilnahme voll überzeugen: Wunderbare Strecke, hervorragender Aufgabenmix, tolles Ambiente. Der Veranstalter gibt sich unendlich viel Mühe – mehr kann man nicht erwarten. Kleinere Kinderkrankheiten kann man sicherlich noch ablegen, aber ansonsten eine fast perfekte Fahrt. Neben „Eschweiler“ wohl die beste Veranstaltung, an der wir in 2025 bisher teilgenommen haben. Wir kommen gerne wieder in die Heide!
Auch, da wir jetzt einen Gesamtsieg zu verteidigen haben 🙂

Gesamtnote: 1

IMPRESSIONEN

AUFGABEN

Eher unkonventionelle Gestaltung der Bordkarte, aber auch hier sehr durchdacht. Man beachte auch das System der roten und blauen Punkte 🙂 Überall Perfektion auch im Detail.

Bei den gesonderten Orientierungsetappen der sportlichen Klasse musste man höchst konzentriert lesen und fahren. Und vor allem immer wieder die kürzeste Strecke nachmessen. Unten auf dem Aufgabenblatt war dann die Ergänzungsbordkarte platziert. War vielleicht gut gedacht, führte aber eher zur Verwirrung, nicht nur bei den Teilnehmern.