15 Jahre wurde die Hasten Historic „Rund um das Werkzeugmuseum“ von Jörg Stursberg geleitet. 2019 hat er dann entschieden, dass es auch mal genug ist und die Verantwortung in andere Hände übergeben. Somit hat das Team der Aurigia Historic für 2020 die Veranstaltungsleitung übernommen. Wie man in einem Beitrag des rs1.tv sehen konnten, soll sich am bewährten Konzept nicht viel ändern. Naja, ein „paar Neuerungen“ sollen es schon sein…

Neu ist 2020 das Corona-Zeitalter, welches auch die HH mit ursprünglichem Termin am 27.06. erwischt hat. Der neue Termin war der 26.09., der aber auch nicht gehalten werden konnte. Nun sollte die Fahrt am 01.11. stattfinden. Das klang dann weniger nach Oldtimer-Rallye, sondern mehr nach Winter-Ori. Zudem wurde offenbar nicht beachtet, dass viele Teilnehmer mit Saisonkennzeichen unterwegs sind, die i.d.R. spätestens Ende Oktober enden. Also noch mal ein neuer Termin, der 24.10. sollte es jetzt sein.

Die Vorab-Informationen waren zunächst sparsam. Start bei C.A. Picard ab 10 Uhr, Mittagspause gegen 13 Uhr und Zieleinlauf in Remscheid-Lennep ab ca. 16:15 Uhr. Trotz „Corona“ ist dann eine Siegerehrung ab 19 Uhr am Zielbogen „sitzend im Fahrzeug“ geplant. Hier setzt sich der Veranstalter schon ziemlich unter eigenen Zeitdruck, da die Auswertung bis dahin stehen muss. Andere kontaktlose Fahrten haben evtl. Pokale ja per Post zugeschickt. Eine gewisse Wartezeit wäre also bei der HH dieses Jahr einzuplanen.

Die Ausschreibung gab nicht viel zur Aufgabenstellung preis: Es gibt wieder eine „touristische“ und eine „tourensportliche“ Wertungsklasse. Während bei den Touristen offenbar mit „Spielchen“ zu rechnen ist (Abstandfahren, Bilder suchen, komische Fragen beantworten, etc. – nichts für uns), wird für die TS-Klasse als Mindestausrüstung empfohlen: Tacho mit 100 m-Rolle, Lupe, Stoppuhr und eine Funkuhr. Aha, Lupe. Also kann man wieder von frickeligen Ori-Aufgaben ausgehen. Dafür ist die Hasten Historic ja unter Herrn Stursberg berühmt-berüchtigt gewesen.

Nachdem die Internetseite der HH lange Zeit sehr „schlank“ befüllt war, gab es dann für die Teilnehmer kurz vor dem Termin das volle Info-Paket.
Dazu zählt derzeit auch ein sog. „Hygienekonzept“, welches in Remscheid einen besonders strengen Eindruck machte. U.a. sollte auch an DKs im Auto „Maske“ getragen werden und bei der Mittagspause war Aussteigen untersagt (auf die „Mittagspause“ kommen wir später noch zurück…)

Unsere Startzeit war 10.15 Uhr, daher Anfahrt zum Startbereich bei C.A. Picard um 09.30 Uhr zulässig. Im Gegensatz zu „früher“ war hier nur das Aufrödeln des Fahrzeuges erlaubt, ein Frühstück etc. gab es nicht. Dafür eine technische Kontrolle, die beim AvD immer besonders streng und mürrisch ausfällt. Warum auch immer. In der Beifahrertasche befand sich auch der Fahrerbrief, den man dann schon mal studieren konnte (und besser auch sollte!). Die Regeln zur Klasse TS hatten es in sich und waren erkennbar aus dem Ori-Sport entnommen, z.B. „Striche dürfen nach dem geforderten Befahren nicht mehr in voller Länge gefahren werden, ein teilweises Fahren ist erlaubt“ oder „Kontrollen, die an oder in unmittelbarer Nähe zu StVO-Schildern, die das Befahren dieser Straße aufgrund dieses Schildes gem. StVO verbieten, hängen, sind dann zu notieren, wenn die Idealstrecke zu diesem Zeitpunkt in diese Straße hineinführen würde und nur durch dieses Schild verboten ist. Die ursprüngliche Fahrtrichtung vorm abbiegen ist beizubehalten“ – Wer sowas nicht schon einmal erfahren hat, muss über eine solche Regel ggf. auch mal länger nachdenken, was nun gemeint ist. Unter dem alten Fahrtleiter gab es eigentlich kaum Regeln, so dass hier schon der Eindruck eines erhöhten Anspruchsniveaus aufkam. Zusätzlich wurde noch aufgeführt, dass mit geheimen Sollzeit-Prüfungen auf der Strecke gerechnet werden muss. Dann steht irgendwo ein blaues Schild und ab dort gilt dann „fahren Sie 1.500 m mit einem Schnitt von 40 km/h“. Nun, das kann man vorab in eine Sollzeit umrechnen und den RTCH schon mal damit füttern…

Punkt 10.15 Uhr ging es dann an den Start, wo wir unser Roadbook bekamen. Interessant: es gab nur eine Gesamt-Organisationszeit von 6 Stunden, aber keine Abschnitte. Also auch keine Zeitvorgabe für die Zeit bis zur „Mittagspause“. Ran an den Strassenrand und die ersten Aufgaben studiert. Mhm, ein sehr professionelles Roadbook, andere Karten als in den Vorjahren. Auf den ersten Blick besser lesbar, aber (ähnlich wie in Bochum) mit Rotstich. Leider waren auch hier wieder öffentliche Gebäude als „rote Punkte“ erkennbar, was zur Verwirrung beitrug. Ansonsten passten die Kartenaufgaben nach erstem Eindruck nicht ganz zu der anspruchsvollen Aufgabenstellung. Na dann mal los.

Die ersten KM ging es noch nach Chinese. Dann immer mehr nach Karte und in Bergisch-Born in einem der bekannten Gewerbegebiete die erste SZP:
in 28 Sekunden um das Gebäude herum. Direkt am Start dann der Hinweis: Änderung der Sollzeit auf 38 Sekunden! Sowas kennt man z.B. von der Köln Historic, aber ich frage mich, ob das wirklich sein muss, die Teilnehmer mit solchen „Spielchen“ direkt vor der Prüfung zu verunsichern. So ein Rallye Timer muss dann nämlich noch mal flugs unter Zeitdruck neu gestellt werden. Eine riesen Fehlerquelle. Dann weiter nach Karte und in den Ort „Dhünn“, der aus 2018 noch als Kamelstandort bekannt war. Auch dieses Mal galt es hier aufzupassen. Die DK stand in einer Parkbucht vor dem Haus, welches man aber auch umfahren konnte. Ob die Karte hier wirklich ein-eindeutig war, lassen wir mal dahin gestellt. Jedenfalls haben wir das Wüstentier nicht kassiert, aber viele Teilnehmer sind wohl in diese Falle getappt. Manche sind sogar „hinten rum“ gefahren und haben sich dann vorne doch noch den Stempel geholt.. Oje.

In Dhün selber kam dann die Regel mit den StVO-Schildern zum Einsatz und „Kürzeste Strecke“. Hier kam ein komisches Gefühl auf, da man wenden musste, aber es überhaupt keine Kontrollen dort gab. Im weiteren Verlauf wuchs die Erkenntnis, dass man die Karten wirklich genau lesen musste, also durchgehend mit Lupe gefahren.

98 km waren es bis zum Ende der ersten Etappe, je weiter man in den Süden kam, so weniger passierte (?). Man konnte, zumindest als Fahrer, die wirklich bergigen Strecken geniessen, die sehr gut ausgewählt waren. Auch fielen wie in den Vorjahren die lustigen und z.T. auch bizarren Ortsnamen auf, die in dieser Region vorkommen: Sülze inkl. Ober- und Untersülze, Abstoß, Anschlag, Niedergaul (viele Pferde gibt es hier wirklich), Müllersommer, Enkeln, Fähnrichstüttem. Sehr exotsch und Kamele passen da natülich pefekt.

Nach fast genau 3 Stunden erreichten wir innerhalb der Aufgabe 37 die sog. „Mittagspause“. Etwas irritirend hier, dass die Pause innerhalb der Durch-nummerierten Fahraufträge einzulegen war. Also FA 1 + 2, dann Pause 30 Min., dann FA 4+5. Ungewöhnlich und man überlegte doch, ob nicht die FA 1-5 zuerst zu fahren wären, vor der Pause. Das scheiterte aber erkennbar am Kartenrand.

Ich bin schon gebeten worden, nicht „immer so viel“ zum Essen zu schreiben, denn es würde ja „ums Fahren“ gehen. Das ist soweit richtig. Aber hier muss ich doch mal auf die Verpflegung bei der HH 2020 eingehen. Morgens beim Start gab es ja GAR NICHTS. Also kein Lunchpaket, wie bei den anderen kontaktlosen Rallyes in diesem Corona-Jahr. Kein Kaffee, null, niente, nada. Ok. Mittags wurde einem dann in einem Gewerbegebiet am Straßenrand ein „Lunchpaket“ ins Auto gereicht. dann durfte man sich ein lauschiges Plätzchen im Gewerbegebiet bei ca. 10 Grad suchen und nach 30 Minuten wiederkommen zum Start in die Etappe 2.

Der Ablaufplan war hier wörtlich zu nehmen: „Es werden keine Speisen gereicht. Die Teilnehmer erhalten ein Lunchpaket welches von einer Bäckerei vorbereitet wurde.“ Ich habe nichts gegen Bäckereien und auch nichts gegen belegte Brötchen. Aber in der Tat, „Speisen“ waren das nicht. EIN Brötchen pro Person, 1 Stück Trockenkuchen, 1 harter Apfel, 1 Müsliriegel und 1 Flasche Wasser (ohne Geschmack… brr…). Das wäre mal ein passables Frühstück gewesen, aber als Alleinverpflegung über 190 km und mindestens 6-7 Stunden? Nee, auch das Nenngeld von 105 EUR passt dann nicht.

Nach dem Re-Start in die Etappe 2 hatten wir für die restlichen 94 km noch ca. 2,5 Stunden Zeit. Also ein 38er Schnitt, der jedoch kaum zu schaffen war. Denn jetzt ging es durchgängig weiter über kleine und kleinste, geschwungene und gewundene Strassen. Holterdiepolter und der Magen des Beifahrers wurde auf eine harte Probe gestellt. Der Fahrer hatte aber ein Dauergrinsen im Gesicht, denn zum Fahren war die Strecke wirklich einmalig. Wieder passierte nicht viel… Seite um Seite, Karte um Karte. Es gab jedoch 2 Zuschauervorstellungen, allerdings ohne viele Zuschauer, was auch am kalten Wetter gelegen haben mag. Komisch, wie Zuschauerpunkte zu einer kontaktlosen Rallye passen, wo die Teilnehmer Mittags in ihren Autos frieren ?!

Bei der Zuschauerprüfung nach der Mittagspause rätselten wir auch noch länger über die Bedeutung der Hinweise „IN“ und „OUT“ an zwei Karten. Rein raus? … in welcher Reihenfolge? Wenn man überall eine Falle vermutet, dann können auch offenbar gut gemeinte Hinweise für Diskussionen sorgen.

Den letzten Höhepunkt vor dem Ziel in Lennep erreichten wir widerum im Gewerbegebiet Bergisch-Born. Wieder ging es um das Firmengelände, dieses Mal aber mit vier Lichtschranken-Messungen! Eine tolle Prüfung, die aber ein Teil der Teilnehmer nicht ganz verstanden hat. Wir konnten beobachten, wie offenbar die vorgesehene Ausfahrt -trotz Markierung- nicht erkannt wurde und dann kam es zu „Rückwärtsfahren-Aktionen“ innerhalb der Wertungsstrecke mit nachfolgenden Fahrzeuge oder zu Gegenverkehr im Startbereich. Ggf. hätten hier mündliche HInweise der Streckenposten für weniger erfahrene Teams geholfen.

Angekommen in Lennep ging es dann nicht direkt auf den alten Markt zum Zielbogen, sondern erst noch einmal zur Grillador Erlebniswelt. Dies war keine Dönerbude, sondern ein Einkaufsparadies für die Grillfreunde dieser Welt. Über was Frisches vom Grill hätten wir uns auch gefreut (siehe weiter oben unter „Mittagspause“) aber Weiswein und Bier gehen auch ok. Leider hatten wir jetzt schon deutlich die Karenzzeit betreten und beim Eintreffen im Ziel um ca. 15 Minuten überschritten. Für eine kontaktlose Veranstaltung war am Ziel relativ viel los, inkl. Zielflagge und Fotografen. Das war nett gemacht.

Für die Zeit danach hatten wir bereits einen Tisch im „Kölner Hof“ reserviert, wie vom Veranstalter vorgeschlagen. Man konnte dort auch 10-EUR-Gutscheine zum Essen einlösen, die wir am Ziel bekommen hatten. Das Essen und die Atmosphäre im Kölner Hof waren sehr gut. Hunger war ja auch ausreichend vorhanden. Die Ergebnisse wurden im Internet veröffentlicht. Da gab es dann doch noch große Augen bzw. lange Gesichter. Ganz so „einfach“ oder „flüssig“ zu fahren, war dann wohl insb. die Etappe 2 nicht gewesen. Mit 70 Fehlern auf Platz 10, das konnte nicht begeistern. Kamele hatten wir keine bekommen, darauf waren wir ganz stolz. Aber offenbar genug andere Fehler gemacht. Auch der Sieger in der TS Klasse, ein absoluter Ori-Profi, hatte sich noch 3 Fehler eingefangen. Was noch aufgefallen ist: auch im Nachhinein passten die Regeln im Fahrerbrief nicht ganz zur Aufgabenstellung. Einige Vorschriften (Linien nur einmal) kamen gar nicht zur Anwendung. Andere (STvO-Schilder) genau einmal. Kann man so machen, ist aber eher ungewöhnlich. Wir warten jedenfalls mal auf die Musterlösungen, die es hoffentlich bald gibt.

Fazit: Sehr gut organisierte „Kontaktlos“-Veranstaltung, erkennbar waren hier Profis am Werk. Die Streckenführung war wunderschön, mit 190 KM jedoch etwas zu lang. Zeitprüfungen sehr gut gemacht, bei den Ori-Aufgaben geht es m.E. besser. Kamele wieder einzigartig platziert, unbedingt beibehalten. Das Nenngeld war für das Gebotene am oberen Limit, auch wenn man 20 EUR für die Gutscheine abzieht.

Bilder bei Dr. No, dem Herrscher der Kamele.