
VERANSTALTUNG
22. ADAC Oldtimer-Rallye „Rund um Oelde“, Oelde
AC Oelde e.V.
20.06.2026


TEAM
H.G. Sonnendecker / Frank Schäfer
auf
Volvo P121 Amazon (Das ist kein Buckelvolvo! 🙂 )
Ausschreibung in den Wertungsgruppen nach aktuellem ADAC-Reglement: Sport, Tourensport und Touristik (neu in Oelde).
Bemerkenswert ist das Nennergebnis bei insgesamt 98 Teilnehmern:
* Sportliche Wertung: 13 Teilnehmer
* Tourensportliche Wertung: 73 Teilnehmer
* Touristische Ausfahrt: 12 Teilnehmer
Das ist schon eine sehr ungleiche Verteilung. Warum nun gerade in Oelde vergleichsweise wenige Teilnehmer sich sportlich anmelden, kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht liegt es am regionalen Einzugsbereich? An der Veranstaltung selber kann es jedenfalls nicht liegen. Siehe unten.
Am Tag der Veranstaltung herrschte, wie in den Vortagen, eine extreme Hitze. In der Nacht hatte es zwar gewittert, aber dann hat Petrus den Regler wieder hoch gedreht. Spätestens Mittags klebte man im Fahrzeug und vor allem an den Fahrtunterlagen fest. Sicherlich leidet dann auch die Konzentration. Am Abend im Bürgerhaus hatte die Klimaanlage gut zu tun, bei ca. 200 Teilnehmern mit einer Wärmeleistung von jeweils ca. 300 Watt. Zuerst ging es noch, aber dann wurde es zum Pumakäfig mit interessanten Gerüchen 🙂
TEILNEHMER-BERICHT
Organisation (vor und während der Veranstaltung)
Die Veranstaltung in Oelde zeichnet sich traditionell durch einen hohen Aufwand und Qualitätsanspruch aus, der hier betrieben wird. 2026 bildete keine Ausnahme. Insofern hat im Grunde (fast) alles reibungslos funktioniert. Der AC Oelde ist auf das ADAC Nennportal umgestiegen, dazu schreibe ich weiter unten etwas. Bei den Zeit-WP gab es „kleinere Probleme“ an der WP 1-3 und insbesondere bei der WP 5.
Ansonsten: viele freundliche Helfer, sehr viele DK, an denen auch wieder der Nachwuchs stempeln durfte und eine insgesamt sehr teilnehmerfreundliche Grundhaltung. Das finde ich vorbildlich. Weniger vorbildlich erscheint mir der zeitliche Ablauf: Für mich/uns galt:
–> Aufstehen um 05.30 Uhr, Abfahrt in Münster 06:30 Uhr
* Eintreffen 7:30 Uhr
* Start 09:33 Uhr
* Kaffeepause ca. 13:55 Uhr
* Ziel 16:40 Uhr
* Abendbuffet ca. 18 Uhr
* Siegerehrung ca. 21:15 Uhr
–> Zuhause war ich dann gegen 23 Uhr.
Ein langer Tag, zu lang, nicht nur bei 30 Grad im Schatten. Die Etappe 1 hatte schon ca. 150 KM Länge, die Etappe 2 dann nochmal 60 Kilometer. Das zeigt nicht nur 210 KM Gesamtstrecke, sondern auch die deutlich ungleiche Verteilung der Etappen. Ich würde dafür plädieren, den Start merklich nach hinten zu verlegen, die Strecke einzukürzen und eine echte Mittagspause einzuführen. Kuchen ist schön und gut, aber die Zeit vom Frühstück um 8 Uhr bis zur Kaffeepause gegen 14 Uhr zu lang. Ein etwas kompakteres Format würde „Rund um Oelde“ gut bekommen, ohne das dabei der sicherlich bewährte Grundcharakter leiden müsste.
Note: 2
Strecke
Zur Aufteilung der ca. 210 KM Strecke habe ich oben schon was geschrieben, die Streckenführung war insgesamt wieder sehr gelungen. Es gab zwar (lagebedingt) einige Ortsdurchfahrten und Ampeln, aber überwiegend fuhr man durch schöne, landwirtschaftlich geprägte Natur, kleine Straßen, auch mal Schotter. Es gab viele positiv gestimmte Anwohner und Publikum, was nicht mehr unbedingt selbstverständlich ist. Eher touristischen Charakter hatte die Durchfahrt einer Parkanlage in Oelde mit DK. Hier gab es bei der Einfahrt und der Ausfahrt jeweils eine DK mit einer Fahrzeit dazwischen von 11 Minuten. Das war nett, aber irgendwie auch verzichtbar.

Note: 1-
Roadbook und weitere Unterlagen
Auch der AC Oelde ist auf das ADAC Nennportal umgestiegen. Wobei „umgestiegen“ nicht ganz stimmt. Die Nennung konnte man dort digital erledigen, ansonsten wurden alle Dokumente parallel ausgehängt (Internetseite des Vereins und im ADAC-Portal). Zudem gab es bei dieser Veranstaltung wirklich eine Menge unterschiedlicher Dokumente. Meiner Meinung nach war das etwas zu viel des Guten. Ausschreibung, Nennliste, Roadbook, Durchführungsbestimmungen – mehr sollte es nicht brauchen/geben. Hier könnte der Veranstalter etwas fokussierter vorgehen. Ähnlich wie in Ahaus besteht die Tendenz, die Fahrtunterlagen um allgemeine Hinweise und Aufgabenbeschreibungen zu ergänzen. So wurde die 30/60 Prüfung mit einem gesonderten Hinweisdokument inkl. QR-Code und weiterführender Online-Erläuterung geadelt. Das ist definitiv „Too Much“. Fahrtunterlagen können und sollen keinen Beifahrerlehrgang ersetzen.
Das Roadbook war hochwertig mit Kunststoff-Spiralbindung und scharfem Druck, die Durchführungsbestimmungen „an sich“ knapp und präzise.

Information overload – weniger ist manchmal mehr 🙂
Note: 2
Aufgabenstellung
In der sportliche Wertung bot Rund um Oelde die „bekannte Kost“: 99% Orientierungsaufgabe nach farbigen Kartenskizzen, ergänzt durch einige wenige Chinesen und eine große Fischgräte nach Karte.
Die Aufgabenstellung umfasste klassische Vorgaben, wie Einbahnstraßensystem, Kreuzungsverbot, Fahren nach kürzester Strecke, usw. – keine exotischen Regeln, die nach Hirntod riechen. Auch verzichtet der Fahrtleiter auf Retuschierungen und Fahrtleitermarkierungen auf Fliegenschiss-Größe. So blieben auch einige Ecken unterwegs ungenutzt, der Fokus lag wie in den Vorjahren auf dem Erkennen der kürzesten Strecke sowie von Gegenläufigkeiten über mehrere Aufgaben hinweg. Das war alles sehr präzise und professionell gestaltet, insbesondere die mehrfache Nutzung einzelner Abschnitte und DK (DK 4 viermal!) hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Auf der zweiten Etappe war das Anspruchsniveau für mein Gefühl etwas abgemildert, eher Tourensportlich. Das passt zum Gesamteindruck, dass nach der Kaffeepause nicht mehr ganz so viel passierte.
Insgesamt aber sehr ordentlich und die Ergebnisliste zeigt ja, dass die Aufgaben keineswegs zu einfach waren. In Oelde musste man schon immer große Schleifen fahren und die kürzeste Strecke sehr genau im Blick haben. Messen, messen, messen – das ist hier die Devise.
Bei Aufgabe 12 war die kürzeste Strecke später am Abend sehr umstritten, das hätte deutlicher seih können – und vor allem die Wertung etwas kulanter. Dazu später mehr. Die Fischgräte war in diesem Jahr vergleichsweise „einfacher“, oder aber, wir sind auch besser geworden.
Note: 2+
Wertungsprüfungen
Rund um Oelde umfasste 2026 sieben Sollzeitprüfungen – alle auf abgesperrten Firmengeländen oder Parkplätzen.
Die WP 1-3 waren auf dem legendären WBV Gelände wieder als Rundkurs mit drei Schleifen angelegt. Dieses Mal wurde das Layout jedoch geändert ggü. den Vorjahren: man fuhr im Uhrzeigersinn, der Start lag anders und die Zielmessung erfolgte in gestaffelten Gassen mit unterschiedlichen Entfernungen je Runde. Diese Abwechslung hat uns sehr gut gefallen und es gab wieder dieses spannende Racing-Feeling. Ja, Racing, dann im WBV Rundkurs muss man schon ordentlich kacheln, um die Zeiten zu schaffen. Wie immer ein echtes Highlight. Auch an dieser Stelle wurde enorm viel Aufwand betrieben (u.a. die Kennzeichnung der Ziel-Gassen)- Respekt!
Die anderen WPs konnten sich auch sehen (fahren) lassen. Mal mit, mal ohne gelbes Zielschild. Was uns allerdings etwas irritiert/gestört hat: Vor jeder WP stand eine ZK, ok, das ist die klassische Anordnung. Ob jedoch insgesamt 11 ZK mit entsprechenden Sollzeitvorgaben wirklich nötig sind?! Relevanter war schon, dass am Start der WP nach Lichtschranke jeweils noch eine Funkuhr stand und man ein „Startsignal“ nach voller Minute bekam. Die eigentliche Messung erfolgte natürlich erst ab der Lichtschranke einige wenige Meter dahinter. Diese Anordnung und die Anweisungen der Posten waren jedoch etwas verwirrend, was insbesondere Anfänger aus dem Konzept bringen könnte. Vielleicht auch hier: weniger ist mehr.
Für die 30/60-Prüfung bei der Fa. Holzbau von Kempen wurde extrem viel Aufwand betrieben (inkl. „Zuschauertribüne“ des hier campenden Volvoclub von Deutschland) – leider hat der Aufbau nicht funktioniert: die gelbe/rote Beschilderung fehlte komplett und die Funkuhr lief rückwärts! Sowas habe ich auch noch nicht erlebt. Man sollte dann nach eigener Uhr starten… mhm… und am Ende kam es, wie es kommen musste – diese WP wurde in der Wertung gestrichen…

Note: 2+
Verpflegung und Ambiente
Business as usual, aber im positiven Sinne. Ambiente und Verpflegung sowie Service im Bürgerhaus Oelde konnten voll überzeugen – das ist wirklich gelungene Gastronomie! Die Kuchenpause war zwar in einer Gewerbehalle, was aber auch wieder seinen speziellen Reiz hatte- zum einen war es hier durchaus kühl. Zum anderen konnte man auch an dieser Stelle den Oelder Blick fürs Detail erkennen: gedeckte Tische mit Blümchen, keine Bierzeltgarnituren. Der Kuchen war lecker, mir fehlte jedoch etwas Herzhaftes.
Das Ambiente/die Stimmung an der Strecke war freundlich, locker – gelungen.
Note: 1-
Auswertung und Ergebnisaushang
Wie mir im Nachgang berichtet wurde, arbeitet der AC Oelde mit einem neuen / eigenen / jüngeren Auswertungsteam. Das hat überwiegend funktioniert. Die Musterlösungen hingen sehr früh im Bürgerhaus. Dann folgten die Musterbordkarten. Die Zeiten und die Ergebnislisten folgten später nach. Sehr ungewöhnlich und sehr irritierend war, dass es für die Gruppen T und TS eine einzige Ergebnisliste gab, die dazu noch nach Wertungsergebnis, nicht nach Startnummer, sortiert war. Der Sinn hat sich mir nicht erschlossen. Bei der WP 1 gab es zunächst unplausibel hohe Zeitabweichungen, die vor dem Aushang dem Auswerteteam durchaus hätten auffallen müssen. Es stellte sich heraus, dass die Zeit der Funkuhr, nicht der Lichtschranke eingetragen wurde. Das konnte korrigiert werden. WP 5 wurde, siehe oben, neutralisiert. Bei den Orientierungsaufgaben blieben (zumindest in der Gruppe S) ausgeprägte Diskussionen, Gefeilsche und Neutralisierungsorgien zum Glück aus.
Mit einer Ausnahme: bei Aufgabe 12 wehte ein Hauch von „Düren“ durch Oelde. Kürzeste Strecke war mal wieder gefragt. Wir sind an dieser Stelle so gefahren, wie vom Fahrtleiter gewollt und in der Musterlösung -zunächst- auch ausgewiesen. Nachdem ein Team eine -tatsächlich, oder vermeintlich – kürzere Lösung gefunden hat (der Klassiker schlechthin), wurde die Lösung umgewandelt. K war jetzt nicht mehr korrekt, sondern falsch.
Es folgt mein bekanntes Mantra: Wenn ich so fahre, wie der Fahrtleiter es gewollt hat, dann darf ich dafür nicht bestraft werden. Es kann nicht die Aufgabe der Teilnehmer sein, schlauer zu sein, als der Fahrtleiter. Sollten alternative/bessere Lösungen bestehen, dann muss man halt neutralisieren, d.h. beide Lösungen gelten lassen. Zum ersten Mal habe ich mein selbst erstelltes „Protestformular“ eingesetzt und dem Schiedsgericht eingereicht, was aber – natürlich – auch nichts gebracht hat.

Was ich jedoch sehr positiv finde: der Veranstalter hat neben jeden Ergebnisaushang ein eigenes Rückmeldeformular gehängt, wo man seine Fragen oder „Beschwerden“ eintragen konnte. Sehr vorbildlich, das habe ich noch nie irgendwo gesehen. Jetzt würde ich mir noch eine explizite Rückmeldung zu diesen Punkten wünschen (z.B. Fehler bei DK 6 wurde angepasst, etc.), dann wäre es wirklich perfekt.
Note: 2+
Siegerehrung, Pokale und Nachbetreuung
Die Siegerehrung konnte zur geplanten (eher späten) Zeit über die Bühne gehe, was in Oelde wörtlich zu nehmen ist. Vorher wurde ein Teil der Wartezeit noch mit Sonderpreisen für die besten WP-Fahrer überbrückt. Schön gemacht. Die Glaspokale waren hochwertig und schwer, nicht die „üblichen“ Blechpötte. Die Teams wurden angemessen vorgestellt und gewürdigt. Auch gab es offizielle Fotos. Insgesamt ist der AC Oelde auch in Sachen Kommunikation und Social Media weit vorne dabei im Vergleich zu anderen Veranstaltern. Der Fahrtleiter war den Tag und den Abend über immer ansprechbar. Eine Nachbetreuung brauche ich somit nicht. Auch nach der Fahrt agiert der AC Oelde vorbildlich: Online Aushang der Ergebnisse, etc. – und vor allem ein toller Fotoservice mit sehr gelungenen Bildern von der Veranstaltung / den Teilnehmern.
Note: 1
Anmerkungen und Besonderheiten
Einen offiziellen Feedbackbogen kenne oder kannte ich bisher eigentlich nur von den Ori-Veranstaltungen. Bei einer Oldtimerfahrt habe ich das zum ersten Mal bei den letzten „Hünengräbern“ erlebt. Nun haben die Oelder nachgezogen und die Teilnehmer auch ganz offen um Ihr Feedback gebeten. Siehe Formular. Es wäre wirklich begrüßenswert, wenn sich weitere Veranstalter diesem neuen Trend (???) anschließen würden. Schön, wenn Veranstalter solche Anregungen aufnehmen 🙂

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FAZIT
Mit einer teilweise neuen bzw. „verjüngten“ Teamaufstellung bot „Rund um Oelde“ auch 2026 die gewohnt hochwertige Oldtimerveranstaltung. Nach wie vor kann der organisatorische Rahmen, die Kulinarik im Bürgerhaus sowie die Streckenführung begeistern. Die WBV-Prüfung erfuhr ein begrüßenswertes Update, bei den Orientierungsaufgaben gab es Aufgaben zum Nachdenken – und vor allem Nachmessen der kürzesten Strecke. Der zeitliche Gesamtrahmen erfordert auf Seiten der Teilnehmer eine gewisse Ausdauer bzw. Durchhaltevermögen. Ein kompakteres Format mit späterem Start und einer ausgeglicheneren Aufteilung der Streckenlänge würde den Charakter der Fahrt nicht beeinträchtigen und könnte für noch besseres Feedback sorgen 🙂 Der AC Oelde verfügt im übrigen über gute Sponsoren, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier einfach unschlagbar. Wo bekommt man sonst für 140 EUR Nenngeld abends so ein Buffet mit all you can eat & drink? 🙂
Große Bitte an die Veranstalter: Behaltet die sportliche Wertung bei, dann kommen wir sehr gerne wieder.
Gesamtnote: 1-
IMPRESSIONEN















AUFGABEN


Die erste richtige Orientierungsaufgaben hatte es direkt in sich. Kürzeste Strecke der ersten ca. 4 Aufgabenteile musste korrekt bestimmt werden. Also denken, messen, überlegen, nochmal messen. Wenn man hier bei den ersten Aufgabenteilen schon falsch lag, ging der ganze Rest der Aufgabe nicht auf. Sehr gut gemacht.

Aufgabe 6, ähnlich wie Aufgabe 3: man musste die kürzeste Strecke am Anfang finden, dann ergab sich der Rest der großen Schleife – fast – von alleine. Hier haben wir zunächst sehr viel Zeit verbraucht. Bei ca. 30 Grad im Schatten, die technische Geräte schmelzen fast bei ca. 60 Grad auf dem Armaturenbrett, darf man aber auch mal länger brauchen…

Ausufernde Fischgräten haben in Oelde eine lange Tradition. Dieses Mal gab es nur eines dieser possierlichen Tierchen zu lösen. Ich fand das jetzt nicht ganz so schwer. Wobei das Ding doch schon auf engem Raum zu fahren war. Insgesamt hatte ich schon den Eindruck, dass der Fahrtleiter 2026 auf das Risiko „zu viel gewollt“ sehr bewusst geachtet hat.