VERANSTALTUNG

Niederrhein Classic, Berghotel Hohe Mark

NOSW e.V.

23.08.2026

Foto wieder mit so einer hässlichen Ölmatte, die hier Pflicht ist.

TEAM

H.G. Sonnendecker / Frank Schäfer

auf

BMW 528i (E28)

Same procedure as every year. Wenn man meinen Bericht aus 2025 liest, kann man davon sehr viel auf die aktuelle Fahrt in 2026 übertragen. Bis hin zur 2,40 Meter Abstandsprüfung, der Currywurst und dem Schnitzel am Abend wurde vom Veranstalter vieles 1:1 übernommen. Neu waren die vielen Teilnehmer, auch von weiter weg. Das liegt natürlich daran, dass die Niederrhein Classic des NOSW bereits zum zweiten Mal für den ADAC-Oldtimer Cup NRW gewertet wurde. Besonderheit: hier gibt es sage und schreibe fünf Wertungsklassen: OA, AT, TS/A, TS/B und SP. Das Nennergebnis konnte sich sehen lassen: 67 Wanderer und Touristen, jeweils 12 Tourensportler und Sportler.

Das Wetter war zunächst eher herbstlich mit etwas Regen, wurde dann aber immer besser. Schön zum fahren, das lockte aber auch Unmengen an Hundeführern und e-Rad-Fahrer in die Natur.

TEILNEHMER-BERICHT

Organisation (vor und während der Veranstaltung)

Die Organisation verlief insgesamt sehr reibungslos. Umständehalber musste wir direkt zweimal das Fahrzeug umnennen, das war sehr unbürokratisch möglich, selbst noch am Morgen der Veranstaltung. Im Vorfeld der Fahrt wurde man in schöner Regelmäßgkeit mit Emails des Veranstalters versorgt, oft mit eher geringem Erkenntnisgewinn. Management per Email? Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Dann gab es noch einen WhatsApp-Kanal, der aus meiner Sicht aber keinen erkennbaren Mehrwert brachte (?).

Während der Fahrt hat auch alles funktioniert: Reibungsloser Start, in der ersten Etappe viele besetzte DK an neuralgischen Stellen, freundliche und entspannte Helfer.

Ein wenig schrullig geht es hier zum Teil schon zu. 10 Minuten vor dem Start muss man sich im Helferzelt einen Stempel abholen („Vorstart“), bekommt die Aufgaben aber erst direkt am Start. Die DK 1 an der Mittagspause war nicht ausgeschildert („Ich will eure Bordkarte haben!“), was dort etwas zur Verwirrung führte. Und warum 20 Meter vor dem Ziel noch eine DK steht, erschließt sich mir auch nicht. Am Ende auch eher egal, die Veranstalter hier haben viel Routine, das merkt man.

Note: 2+

Strecke

Die Streckenführung in der Hohen Mark bietet viele landschaftliche Höhepunkte. Dieses Jahr war der Radius nicht ganz so groß – daraus hat der Fahrtleiter alles rausgeholt. Mein Eindruck: etwas mehr Gewerbegebiete und Ortsdurchfahrten als bisher, vor allem sehr viele Kreisverkehre (die man aufschreiben musste: KV).

Im Fahrerbrief stand was von 88 plus 69 Kilometer Strecke für die beiden Abschnitte 1 und 2. Das passte überhaupt nicht. Am Ende standen deutlich über 200 KM auf der Uhr. Ein Zeitproblem hatte man damit aufgrund der sehr großzügigen Vorgaben zwar nicht. Aber nach dem vierzehnten Gekreisel wurde man doch etwas müde. Weniger wäre m.E. mehr gewesen.

Die Straßenzustände waren zum Teil erschreckend schlecht, eher so eine Art Stoßdämpfer-Teststrecke. Und die Straßen waren dicht bevölkert: Überall Hunde, Fahrradfahren in Massen, Traktoren, Pferdekutschen. Richtig flüssig fahren konnte man nicht, was aber irgendwie auch zum Ori-Charakter passt.

Links: die aufgezeichnete Streckenführung bei OsmAnd Maps: Schön zu erkennen: die vielen Schleifen. Wie ein Spinnennetz. Ja, darin konnte man sich auch verfangen…
Rechts: Übersichtskarte des Veranstalters. Sinn? Verbuche ich mal unter Ori-Folklore.

Note: 2+

Roadbook und weitere Unterlagen

Die Fahrtunterlagen habe ich im letzten Jahr noch kritisiert.

Auch in diesem Jahr gab es kein Roadbook im klassische Sinn, sondern für E1 und E2 jeweils einzelne geheftete Seiten. Aber – in der Qualität deutlich verbessert! Sehr scharfer Druck auf so einer Art Fotopapier mit „Glossy“-Oberfläche. Sehr schick irgendwie und hochwertig. Hat mir sehr gut gefallen.

Wie bisher: Fahrtaufträge in schwarz, einige Chinesen, alle Aufgaben durcheinander nummeriert und gedreht. Die Regeln im Fahrerbrief im Grunde eindeutig (lesen hilft), jedoch auch sehr klein und ohne Struktur im Fließtext runtergeschrieben.

Note: 1

Aufgabenstellung

Bei der, sehr launigen und unterhaltsamen, Fahrerbesprechung wurde es schon klar gesagt: Hier geht es um Orientierungsaufgaben „wie vor 30 Jahren bei der NordOM“. Wie schön, dass wir damals alle schon dabei waren.

Laut Fahrtleiter alles sehr sauber, ohne Barrikaden, Grenzannäherungen, Halbpfeile, etc. Nur: Punkte, Striche, Pfeile (in schwarz.) Allerdings diverse Regeln im Fahrerbrief, die natürlich dem Ori-Sport entsprechen: kein Einbahnstraßenprinzip (das war 2025 noch anders), Kreuzen erlaubt, auf Bundesstraßen nur rechts auffahren. Und vor allem: Alle Pfeile immer nur komplett fahren! Immer! Auch beim evtl. Vor- oder Nachholen. Dazu: das Befahren von Kreisverkehren mit „KV“ notieren. Bundesstraßen auch, Sackgassen auch (letzteres kam nicht vor). Und noch was: nach einem Punkt immer 200 Meter weiter geradeaus fahren, dann erst zum nächsten Aufgabenteil (welches dann ein anderes als gedacht sein konnte).

Mit diesen Regeln und knapp geschnittenen Kartenausschnitten (die Übergänge waren zum Teil schwer zu finden) wurden dann ca. 200 km Ori-Strecke auf extrem hohem Niveau gebastelt. Man musste wirklich fast die ganze Zeit sehr wachsam und hoch konzentriert sein.

Bis kurz vor der Mittagspause hatte ich noch ein ganz gutes Gefühl. Aber dann und vor allem auf der Etappe 2 wurde es zunehmend zäher. Jetzt kam man eigentlich dauernd durch bereits befahrene Gebiete und musste höllisch auf die Pfeile von vorher achten. Auch die Regel mit den „Punkten plus 200 Meter“ ist eigentlich verständlich, führte aber aufgrund fehlender Anhaltspunkte in der Natur sowie wechselnder Maßstäbe immer wieder fast zur Verzweiflung. 170 Meter – war das jetzt wirklich so gemeint, diese große Schleife zu fahren? Ja, war es.

Neben den Orientierungsaufgaben gab es keine weiteren Aufgabentypen. Insbesondere gab es keine Abschnitte mit Zeitkontrollen. Es galt nur die Organisationszeit von 300 Minuten inkl. ca. 20 Minuten Mittagspause. Dazu noch 120 Minuten Karenz mit 0,10 Strafpunkten je Minute. Also sehr großzügig. Weitere 30 Minuten Zeitüberschreitung wurden mit maximal 30 Punkten betraft. Im Prinzip hatte man so volle 7 Stunden Zeit inkl. der kurzen Pause. Die war wie immer am Opelautohaus mit handgeschnittener Currywurst und viel Soße in der Pappschale. Lecker und angemessen, war ja auch nur als „Snack“ angekündigt. Lange Pause hat hier sowieso niemand gemacht. Schnell wieder aufsitzen und Etappe 2 in Angriff nehmen.

Wir haben am Ende ca. 50 Minuten der Karenz in Anspruch genommen, was ok ist. Innerhalb der 300 Minuten war das überhaupt nicht zu schaffen (auch wohl nicht beabsichtigt). Zeitnot kam eigentlich nicht auf – am Ende hat aber dann doch die Karenz in der Klasse SP 33 über die Plätze 3, 4, 5 entschieden.

Der Fahrtleiter betont hier immer wieder, dass die Baumaffen gut sichtbar und keinesfalls versteckt aufgehängt werden. Nunja. Sie hängen immer sehr hoch an Masten oder auch mal an Bäumen, gerne und oft auch links. Je näher man dran ist, desto schlechter kann man sie erkennen, da sie einfach nicht im normalen Blickfeld des Fahrers auftauchen. Wir waren aus den Vorjahren gewarnt und haben trotzdem wieder einzelne OK-Schilder übersehen. Diese Art der OK-Platzierung gehört hier zum Lokalkolorit.

Obwohl die Aufgaben somit insgesamt dem Vorjahr sehr geähnelt haben (neu war insb. das fehlende Einbahnstraßensystem), war die schiere Menge und Dichte der Aufgaben in der Klasse SP eine große Herausforderung. Man freute sich, Fallen und Tricks gefunden zu haben, dann hatte man am Ende aber doch vieles wieder übersehen oder anders interpretiert.

Man fährt hier in SP auf einen sehr hohen Anspruchsniveau der Ori-Szene im Rheinland. Das unterscheidet sich erkennbar deutlich von typischen Aufgaben in (Ost-)Westfalen. Ich denke, selbst die Klasse TS bei der NOSW ist noch anspruchsvoller als die Masse der sportlichen Aufgaben in (O)WL. Das wird im Rahmen der Ausschreibung auch klipp und klar so beschrieben. Im Rahmen des ADAC-Oldtimer Cup NRW aber nicht unproblematisch.

Umso bemerkenswerter, dass 2026 ein Team aus OWL mit sagenhaften 20 Fehlerpunkten den Gesamtsieg geholt hat. Wahnsinn.

Note: 2

Wertungsprüfungen

Bei der NOSW Niederrhein Classic handelt es sich um eine reine Orientierungsfahrt. Daher gab es null ZK und auch null GLP oder SZP. Dafür, auch für die Sportler, eine Abstandsprüfung. „fahren Sie exakt 2,40 Meter an die Latte ran“.

Note: ./.

Verpflegung und Ambiente

Start und Ziel waren im Berghotel Hohe Mark, die Mittagspause in einem Opel Autohaus (wie eigentlich schon seit immer)- business as usual.

Das Frühstücksbuffet fand ich sehr ok, der Mittagssnack ging in Ordnung, abends war die Verpflegung ok. M.E. hat das Berghotel schon mal bessere Zeiten gesehen, latent ist man hier eher semi-professionell unterwegs. Der aufgestellte Bierwagen war sehr passend, Wein gab es auch. Das Ambiente im Zelt wieder eher rustikal. Hinter dem Buffet war es schröddelig mit Müll und Gerümpel.

Insgesamt aber ein schönes Flair, eher an einer klassischen Oldtimerveranstaltung ausgerichtet, als an einer typischen Ori. Vielleicht würde eine Abwechslung (anderes Start-/Ziel-Lokal) mal für etwas „Frische“ sorgen.

Note: 3

Auswertung und Ergebnisaushang

Musterbordkarten und (handgeschriebene) Musterlösungen wurden sehr schnell aufgehängt. Der Fahrtleiter war auch für Fragen etc. ansprechbar. Allerdings waren die Lösungen eher schwer lesbar/interpretierbar. Mit geschätzten ca. 10 Fehlern haben wir die Detaildiskussion nicht aufgenommen. Im Prinzip ging es ja auch um nichts mehr (im Cup).

Wie im Vorjahr wurden die Aushänge im Zelt an den Seitenwänden direkt über den Köpfen der dort sitzenden Teilnehmer platziert. Das könnte man immer noch besser lösen.

Die Ergebnislisten waren vergleichsweise zügig fertig und wurden auch im WhatsApp-Kanal veröffentlicht. Die Musterlösungen leider nicht.

Insgesamt alles soweit passend und Lichtjahre von den diversen Auswertungskatastrophen entfernt.

Note: 2

Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung

Zum Zeitpunkt der Siegerehrung hatte sich das Zelt schon erkennbar geleert, was der guten Stimmung aber nicht geschadet hat. Wie die Fahrerbesprechung war auch der Abschluss der Fahrt launig und erkennbar humorvoll gestaltet. Dass Dirk Kamps dieses Jahr als Favorit total abgeloost hat – null Fehler in Etappe 1, aber unfassbar viele Fehler (4 an der Zahl) in der Etappe 2 – das weiß jetzt wirklich jeder 🙂

Die Pokale waren üblich-normal.

Im Nachgang hat der Fahrtleiter die Ergebnislisten, die Musterbordkarte SP sowie die Musterlösungen SP per Email als PDF an alle Teilnehmer verschickt. So sollte man seine Fehler nachvollziehen können. Das ist soweit vorbildlich, leider erschwert die Art und Weise der Darstellung das Nachvollziehen erheblich: in der Lösung sind die Kontrollen nur mit laufender Nummer eingetragen, nicht jedoch die Kontrolle selber. Da muss man also auch im Nachhinein mit ziemlichem Zeitaufwand tüfteln, um die Wertung nachvollziehen zu können. Wie ich das sehe, haben wir uns vor allem bei der Pfeile-Regel, sowie der Punkt+200m-Regel ein paar Mal vertan, was dann zum Teil mehrere Fehlkontrollen nach sich zog.

Note: 2

Anmerkungen und Besonderheiten

Nach der für uns überraschend guten Platzierung im Vorjahr (Platz 3 in der Klasse und Gesamt, da nur 7 Sportler dabei waren, allerdings mit ca. 140 Strafpunkten) hätten wir in diesem Jahr doch mit einem etwas besseren Ergebnis gerechnet. Allerdings war die Konkurrenz auch größer.

Insgesamt waren es weniger die Aufgaben „an sich“, sondern eher die Dichte der Aufgaben, die uns insb. in der zweiten Etappe kurz vor dem Hirntod stehen ließ. Eine Strecke von sagen wir ca. 150 km wäre wohl ausreichend. Und dauerhaft wäre die Klasse TS ggf. angenehmer zu fahren. SP richtet sich nun mal explizit an die Profis im Orientierungssport. Insofern stellt sich mir eher die Frage, ob/wie NOSW – ähnlich wie die anderen Läufe in ADAC Gau Nordrhein – in den Oldtimer Cup NRW rein passt. Ggf. könnte man über Wertungsfaktoren nachdenken.

./.

FAZIT

Der NOSW bietet mit der Niederrhein Classic eine waschechte Orientierungsfahrt der gehobenen Variante im Körper einer Oldtimerveranstaltung. Diese Fahrt hat ihren ganz eigenen Charakter und durchaus einiges an Flair zu bieten. Dazu zählt auch die teilnehmerorientierte Kommunikation und die durchgehend gute Stimmung. Regeln, Fahrtunterlagen, Platzierung der Kontrollschilder, etc. sind ebenfalls „besonders“ – aber immer mit erkennbarem Aufwand und Liebe zum Detail gestaltet. Für eine Orientierungsfahrt top, gerade was das Ambiente angeht. Im Kontext „normaler“ Oldtimerveranstaltungen eher Geschmackssache, was die Aufgabenstellungen betrifft. D.h. man muss sich fragen, ob man sich das antun will. Ich sag mal so: man lernt sicherlich immer noch dazu 🙂

Gesamtnote: 2

IMPRESSIONEN

AUFGABEN


Verdächtig einfache Strecke beim Gewerbegebiet in Ramsdorf in Aufgaben 18/19: Klar, hier kam man dann später in Aufgaben 26/27 wieder vorbei und musste dann höllisch aufpassen, wo die vorher gegangenen Pfeile lagen. Immer komplett fahren. Und: Gegenläufigkeit ist erlaubt.

Bis hier fand ich das noch gut gemacht.


Falle mit Pfeilen – Vormittagsetappe (Aufgabe 9) und dann nachmittags in Aufgabe 24 (und nachfolgend 25).

In Aufgabe 9 wurde mit den Pfeilen A und E die Spur gelegt. In Aufgabe 24 (komplett anderer Maßstab und Ausschnitt) kam man hier wieder vorbei und musste die Pfeile aus Nr. 9 wieder komplett so fahren. Also, zwei relativ große Schleifen fahren, dabei auch gegenläufig fahren.

Wirklich gut gemacht. Aber auch sau-schwer. Vor allem, wenn das ca. 200 km dauerhaft so geht.

Aufgabe 12: Was ist das? Am letzten Pfeil noch ein kleiner Strich. Das „E“ erkennbar am kleinen Strich platziert. Was will der Fahrtleiter einem damit sagen? Laut Fahrerbesprechung gibt es nur Punkte, Pfeile, Striche. Und das hier, was ist das für eine Mutation?

Beim Größerziehenwiekeinandereskann wurde es nicht wirklich klarer. Ging der kleine Strich jetzt nach oben über die Pfeilspitze hinaus? Möglich, wäre aber nicht lösbar gewesen. Wir haben es als eine Art von Pfeil-Strich-Wurm mit Überlappung interpretiert. Ätsch. Nein. Das sollte ein normaler Pfeil mit abgeknickter Spitze sein. Nun ja. Das war die einzige Stelle, wo nachher eine Kontrolle neutralisiert wurde. Leider konnten wir davon nicht profitieren, da nochmal anders interpretiert.

Wieder zuhause …